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Erst abgewiesen, dann vom Arzt mit Schutzmaske empfangen

Wegen Verdachts auf das Coronavirus meldete sich eine Frau beim Spital. Dort gab man ihr zu verstehen, sie solle nicht auf Panik machen.

Das Praxispersonal habe beim Arztbesuch Schutzmasken getragen. Foto: Keystone
Das Praxispersonal habe beim Arztbesuch Schutzmasken getragen. Foto: Keystone

Der Fall von Daniela B. (Name der Redaktion bekannt) aus dem Kanton Zürich zeigt, wie verunsichert zurzeit Patienten und teilweise auch medizinisches Personal sind. Letzten Freitag traten bei ihrer Tochter, die in Peking lebt und seit zehn Tagen zu Besuch in der Schweiz ist, Krankheitssymptome auf. Daniela B. sagt: «Meine Tochter hatte Schluckweh und Fieber.» Am Sonntag sei auch sie mit 38,5 Grad Fieber, Halsschmerzen und Husten erwacht.

Am Montag meldete sich Daniela B. telefonisch bei ihrem Hausarzt. Doch einen Termin erhielt sie nicht. Weil der Husten und der Besuch der Tochter aus China den Verdacht auf das Coronavirus weckten, habe sie der Hausarzt ans Stadtzürcher Triemlispital verwiesen. Dort beschied ihr ein Arzt am Telefon, es sei kein Test nötig, weil die Tochter nicht aus der Region Wuhan zurückgekehrt sei.

«Der Arzt gab mir zu verstehen, dass ich nicht auf Panik machen solle», sagt Daniela B. Sie fühlte sich nicht ernst genommen. Denn ihre Tochter könne ja auch in Peking mit Menschen in Kontakt gekommen sein, die aus der Region Wuhan stammten und mit dem Coronavirus infiziert seien. Die Tochter arbeitet in Peking als Kindergärtnerin und war am 17. Januar aus China zu einem Besuch in die Schweiz gekommen.

Hausarzt empfing sie mit Maske

Am Dienstag, nachdem Daniela B. mit ihrer Vorgesetzten am Arbeitsplatz telefoniert hatte, meldete sie sich erneut beim Hausarzt und erhielt nun einen Termin. «Als ich die Praxis betrat, trug das Praxispersonal Schutzmasken», erzählt die Frau. Auch der Arzt habe sie mit Gesichtsmaske empfangen.

Es wurde bei ihr ein Nasenabstrich gemacht und eine Blutprobe entnommen. Später am Tag ging auch noch die Tochter zum gleichen Arzt zur Untersuchung. Vorerst sei nur die Blutprobe der Tochter ins Referenzlabor nach Genf geschickt worden. Falls es sich beim Krankheitserreger der Tochter nicht um das Coronavirus handelt, erübrigt sich der Test bei der Mutter.

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Der Nasenabstrich ergab bereits, dass es sich nicht um die saisonale Grippe handelt. Mutter und Tochter wurden angewiesen, bis zum Vorliegen des Testergebnisses aus Genf zu Hause in Quarantäne zu bleiben, also direkten Kontakt mit anderen Personen zu vermeiden. Daran halten sich die beiden strikt und warten auf den Anruf des Arztes. Sie haben genügend Lebensmittelvorräte für einige Tage. Falls sie dennoch etwas benötigen, wird eine Kollegin die Ware vor der Haustür deponieren.

Angst, dass sie mit dem Coronavirus infiziert sei, habe sie nicht, sagt Daniela B. Falls das Testresultat positiv ausfiele, würde es sich wohl um einen milden Krankheitsverlauf handeln. Sie fühle sich zwar nach wie vor schwach, habe Fieber und Husten. Allerdings habe sich der Zustand seit Sonntag nicht verschlechtert, und die Tochter sei mittlerweile wieder fieberfrei.

Viele Fragen, noch keine Hotline

Für das Verhalten des Hausarztes zeigt Daniela B. Verständnis. In der Hausarztpraxis sei man am Montag offensichtlich überfordert gewesen mit der Anfrage einer Patientin, die möglicherweise das Coronavirus trage. Deshalb habe sie der Hausarzt ans Spital verwiesen.

Das Triemlispital nimmt zu Einzelfällen keine Stellung. Das Spital halte sich an die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und der kantonalen Gesundheitsdirektion, hiess es bei der Medienstelle. Falls sich die Frau bei ihrem Anruf nicht ernst genommen gefühlt habe, sei dies bedauerlich. Das Spital sei zurzeit mit zahlreichen Anrufen konfrontiert. So hätten sich auch schon Leute bei der Medienstelle erkundigt, ob sie ein Paket aus China noch öffnen sollten.

Gerade für solche Fragen wäre wohl auch eine Hotline für die Bevölkerung hilfreich, wie sie das BAG am Dienstag ankündete. Nach wie vor besteht diese Hotline aber nicht. Sie werde in den nächsten Tagen eröffnet, hiess es beim BAG am Mittwoch.

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