Der Armeechef will die Schweiz für den Cyberkrieg aufrüsten

André Blattmann fordert mehr Geld für den Kampf gegen Internetangriffe.

«Es wäre wirklich blauäugig zu sagen: Wir garantieren, dass wir dagegen gerüstet sind»: André Blattmann will mehr Geld für den Cyberkrieg.

«Es wäre wirklich blauäugig zu sagen: Wir garantieren, dass wir dagegen gerüstet sind»: André Blattmann will mehr Geld für den Cyberkrieg.

(Bild: Keystone)

Im Oktober 2009 schlug das Böse aus dem Netz zu: Das Aussendepartement von Micheline Calmy-Rey wurde über den Cyberspace angegriffen. Unbekannte Profis drangen in das IT-Netz des EDA ein. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts auf verbotenen Nachrichtendienst, was darauf schliessen lässt, dass es ein Staat war, der das EDA hat ausspionieren lassen. Gemäss Cyberspezialisten sind derzeit erst eine Handvoll Staaten in der Lage, einen so professionellen Angriff zu lancieren: im Osten China und Russland, und von den westlichen Ländern die USA, Israel, Grossbritannien oder Frankreich.

Der EDA-Fall hat den Bund aufgeschreckt. «Das hat uns alle durchgeschüttelt – zum Glück», sagte André Blattmann, Chef der Armee, gestern am Rand der Herbstversammlung der Schweizerischen Gesellschaft Technik und Armee. «Ich glaube, dass nur solche Ereignisse tatsächlich dazu führen, dass man sich selber die Frage stellt: Haben wir alles getan, was man tun kann?»

Die Armee ist schlecht gerüstet

Blattmann bestätigt, dass die Täter sich beim EDA Informationen beschaffen konnten. Auf die Frage, wie gravierend der Fall sei, sagt er: «Sobald jemand anders Zugang hat zu Informationen in Departementen, ist das immer gravierend. Denn wenn Informationen weggeflossen sind, ist nicht sicher, ob da nicht auch Informationen dabei waren, die vielleicht sogar für unser Land von Bedeutung sind.»

Und wie steht es mit der Verteidigungsfähigkeit der Armee im Cyberspace? «Es wäre wirklich blauäugig zu sagen: Wir garantieren, dass wir dagegen gerüstet sind.» Die Verfolger hinken den Kriminellen stets hinterher.

Der Cyberspace sei im sicherheitspolitischen Bericht wie auch im Armeebericht ein Thema, sagt der Armeechef, man sei sich der Gefahr bewusst. Die Massnahmen könnten deswegen nicht bis 2015 warten. «Das ist jetzt anzugehen. Und es ist auf höchster Ebene zurzeit ein Thema.» Soll heissen: beim Bundesrat. Mehr Einsatz im Kampf gegen Cyberattacken aber erfordert mehr Geld. Blattmann sagt: «Wenn wir jetzt unsere Massnahmen verstärken wollen, dann bedeutet das auch ein höheren Mitteleinsatz – Geld und Leute.»

Auch Attacken der Schweiz?

Wie viel Geld mehr man beantrage, sei noch nicht konkret errechnet. Abklärungen seien am Laufen. Bald soll der Bundesrat entscheiden: «Spätestens im ersten Quartal des nächsten Jahres», sagt Blattmann, werde es so weit sein.

Derzeit verbietet das Recht der Schweiz, selber Cyberattacken zu starten. Werden Überlegungen angestellt, das Gesetz so zu ändern, dass die Schweiz auch angreifen könnte? Blattmann bleibt vage: «Was die einzelnen Leute denken, sehe ich nicht. Auf jeden Fall müsste das zuerst die parlamentarischen Hürden nehmen.» Vielleicht gelte aber auch hier: «Nur die Katastrophe wirkt mobilisierend.»

Tages-Anzeiger

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