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«Der Dschungel der Dritten Welt breitet sich nach Europa aus»

Der Nationalstaat ist am Ende, die UNO ein Ruinenfeld, Hunger und Gewalt breiten sich aus. Jean Ziegler sieht die Welt in seinem neuen Buch am Wendepunkt und fordert zum Kampf auf.

Zeigt mit dem Finger: Jean Ziegler (80) im Restaurant des Délégués am UNO-Sitz in Genf.
Zeigt mit dem Finger: Jean Ziegler (80) im Restaurant des Délégués am UNO-Sitz in Genf.
Julien Gregorio/ Phovea

BaZ: Herr Ziegler, Sie lehnen die heutige Weltordnung «intellektuell ab». Tatsächlich hat man bei der Lektüre Ihres neuen Buches aber das Gefühl, dass Sie mit dieser Weltordnung sehr gut leben. Sie philosophieren, die Krawatte umgebunden und ein Glas Wein in der Hand, über den Hunger. Haben Sie kein schlechtes Gewissen?

Jean Ziegler: Doch, ich habe natürlich ein schlechtes Gewissen. Denn ich bin ja unglaublich privilegiert. Ich bin ein Weisser. Ich lebe in einem freien Land, ich hatte immer genug zu essen, das heisst meine Gehirnzellen konnten sich entwickeln. Ich bin ausserdem in einem friedlichen Mittelstandsmilieu aufgewachsen, mein Vater war Gerichtspräsident in Thun. Ich genoss die akademische Freiheit als Professor und hatte dazu noch ein Parlamentsmandat. Wenn ich in dieser Situation nicht kämpfen würde, könnte ich mich nicht mehr im Spiegel anschauen.

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