Ein Anruf des Lobbyisten beim «Blick»-Chefredaktor

Hat die PR-Agentur Furrerhugi versucht, die Berichterstattung zugunsten von Viola Amherd zu beeinflussen?

Dementiert jegliches Auftragsverhältnis zu Furrerhugi: CVP-Bundesratskandidatin Viola Amherd. Foto: Alessandro Della Valle (Keystone)

Dementiert jegliches Auftragsverhältnis zu Furrerhugi: CVP-Bundesratskandidatin Viola Amherd. Foto: Alessandro Della Valle (Keystone)

Die Agentur Furrerhugi habe bei hochrangigen Medienvertretern für CVP-Bundesratskandidatin Viola Amherd lobbyiert, ohne dies offenzulegen. Wegen dieses Verdachts kommt es zu einem Verfahren bei der Aufsichtsinstanz des Lobbyistenverbands Spag. Ein Mitglied habe eine Eingabe eingereicht, bestätigt Hans-Peter Thür, Präsident der Standeskommission. Es werde nun geprüft, ob ein Verstoss gegen die Standesregeln vorliege. Im vorliegenden Fall stellt sich die Frage, ob Furrerhugi für Amherd lobbyiert hat. Und falls ja: ob die Agentur dies nicht hätte offenlegen müssen. Spag-Mitglieder müssen alle Lobby-Mandate publizieren.

Auslöser für das Verfahren ist ein Artikel vom 16. Oktober, in dem die Titel des CH-Media-Verbunds berichteten, Furrerhugi habe «Journalisten auf oberster Ebene kontaktiert» mit dem Ziel, «die zivilrechtliche Verurteilung von Amherd wegen überzogener Miete herunterzuspielen». Amherd erklärte letzte Woche, sie habe im Rahmen ihrer Bundesratskandidatur keinerlei Auftragsverhältnis mit Furrerhugi. Ihre einzige geschäftliche Beziehung zur Agentur bestehe über den Verband Glasfasernetz Schweiz: Amherd ist Präsidentin des Verbands, der seine Geschäfte von Furrerhugi führen lässt.

Die Agentur dementiert

Lorenz Furrer, Mitgründer der Agentur, sagt, die Sache sei «lächerlich». Die Meldung von CH-Media beziehe sich auf ein Telefongespräch, das er mit «Blick»-Chefredaktor Christian Dorer aus anderen Gründen geführt habe. Dabei sei man auch auf die Bundesratswahlen zu sprechen gekommen. «Ich habe aber in keiner Art und Weise für Viola Amherd lobbyiert.» Ein Mandat von Amherd im Zusammenhang mit der Bundesratswahl habe Furrerhugi nicht «und würden wir auch nie annehmen».

Standeskommissionspräsident Thür wollte sich inhaltlich zum Fall nicht äussern. Sein Vorgänger Thomas Sägesser verweist jedoch auf einen Entscheid im Zusammenhang mit der Kasachstan-Affäre von 2015. Die Standeskommission stellte damals fest, dass Lobbying-Aktivitäten vom Moment an offenzulegen sind, wenn man für andere, nicht eigene Interessen vorstellig wird – selbst dann, wenn formell noch kein Vertrag abgeschlossen sein sollte.


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«Die Spag hat die Pflicht zur Transparenz seither verschärft, weil auch Medienarbeit mit dem Ziel der Beeinflussung von Parlamentariern ausdrücklich als Lobbying gilt», sagt Sägesser. Öffentlichkeit und Parlament sollten wissen, wenn gezielte Medienarbeit betrieben wird. Alex Biscaro von Transparency International überraschen die Vorwürfe gegen Furrerhugi nicht. Der Konkurrenzkampf zwischen den Lobbyisten sei gross, und in der Branche komme es leider immer noch viel zu oft vor, dass verdeckt und ohne klare Offenlegung lobbyiert werde.

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