22 Verletzte bei Ausschreitungen in Bern

In Bern kam es zu Zusammenstössen zwischen Türken und Kurden. Auch fünf Polizisten wurden verletzt. Ein Auto raste in eine Menschenmenge.

  • loading indicator

In der Berner Innenstadt ist es gestern zu Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden gekommen. Teilnehmer einer Gegendemo hätten den Helvetiaplatz besetzt und Polizisten angegriffen. Danach gerieten sie auch mit den Teilnehmern der bewilligten Demonstration aneinander.

Die Polizei bestätigte über 22 Verletzte, auch fünf Polizisten und ein Diensthund seien verletzt worden, schreibt die Berner Kantonspolizei in einer Mitteilung. Fünf der 22 Verletzten stehen im Zusammenhang mit zwei Vorfällen mit Fahrzeugen abseits der Kundgebungen an der Berner Schwellenmattstrasse. Die Polizei und die regionale Staatsanwaltschaft teilten auch mit, mehrere Personen seien für Abklärungen auf eine Wache geführt worden.

Am Abend griffen Demonstranten beim Amthaus die Polizei mit Flaschen, Steinen und Feuerwerk an. Gegen das Gebäude, in dem unter anderem das Regionalgericht Bern-Mittelland untergebracht ist, warfen sie Farbbeutel. Corinne Müller, Sprecherin der Kantonspolizei Bern, bestätigte am Sonntagmorgen auf Anfrage eine entsprechende Meldung des Lokalradios BERN1.

Als die Einsatzkräfte gegen die Demonstranten vorrückten, zogen sich diese laut Müller ins alternative Kulturzentrum Reitschule zurück, das sich in der Nähe des Amtshauses befindet.

Fünf Verletzte bei «Vorfällen» mit Autos

Beide Gruppierungen seien mit «Schlaggegenständen» bewaffnet und nur schwer zu trennen gewesen. Die Polizei setzte Tränengas und Gummischrot ein. Kurden machten nach den Ereignissen der Polizei den Vorwurf, einseitig gegen sie vorgegangen zu sein.

Die Polizei berichtete zudem von zwei Vorfällen mit Fahrzeugen, bei denen fünf der Personen verletzt wurden. Ein Fahrer sei in eine Personengruppe gerast. Zwei Fussgänger und der mutmassliche Lenker seien verletzt ins Spital gebracht worden. Zudem wurde ein Autofahrer aus seinem Fahrzeug gezerrt und verletzt. Zu den Umständen dieses Vorfalls gebe es unterschiedliche Angaben, schreiben Polizei und Staatsanwaltschaft. Es werde ermittelt.

Video zeigt Angriff

Im Internet kursiert ein Video, das einen Autofahrer zeigt, der offenbar in eine Gruppe von Kurden gefahren ist. In der Berner Innenstadt fuhren mehrere Ambulanzen auf und transportierten Verletzte ab.

(Video: Youtube/Islamika Org Kanal)

Laut Darstellung einer kurdischen Demonstrantin wollten Kurden eine Kundgebung von «türkischen Nationalisten» stören. «Türken wurden mit Steinen beschossen», berichtet ein Leserreporter. Die Polizei habe lange zugeschaut, dann aber doch noch eingegriffen. «Mit Gas-Bomben schossen die Polizisten auf die Demonstranten», berichtet er weiter.

Ein weiterer Leserreporter berichtet über «agressive Zustände». Die Stimmung sei schon am frühen Nachmittag explosiv gewesen. «Als wir dann am Helvetiaplatz vorbei Richtung nachhause wollten, lagen mindestens zwei Verletzte auf dem Boden – die Ambulanz war bereits vor Ort», erzählt er weiter. Zudem habe er beobachtet, wie Demonstranten Barrieren kaputt traten und Feuerkörper zündeten.

Demonstration gegen Terrorismus

Die Demonstration war offenbar von der «Union für türkische Demokraten in Europa» (UETD) organisiert und nach Angaben der Organisatoren im Vorfeld bewilligt worden, wie ein Mitglied der UETD der Nachrichtenagentur SDA sagte. Die UETD steht der türkischen Regierungspartei AKP nahe. Sie seien jedoch keine «türkischen Nationalisten», hielt UETD-Vertreter Hakan Gokbas fest.

Mit der Demonstration hätten sie gegen den «Terrorismus» und den aktuellen Kurdenkonflikt in der Türkei protestieren wollen. Sie seien etwa 100 Personen gewesen. Ihre friedliche Kundgebung sei daraufhin von PKK-Anhängern gestört worden, die mit rund 180 Personen in der Überzahl gewesen seien.

pat/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt