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Das erste Jahr der Jungen im Nationalrat

Sie sind jung, ambitioniert, erfolgreich – und mischen die Schweizer Politszene gehörig auf. Vor einem Jahr schafften fünf Jungpolitiker den Sprung in den Nationalrat. Zeit für eine erste Bilanz.

Natalie Rickli (31): «Meine Motion zur Schaffung eines Pädophilen-Registers hat einiges ausgelöst.»
Natalie Rickli (31): «Meine Motion zur Schaffung eines Pädophilen-Registers hat einiges ausgelöst.»
Keystone
Bastien Girod (27): «Gefreut hat mich, dass mein Postulat für eine Kinderkrebsstudie im Zusammenhang mit AKW angenommen wurde und nun tatsächlich eine Studie in Auftrag gegeben wurde.»
Bastien Girod (27): «Gefreut hat mich, dass mein Postulat für eine Kinderkrebsstudie im Zusammenhang mit AKW angenommen wurde und nun tatsächlich eine Studie in Auftrag gegeben wurde.»
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Christian Wasserfallen (27): «Sei kein Goldfisch im Haifischbecken unter der Bundeshauskuppel!»
Christian Wasserfallen (27): «Sei kein Goldfisch im Haifischbecken unter der Bundeshauskuppel!»
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Vor bald einem Jahr wurden sie in den Nationalrat gewählt: die jungen Politiker Natalie Rickli (SVP), Tiana Angelina Moser (Grünliberale), Lukas Reimann (SVP), Christian Wasserfallen (FDP) und Bastien Girod (Grüne). Und sie haben schnell von sich reden gemacht. Selten waren Jungpolitiker so hoch im Kurs wie heute: Bastien Girod profilierte sich als Gegner der Offroader und der AKW, Lukas Reimann feierte mit dem Zustandekommen des Referendums gegen die Personenfreizügigkeit einen grossen Erfolg. Natalie Rickli setzte sich für ein Register pädophiler Straftäter, Christian Wasserfallen für mehr Sonntagsverkäufe ein und Tiana Moser engagierte sich für den Tierschutz.

Integriert und respektiert

Die jungen Nationalräte wissen, wie sie sich in- und ausserhalb der grossen Kammer Gehör verschaffen können. Sie sind das pure Gegenteil ihrer Altersgenossen, die seit jeher Politikverdrossenheit erkennen lassen. Für ihr erstes Amtsjahr finden die Politikbegeisterten denn auch durchwegs positive Worte: «spannend und lehrreich» (Rickli), «unglaublich abwechslungsreich» (Reimann), «sehr lehrreich und motivierend» (Girod), «vielseitig, intensiv, schnell, lehrreich» (Moser), «politisch turbulent aber sehr abwechslungs- und lehrreich» (Wasserfallen).

Die Fünf haben sich in den Nationalrat integriert und sich mit Engagement und viel Selbstbewusstsein Respekt verschafft. «Ich kann mich gut einbringen», freut sich Lukas Reimann, «und werde von erfahrenen Politikern ernst genommen.»

«Weit weg von der Realität»

Doch trotz aller Begeisterung für Politik mussten auch die Jungparlamentarier feststellen, dass die Arbeit im Nationalrat kein Zuckerschlecken ist: «Ich staune, wie weit weg von der Realität die Bundespolitik teilweise ist. Mehr gesunder Menschenverstand im Bundeshaus wäre dringend nötig», findet Natalie Rickli. Das kann auch Tiana Moser bestätigen: «Dogmen sind noch viel schwieriger zu durchbrechen, als ich vermutete.» Und Bastien Girod meint: «Wenn die Politik nur die Hälfte von dem umsetzen würde, was sie während den Wahlen verspricht, wären wir schon Meilen weiter.» Und auch Lukas Reimann muss nach eigenen Angaben an seiner Geduld arbeiten, denn: «Im St. Galler Kantonsrat wurden meine Vorstösse und Anträge immer rasch behandelt. In Bern kann man froh sein, wenn sie überhaupt einmal behandelt werden.» Sein Kollege Christian Wasserfallen hat dafür bereits einen Leitspruch parat: «Sei kein Goldfisch im Haifischbecken unter der Bundeshauskuppel!»

Neue Ziele

Denn Ideen, die es durchzubringen gilt, haben sie noch jede Menge: «Ich werde mit aller Kraft dafür eintreten, dass die Bürger und ihre Sparguthaben geschützt werden», verspricht Reimann. «Ich hoffe, die absolut fahrlässige Vorlage zu den biometrischen Pässen wird dank dem Referendum gründlich diskutiert», hofft Girod. Rickli will sich «für mehr Freiheit und bessere Rahmenbedingungen für die privaten Medien einsetzen.» Wasserfallen möchte sich als Ansprechpartner in Fragen der Energie- und Umweltpolitik etablieren. Und Moser hält die Nachhaltigkeit nicht nur in ökologischer Hinsicht für das Gebot der Stunde, «das zeigt gerade die Finanzkrise.»

Man darf also noch viel erwarten von der jungen Politiker-Gilde. Die Feuerprobe haben sie jedenfalls längst bestanden: In ihren Fragebögen (siehe Artikel zum Thema unten links) haben sie sich – wie man es von den Profis kennt – ganz politisch korrekt und völlig unverfänglich ausgedrückt.

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