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Die Einheitskasse würde heute angenommen

65 Prozent würden laut einer Umfrage Ja sagen, wenn heute die Abstimmung zur Einheitskrankenkasse wäre. Vor allem bei bürgerlichen Wählern zeigt sich ein überraschender Trend.

Gute Nachrichten für den Gesundheitsminister: Bundesrat Alain Berset bei der Präsentation der Pläne für die Einheitskrankenkasse in Bern. (Oktober 2012)
Gute Nachrichten für den Gesundheitsminister: Bundesrat Alain Berset bei der Präsentation der Pläne für die Einheitskrankenkasse in Bern. (Oktober 2012)
Keystone

Die Forderung nach einer Einheitskrankenkasse kommt in der Bevölkerung gut an. Derzeit würde die Initiative vom Stimmvolk wohl angenommen. Allerdings vermag das Volksbegehren noch wenig zu mobilisieren.

Weniger als ein Drittel der Bevölkerung würde sich heute sicher an der Abstimmung beteiligen, wie aus dem GFS-Gesundheitsmonitor 2013 hervorgeht. Unter jenen, die abstimmen wollen, befinden sich die Befürworter einer Einheitskasse allerdings deutlich in der Mehrheit.

Der Zustimmungswert liegt gemäss GFS Bern bei 65 Prozent. Nur 28 Prozent würden ein Nein einlegen. Die Befürworter seien gegenwärtig besser mobilisiert als die Gegner, sagte der Leiter des Forschungsinstituts GFS Bern, Claude Longchamp, heute Montag vor den Medien in Bern.

Zwar nimmt die Zustimmung zu einer Volksinitiative erfahrungsgemäss ab, je näher der Abstimmungstermin rückt. Gemäss Longchamp büsst das Ja-Lager von der ersten Umfrage bis zur Abstimmung durchschnittlich 12 Prozent ein. Der Vorsprung der Befürworter einer Einheitskasse sei aber doch bemerkenswert.

Hoffnung auf sinkende Prämien

Die Initiative «Für eine öffentliche Krankenkasse» verlangt eine einzige Krankenkasse für die Grundversicherung. Private Kassen müssten sich auf den Bereich der Zusatzversicherungen konzentrieren. Für das Begehren machen sich unter anderem die SP und die Grünen stark.

Die bürgerlichen Parteien stellen sich geschlossen gegen die Initiative. Sie wollen auch nichts wissen von einem Gegenvorschlag, wie ihn Bundesrat Alain Berset ausgearbeitet hat. Beim Volk verläuft die Trennlinie weniger scharf: Auch die befragten CVP- und FDP- und SVP-Wähler, die sicher an der Abstimmung teilnehmen wollen, sind derzeit mehrheitlich für eine Einheitskasse.

Ein Hauptargument gegen die Initiative sind die angeblich steigenden Kosten bei einem Ja. Die FDP etwa machte am Montag in einer Mitteilung erneut deutlich, dass eine Einheitskasse teurer wäre als das gegenwärtige System.

Diese Argumentation ziehe noch nicht, sagte Longchamp vor den Medien. Nur 40 Prozent der Befragten seien der Meinung, dass ein Systemwechsel höhere Kosten zur Folge hätte. Im Gegenzug gehen 51 Prozent von sinkenden Prämien aus.

Kein Problemdruck bei Hausarzt-Frage

GFS Bern griff im diesjährigen Monitor zudem den Inhalt einer zweiten Initiative zum Gesundheitssystem auf, die derzeit im Parlament beraten wird. Ein Volksbegehren mit dem Titel «Ja zur Hausarztmedizin» fordert Massnahmen gegen den Hausärztemangel.

Geht es nach den befragten Stimmberechtigten, soll damit ein Problem behoben werden, das derzeit gar keines ist: Eine deutliche Mehrheit von 78 Prozent ist der Meinung, dass es genug oder gar zu viele Hausärzte gibt. Diese Einschätzung wird auch in ländlichen Gebieten geteilt, wo der Mangel besonders ausgeprägt sein soll.

Zwar richte sich das Volksbegehren in die Zukunft, in der sich ein Mangel an Hausärzten abzeichne. Doch die erste Frage, die sich die Stimmbürger jeweils stellten, sei: «Liegt derzeit ein Problem vor?» Offensichtlich würde heute eine Mehrheit diese Frage mit Nein beantworten.

Hohe Zufriedenheit mit Gesundheitssystem

Die Umfrage von GFS Bern im Auftrag des Branchenverbandes Interpharma zeigt ausserdem eine hohe Zufriedenheit mit dem Schweizerischen Gesundheitswesen. 76 Prozent der Stimmberechtigten haben von diesem einen sehr oder eher positiven Eindruck.

Damit wurde der höchste Zustimmungswert seit der Einführung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) vor 17 Jahren erreicht. Der bisherige Höchstwert datiert aus dem Jahr 2008, als sich 68 Prozent positiv zum Gesundheitssystem geäussert hatten.

SDA/fko

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