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Die Polizei rüstet auf – mit Panzerfahrzeugen der Armee

Die Schweizer Polizeikorps mieten bei der Armee gemeinsam 16 gepanzerte Fahrzeuge für den Terrorfall.

Gepanzerte Duro-Lastwagen für die Kantonspolizei Zürich: Ein Promotionsvideo der Herstellerfirma zeigt Einsatzmöglichkeiten. Video: Tamedia

Angesichts der Terrorgefahr in ganz Europa rüstet die Schweizer Polizei immer weiter auf. Nachdem verschiedene Korps bereits Sturmgewehre und neue Schutzausrüstungen angeschafft haben, rücken in der Wunschliste der Polizei nun gepanzerte Fahrzeuge weit nach oben. Die Kantonspolizei Zürich hat diesen Wunsch jetzt in die Tat umgesetzt, wie der «Landbote» berichtet. Von der Armee hat die Kapo Anfang März zwei gepanzerte Duro-Lastwagen zur Dauermiete erhalten. Dabei handelt es sich um Geschützte Mannschaftstransportfahrzeuge (GMTF), welche in der Armee bei der Infanterie im Einsatz sind. Die Panzerung der Duro ist so stark, dass sie laut Armeeangaben nicht nur Schutz gegen Splitter bietet, sondern auch gegen direkt abgefeuerte Projektile.

Dass die Armee den Polizeikorps für punktuelle Einsätze – etwa für die Euro 08 – gepanzerte Fahrzeuge ausleiht, kam auch früher immer wieder vor. Neu ist nun aber, dass eine Kantonspolizei von der Armee dauerhaft gepanzerte Duro zur Verfügung gestellt erhält. Die Kapo Zürich bezahlt dafür 35'000 Franken pro Jahr und Fahrzeug. Stationiert sind sie am Flughafen Zürich, sollen notfalls aber auch anderswo im Kanton eingesetzt werden. Die Armee liefert die Duro der Polizei ohne Bewaffnung, die gewöhnlich aus einem Maschinengewehr besteht. Der Mietvertrag mit den Zürchern wurde vom Armeechef persönlich bewilligt.

Genfer haben Schützenpanzer

Ausser den Duro können Polizeikorps bei der Armee sogar Radschützenpanzer mieten: der Kanton Genf miete schon länger zwei Piranha 8x8 für den Einsatz auf dem Flughafen Genf, teilt die Armee auf Anfrage mit. Dieser Mietvertrag werde jeweils jährlich verlängert.

Die Kantone Genf und Zürich bilden aber erst die polizeiliche Vorhut. Letztes Jahr seien «weitere Begehren für die Leistungen im Bereich geschützte Fahrzeuge von verschiedenen Polizeikorps an die Armee getragen worden», erklärt Armeesprecher Stefan Hofer. Die Nachfrage vonseiten der Polizeikorps scheint derzeit so gross, dass das Vermieten von Panzerfahrzeugen ein neuer Dienstleistungsbereich der Armee werden könnte. «Um hier eine einheitliche Handhabung gewährleisten zu können und eine für alle Beteiligten möglichst einfache und effiziente Lösung zu finden, ist derzeit eine Leistungsvereinbarung zwischen der Armee und der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten der Schweiz (KKPKS) am Entstehen», sagt Armeesprecher Hofer. Diese Vereinbarung sei aber noch nicht unterzeichnet, deswegen könne die Armee dazu keine detaillierteren Angaben machen.

Die KKPKS bestätigt, dass sie mit dem Verteidigungsdepartement (VBS) und der Logistikbasis der Armee eine vertragliche Vereinbarung getroffen habe. Im Rahmen einer «Gesamtregelung» vermiete die Armee den Polizeikorps gemeinsam 16 gepanzerte Fahrzeuge, die jeweils «im Einzelfall abgerufen werden können». Die beiden Zürcher Duro sind dabei nicht mitgezählt. Zum Einsatz kämen die 16 Fahrzeuge bei «Einsatzszenarien der Terrorlage», erklärt die KKPKS. Zur Art der 16 Fahrzeuge und ihrer Stationierung äusserte sich die Konferenz ebenso wenig wie zu den Kosten. Die Kapo Zürich zahlt für die Miete der beiden Duro pro Jahr 70’000 Franken.

Einsatz gegen Terroristen

Eines der Polizeikorps, das für eine Miete von Piranhas oder gepanzerten Duro ebenfalls infrage kommt, ist die Kantonspolizei Aargau. Die Aargauer besitzen zwar seit längerem ein eigenes, kleines gepanzertes Fahrzeug, das nun aber durch ein neues, grösseres ersetzt werden soll. Eine Miete bei der Armee sei eine Option, die geprüft werde, sagt Roland Pfister, Sprecher der Kapo Aargau. «Die Evaluation läuft noch», sagt er.

Als mögliches Einsatzszenario stehe die Möglichkeit eines Terroranschlags im Fokus, sagt Pfister. Die Erfahrungen der letzten Jahre hätten gezeigt, dass terroristische Angriffe nicht nur in Weltstädten wie Paris oder Brüssel möglich seien, sondern auch in Kleinstädten. «Auch in der Schweiz sind solche Anschläge wahrscheinlich», sagt Pfister.

Bei solchen Einsätzen nütze es nichts, wenn die Polizei zwar Sturmgewehre und Schutzwesten habe, aber in einem ungepanzerten Auto in den Einsatz fahren müsse. Auch für die Evakuation von gefährdeten Zivilisten könne ein gepanzerter Transporter im Notfall nützlich sein.

Die geschützten Transporter könnten sowohl bei kriminalpolizeilichen als auch bei sicherheitspolizeilichen Einsätzen Verwendung finden.

Die Kantonspolizei Zürich umschreibt die möglichen Einsätze etwas weniger spezifisch. Die geschützten Mannschaftstransporter könnten sowohl bei kriminalpolizeilichen als auch bei sicherheitspolizeilichen Einsätzen Verwendung finden «und zwar immer dann, wenn Menschen in Gefahr sind», sagt Mediensprecher Werner Schaub. Schon heute habe die Kapo Zürich bei Bedarf auf einen gepanzerten Eagle – ein viel kleineres Fahrzeug als der Duro – des Flughafens Zürich zurückgreifen können. Dass sie nun aber über gepanzerte Mannschaftstransporter verfüge, sei für die Kapo Zürich eine Premiere, sagt Schaub.

Die Armee glaubt, dass die Vermietung der Fahrzeuge die Zusammenarbeit mit den schweizerischen Polizeikorps fördern werde. Es gehe ihr darum, den Schutz der Bevölkerung gesamtheitlich zu betrachten und sicherzustellen. Ein mögliches Risiko erkennt die Armee allerdings darin, dass auch andere zivile Organisationen plötzlich mit ähnlichen Wünschen an das Militär herantreten, namentlich die Feuerwehren.

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