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Chodorkowski beantragt Schweizer Schengen-Visum

Der russische Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski hat in der Schweizer Botschaft in Berlin um ein dreimonatiges Visum gebeten. Er will offenbar im Januar in die Schweiz reisen, wo seine Frau und die Söhne wohnen.

Soll neben Frau und zwei Söhnen laut einem Medienbericht auch «mindestens 200 Millionen Franken» in der Schweiz haben: Michail Chodorkowski in Berlin. (22. Dezember 2013)
Soll neben Frau und zwei Söhnen laut einem Medienbericht auch «mindestens 200 Millionen Franken» in der Schweiz haben: Michail Chodorkowski in Berlin. (22. Dezember 2013)
Axel Schmidt, Reuters
Zog die Menschen nach seiner Freilassung in seinen Bann: Michail Chodorkowski in Berlin an der Pressekonferenz im Mauermuseum (betreut wurde die Veranstaltung von Alexandra Hildebrandt (l.). (22. Dezember 2013)
Zog die Menschen nach seiner Freilassung in seinen Bann: Michail Chodorkowski in Berlin an der Pressekonferenz im Mauermuseum (betreut wurde die Veranstaltung von Alexandra Hildebrandt (l.). (22. Dezember 2013)
Keystone
Wiedersehen mit seiner Familie: Chodorkowski (Mitte) traf in Berlin Mutter Marina, Vater Boris (beide neben ihm), seine erste Frau Yelena (l.) und seinen ältesten Sohn Pavel (r.).
Wiedersehen mit seiner Familie: Chodorkowski (Mitte) traf in Berlin Mutter Marina, Vater Boris (beide neben ihm), seine erste Frau Yelena (l.) und seinen ältesten Sohn Pavel (r.).
Michael Kappeler, Reuters
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Der ehemalige Chef des Ölkonzerns Yukos, Michail Chodorkowski, deponierte heute bei der Schweizer Botschaft in Berlin einen Antrag auf ein dreimonatiges Schengen-Visum. Die Botschaft habe den Antrag entgegengenommen, teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit. Die Botschaft stehe zur Bearbeitung in Kontakt mit dem Bundesamt für Migration (BFM). Voraussichtlich werde der Antrag in den kommenden Tagen bearbeitet.

Da das Verfahren vertraulich sei, würden bis zum Entscheid keine weiteren Informationen veröffentlicht, hiess es weiter. Inhaber eines Schengen-Visums können sich in den Staaten des Abkommens bis zu 90 Tage pro Halbjahr aufhalten. Die Schweiz gehört zu den 26 Staaten des Schengener Abkommens.

«Sie werden alles besprechen»

Laut einem seiner Sprecher will Chodorkowski im Januar in die Schweiz reisen, wo seine beiden Zwillingssöhne Gleb und Ilja zur Schule gehen. «Es ist aber noch keine Entscheidung getroffen worden für irgendwelche langfristigen Pläne», fügte der Sprecher hinzu.

Im Laufe des heutigen Tages wollte Chodorkowski seine zweite Ehefrau Inna und die gemeinsamen drei Kinder in Berlin treffen. «Die Familie wird heute ankommen», sagte seine Sprecherin Olga Pispanen in Moskau. «Sie waren zehn Jahre lang nicht vereint.» Mit seiner zweiten Frau Inna hat Chodorkowski ausserdem eine Tochter namens Anastasia. «Er wartet auf die Ankunft seiner Familie. Sie werden sich zusammensetzen und das alles besprechen», sagte Sprecherin Pispanen über die Zukunftspläne der Familie.

«200 Millionen Franken» in der Schweiz

Chodorkowski, der als Ölunternehmer zum reichsten Mann Russlands aufgestiegen war, hat nach Medienberichten einen Teil seines Vermögens auf Schweizer Konten. In der «SonntagsZeitung» ist von «mindestens 200 Millionen Franken» die Rede.

Zur Zeit weilt Chodorkowski in Berlin. Deutschland stellte ihm ein Visum für ein Jahr aus. Am Wochenende hatte er in Berlin seine Eltern Marina und Boris sowie seine erste Ehefrau Jelena und den gemeinsamen Sohn Pawel getroffen. Der 28-jährige Pawel lebt in den USA.

Rückkehr ermöglichen – Verzicht auf Eigentum

2015 könnte Chodorkowski auch ohne Bezahlung seiner Millionenschulden beim russischen Staat nach Moskau zurückkehren. Die Staatsduma bereite ein Gesetz vor, das künftig eine private Bankrotterklärung ermögliche, sagte der Parlamentsabgeordnete, Sergej Gawrilow, der Zeitung «Iswestija» von heute.

Chodorkowski war als Chef des Ölkonzerns Yukos 2003 festgenommen und wegen umstrittener Finanzgeschäfte in zwei Prozessen zu langjähriger Lagerhaft verurteilt worden. Am Freitag wurde er nach mehr als zehn Jahren begnadigt und freigelassen, woraufhin er nach Berlin ins Exil reiste. Regulär wäre Chodorkowski erst im August 2014 aus dem Straflager entlassen worden.

Chodorkowski geht davon aus, dass Putin ihn begnadigt hat, weil er ausreiste. Ausserdem verzichtet Chodorkowski auf die Rückgabe seines früheren Eigentums und darauf, die russische Opposition zu unterstützen. Menschenrechtler hatten gehofft, dass sich der Regierungskritiker als «moralische Instanz» beim Aufbau der Zivilgesellschaft in Russland beteiligen könnte.

Chodorkowski lobt Pussy-Riot-Freilassung

Michail Chodorkowski hat die vorzeitige Haftentlassung der zwei Aktivistinnen der Punkband Pussy Riot gelobt. «Die Freilassung von politischen Gefangenen macht die Machthaber wenigstens ein bisschen humaner», teilte der 50-Jährige auf seiner Internetseite heute mit. «Ich weiss, dass die vergangenen Monate für Sie eine echte Hölle waren», hiess er in der Mitteilung.

Im Gegensatz zu den Künstlerinnen hatte Chodorkowski sich von Putin begnadigen lassen. Die nach einer Protestaktion gegen den Kremlchef zu zwei Jahren Straflager verurteilten Frauen Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina hatten ein Gnadengesuch abgelehnt. Die wegen Rowdytums verurteilten Aktivistinnen kamen nun im Zuge einer Massenamnestie frei – vor ihrem Haftende im März.

«Und bin froh zu erfahren, dass die Misshandlung, die eines europäischen Landes des 21. Jahrhunderts unwürdig ist, nun beendet ist», hiess es in Chodorkowskis Mitteilung. «Das Wichtigste ist jetzt wahrscheinlich, in sich selbst die Kraft zu finden, um im Herzen nicht Hass und Bitterkeit zu bewahren nach diesen schweren Prüfungen der Gefängnishaft.»

sda/AFP/AP/rub

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