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«Die direkte Demokratie muss mehr sein als ein Ventil»

Die direkte Demokratie der Schweiz funktioniert nur dank dem Milizsystem, sagt Georg Kohler. Der emeritierte Professor für politische Philosophie hofft darum auf eine Reform des unter Druck geratenen Systems.

Philipp Loser
«Die hochmoderne Zivilisation stellt all jene Dinge infrage, die die Schweiz ausmachen»: Georg Kohler, emeritierter Professor für politische Philosophie.
«Die hochmoderne Zivilisation stellt all jene Dinge infrage, die die Schweiz ausmachen»: Georg Kohler, emeritierter Professor für politische Philosophie.

In einem neuen Buch von Avenir Suisse halten Sie ein flammendes Plädoyer für das Schweizer Milizsystem. Warum ist ausgerechnet das Milizsystem ein Pfeiler der Schweizer Identität?

Ein flammendes Plädoyer? Ein Plädoyer würde ich sagen. Denn man muss vorsichtig sein: Ich bin nicht überzeugt, dass es gelingt, das Milizprinzip den heutigen Gegebenheiten entsprechend zu modernisieren. Aber man sollte es versuchen. Der Grund ist einfach: Was man die schweizerische politische Kultur in ihrer Besonderheit nennt, ist mit der Bürgerbeteiligung, die ihren Ausdruck nicht zuletzt im Milizprinzip findet, zutiefst verbunden. Die direkte Demokratie setzt wesentlich auf die Partizipation und die Kompetenz der Bürger. Unser System kann nur funktionieren, wenn die Bürger über die entsprechenden Fähigkeiten des «Politisierens» verfügen. Heute haben wir eine andere Tendenz: Die direkte Demokratie wird als Ventil für Bürgerproteste und Symbolpolitik betrachtet. Hier braucht es wieder ein Gegengewicht. Und das kann ein funktionierendes Milizsystem sein.

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