Zum Hauptinhalt springen

Bundesrat lässt Wolf im Stich

Der Bundesrat gibt dem Druck des Parlaments nach: Die Jagd auf Wildtiere wird einfacher. In Zukunft geht es nicht mehr nur «Problemwölfen» an den Pelz.

Sein Schicksal dürfte in Zukunft noch mehr seiner Artgenossen ereilen: Der Wolf, welcher 2010 im Wallis abgeschossen wurde.
Sein Schicksal dürfte in Zukunft noch mehr seiner Artgenossen ereilen: Der Wolf, welcher 2010 im Wallis abgeschossen wurde.
Keystone

Der Schutz von Wolf und Luchs soll aufgeweicht werden. Wie der Bundesrat bereits früher angekündigt hat, will er den Kantonen den Abschuss dieser geschützten Wildtiere eher erlauben als bisher. Das Umweltdepartement hat dazu eine Revision der Jagdverordnung bis am 15. Juli in die Anhörung geschickt.

Demnach sollen geschützte Tierarten wie Luchs und Wolf künftig regional reguliert werden dürfen, sofern sie grosse Schäden oder Gefährdungen verursachten. Voraussetzung ist allerdings, dass ihr Bestand gross genug und stabil ist, wie das Bundesamt für Umwelt am Dienstag mitteilte.

Bereits heute ist der Abschuss dieser streng geschützten Tierarten möglich, wenn sie grosse Schäden an Wald und Kulturen verursachen oder Menschen gefährden. Bevor heute die Wildhüter einen Wolf oder einen Luchs aber aufs Korn nehmen können, muss nachgewiesen werden, dass ein einzelnes Raubtier in einer gewissen Zeit eine bestimmte Anzahl Nutztiere gerissen hat.

Bauern, Jäger und Fischer erhört

Neu sollen jedoch nicht nur solche «Problemwölfe» geschossen werden dürfen. In Zukunft soll der Bestand der Grossraubtiere - vorbehältlich einer Genehmigung durch die Bundesbehörden - von den Wildhütern auch reguliert werden dürfen, wenn in einer Region mehrere Raubtiere grosse Schäden verursachen und sich insbesondere an Nutztieren wie Schafen, Ziegen und Kühen vergreifen.

Gleiches gilt aber auch, wenn geschützte Wildtiere für «hohe Einbussen bei der Nutzung der kantonalen Jagd- und Fischereiregale» sorgen und damit die Jäger und Fischer zu stark konkurrenzieren. Ab wann eine hohe Einbusse vorliegt, definiert die Verordnung nicht. Dies soll erst in den Wildtier-Konzepten (Konzept Wolf, Konzept Luchs usw.) erfolgen, die den neuen Regeln angepasst werden müssen.

Reguliert werden sollen geschützte Tierarten auch, wenn sie «Infrastrukturanlagen im öffentlichen Interesse erheblich gefährden». Im Visier dieses Verordnungsartikels stehen die Biber, die durch ihre Bau- und Stauwerke erhebliche Schäden an Schutzdämmen aber auch an landwirtschaftlichen Wegen in Gewässernähe verursachen können.

Als Regulierungsmassnahme können sich die Experten des Bundes etwa vorstellen, ganze Biberfamilien einzufangen und zu entfernen. Auch der Abschuss soll möglich sein. Wie bei den Grossraubtieren gelte aber auch hier die Bedingung, dass die Bestände gross genug und stabil sind.

Druck des Parlaments

Umweltministerin Doris Leuthard reagiert mit der Revision der Jagdverordnung unter anderem auf Druck aus dem Parlament. Dieses hatte in den letzten Sessionen verschiedene Vorstösse gutgeheissen, die eine Aufweichung bisheriger Schutzvorschriften forderten.

Die bereits unter Leuthards Vorgänger Moritz Leuenberger eingeleitete Verordnungsrevision will ganz allgemein Konflikte zwischen Menschen und geschützten Wildtieren mildern.

Der Revisionsentwurf enthält deshalb auch Massnahmen gegen zu gierige Kormorane, die den Fischer Konkurrenz machen. So soll etwa die Schonzeit für Kormorane um einen Monat auf die Brut- und Nestlingsperiode zwischen März und August verkürzt werden.

Kürzen will der Bund auch die Schonzeit für Wildschweine. Den Schutz ganz aufheben will der Bund für die sich stark ausbreitende und bis anhin geschützte Saatkrähe. Der lärmige Vogel soll nun das ganze Jahr vergrämt und gejagt werden dürfen.

Neue Schutzvorschriften für gefährdete Tierarten

Vorgeschlagen werden aber auch Massnahmen zum besseren Schutz der Wildtiere vor Störungen durch Freizeitaktivitäten der Menschen. Dafür sollen Wildruhezonen in der Jagdverordnung verankert werden. Für Rabenkrähen, Elstern und Eichelhäher sollen Schonzeiten eingeführt werden. Das Rebhuhn soll vollständig unter Schutz gestellt werden.

Verbessern will der Bund aber auch den Tierschutz auf der Jagd: So will er bestimmte, aus Sicht des Tierschutzes problematische, Hilfsmittel verbieten. Dies gilt etwa für Totschlagfallen, Lanzen oder Messer. Und zur Stärkung des Naturschutzes auf der Jagd will der Bund für die Jagd auf Wasservögel Bleischrot verbieten.

SDA/kpn

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch