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Das Elend liegt in der Mitte

SVP vorbei? FDP und CVP wo? Eine Bilanz der Wahlen aus bürgerlicher Sicht. Ein Kommentar von BaZ-Chefredaktor Markus Somm.

Das Ergebnis der eidgenössischen Wahlen von 2011 bedeutet für die SVP ohne Zweifel einen Rückschlag. Nachdem die Partei seit 1979 jedes Mal zugelegt hat, ist jetzt sowohl ihr Wähleranteil als auch die Zahl ihrer Sitze im Nationalrat zurückgegangen. Hatte sie sich selbst, aber zusehends auch ihre Gegner daran gewöhnt, dass ihr Wachstum scheinbar ewig dauern würde, ist sie nun auf den kalten Boden der Schweizer Realität hinuntergestossen worden.

Mehr als 30 Prozent, so lautet vielleicht eine ungeschriebene Regel der Schweizer Demokratie, erhält nie eine Partei. Und mehr als 60 Sitze im Nationalrat, so glaubt der kollektive Stimmbürger, tut unter Proporz-Bedingungen niemandem gut – auch der SVP nicht, die vor vier Jahren zwar 62 Sitze erzielt hat, doch dieses Glück nur kurz geniessen durfte, da sich schon bald die BDP mit 5 Vertretern davongemacht hatte. Der Freisinn brachte es in der besten Zeit auf 60 Sitze (1919 und 1925), danach bewegte sich seine Deputation stets um die 50 Sitze. Auch die SP, lange die quasi-offizielle Oppositionspartei der Schweiz, erreichte ihr höchstes Ergebnis von 56 Sitzen nur einmal, im Jahr 1943. Das war kurz nach Stalingrad. Man war allgemein erleichtert und glaubte an eine glänzende, linke Zukunft selbst in der bürgerlichen Schweiz.

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