«Der Sport- und Aussenminister»

Ein Schaffhauser FDP-Mann will auch noch Bundesrat werden.

In Schaffhausen geht die Rede, Christian Amsler wolle im Wahljahr 2019 seine letzte Chance als 55-Jähriger wahrnehmen.

In Schaffhausen geht die Rede, Christian Amsler wolle im Wahljahr 2019 seine letzte Chance als 55-Jähriger wahrnehmen.

(Bild: Keystone)

Beni Gafner@Tamedia

Steigt der Fussballclub Schleitheim von der 4. in die 3. Liga auf, freut sich auf dessen Homepage unter der Rubrik Gastkommentar «der Schaffhauser Sportminister über den tollen Aufstieg» und die «gleichzeitige tolle Durchfahrt der Tour de Suisse» (2011).

Und überdauert ein Privatinvestor und Präsident des FC Schaffhausen Jahrzehnte kantonaler und städtischer Politwiderwärtigkeiten und durchbricht er die damit verbundenen Behinderungen, um das Lebensziel in Form eines schmucken Kleinstadions zu erreichen (2017), freut sich und gratuliert kein geringerer als «der Schaffhauser Sport- und Aussenminister riesig», wie sich Christian Amsler selbst bezeichnet. – Das wiederum nicht nur im Namen des Kantons, sondern im Namen des Landes, «das solche Menschen braucht».

Militärübungen dokumentiert

Die sozialen Netzwerke Instagram und Facebook, stets persönlich mit unzähligen Einträgen gepflegt, und die eigene Internetseite «christianamsler.ch» zeigen: Die Schweiz sieht sich seit gestern Abend mit einem Bundesratskandidaten konfrontiert, dessen selbstdarstellerischen Fähigkeiten im Kanton unbestritten, manchmal noch belächelt, am häufigsten aber wohl schulterzuckend hingenommen werden.

Dass sich der Regierungsrat persönlich am Telefon auf der Redaktion des Lokalblatts beschwert, wenn er sich am Folgetag einer Feier aus dem Zeitungsbild geschnitten sieht, erstaunt deshalb vor Ort kaum. Bereits zu Militärdienstzeiten dokumentierte Amsler jedwede Übung oder Fahnenübergabe mit sich als Kompanie-, später als Bataillonskommandanten und dann als Oberst im Vordergrund im Bild und online. – Im Bild, im Bild und nochmals im Bild und dann auch im Wort, wobei er über sich stets an erster Stelle und in dritter Person schrieb. Dasselbe tut er dieses Jahr als Präsident der Kantonsregierung.

«No comment» hiess es dann allerdings in einer Kurzmitteilung, also per Einwegkommunikation, auf die Anfrage der BaZ vorgestern – trotz persönlicher Bekanntheit des Anrufers, der auf die Mitteilungsbox sprach. Offen bleibt deshalb die Frage nach den tatsächlichen Motiven einer letztlich chancenlos erscheinenden Bundesratskandidatur.

In Schaffhausen geht die Rede, Christian Amsler wolle im Wahljahr 2019 seine letzte Chance als 55-Jähriger wahrnehmen, um es doch noch nach Bern zu schaffen. Als Ständerat. Gewinnen müsste er dafür aber eine Kampfwahl gegen SVP-Ständerat Hannes Germann. Holen müsste Amsler somit jenen SVP-Ständeratssitz, der in Schaffhausen bisher stets in Stein gemeisselt war. Oder Amsler müsste den parteilosen, in der SVP-Bundeshausfraktion sitzenden Thomas Minder aus dem Amt werfen. Eine Bundesratskandidatur zur Befeuerung eines persönlichen Ständeratsziels? Ins Bild passen könnte es für einen, der viel unternimmt, um eigene Karriereziele zu erreichen, und für den politische Standpunkte deshalb sekundär sind.

Basler Zeitung

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