Chef Heer pariert Diskriminierung

Genfer Rohstoffhändler KTM SA entschuldigt sich bei Korpskommandant Baumgartner.

Daniel Baumgartner, Chef Logistikbasis der Armee.

Daniel Baumgartner, Chef Logistikbasis der Armee.

(Bild: Keystone)

Beni Gafner@Tamedia

Das Stelleninserat ist in den letzten Tagen landesweit auf Beachtung gestossen – in Leserkreisen mehrheitlich auf Ablehnung. Die in Genf ansässige Rohstoffhandelsfirma KTM SA suchte Anfang Mai ein neues Kadermitglied. Dieses sollte gemäss Inserat verschiedene Qualifikation mit sich bringen und – «ohne militärische Verpflichtungen» sein. Infrage kamen somit nur jene, die keinen Dienst leisten. So eigennützig und asozial das Inserat in einem Land mit allgemeiner Dienstpflicht daherkam, so gnadenlos auf den Punkt gebracht fiel die Antwort des Chefs Heer in einem offenen Brief an den Chef der KTM SA aus.

Die knappen Worte von Korpskommandant Daniel Baumgartner trafen für viele ins Schwarze – und die Genfer Ego-Firma ins Mark. Denn wie die BaZ seit gestern weiss, sah sich ihr Repräsentant in der Schweiz, Marc-Hubert Tripet, zu einer Entschuldigung veranlasst. Baumgartner schrieb im offenen Brief, der wohl auch als Zeichen gedacht war an andere Unternehmensverantwortliche mit ähnlichen Absichten: «Sehr geehrter Herr Tripet, in Ihrer Stellenausschreibung halten Sie fest, dass Sie keine Bewerbenden berücksichtigen, die Militärdienst leisten. Damit diskriminieren Sie engagierte Schweizerinnen und Schweizer, die bereit sind, unter Einsatz ihres Lebens für unsere Werte, die Sicherheit und die Freiheit unseres Landes einzustehen. Das ist schlicht inakzeptabel.»

Türkische Ölhandelsfirma

Der offene Brief, datiert vom 8. Mai, endet im zweiten Abschnitt mit: «Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, die den höchsten Solidaritätsbeitrag leisten, den man für eine Gesellschaft leisten kann, verdienen auch Ihren Respekt; nicht zuletzt, weil auch Sie und Ihre Firma von Sicherheit und Freiheit in unserem Land profitieren.» Tripet schickte eine Antwort, die der Chef Heer anfänglich für sich behalten wollte. In der Aargauer Zeitung deutete er gestern lediglich an, dass diese erfreulich ausgefallen sei.

Gestern war nun aber zu erfahren, dass es sich um einen eigentlichen Entschuldigungsbrief von KTM-Verwaltungsratspräsident und CEO Tripet handelt. Darin schreibt er einerseits, er selbst habe ebenfalls Militärdienst geleistet. Andererseits schreibt er, beim kritisierten Punkt im Inserat handle es sich um ein Versehen, das einer internationalen Human-Resources-Service-Firma unterlaufen sei, die mit der Stellensuche betraut war.

Bei der KTM SA ist auf Anhieb nicht ersichtlich, welches die weiteren Verantwortlichen sind hinter Verwaltungsratspräsident und CEO Tripet. KTM jedenfalls ist eine türkische Erdölhandelsfirma. Es war der Präsident der Genfer Offiziersvereinigung USMG, Flavien Valloggia, der nach Erscheinen des Stelleninserats auf dem Online-Netzwerk LinkedIn die Sturmglocke zog. «Schockierend und illegal» sei die Ankündigung der Firma, keine Bewerber zu berücksichtigen, die Dienst leisten müssten, reklamierte der Anwalt und Oberstleutnant. Den Genfer Staatsrat und Sicherheitsdirektor Pierre Maudet (FDP) rief er ebenso zum Handeln auf wie VBS-Chef Guy Parmelin (SVP).

Der SVP-Bundesrat trat gestern Abend in dieser Sache vor die Fernsehkameras. In der SRF-Nachrichten­sendung «10vor10» kritisierte Parmelin die Stellenausschreibung. Der Verteidigungsminister sagte, es gelte solchem entschieden entgegenzutreten, schliesslich sei die Dienstpflicht in der Verfassung vorgeschrieben. Daran müsse immer wieder erinnert werden. Die genannte Bedingung in der Ausschreibung sei nicht zu tolerieren.

Basler Zeitung

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