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Briten und Schweizer sind erleichtert

«This ist a major step», twitterte der im Kanton St. Gallen aufgewachsene Schweizer Franz Muheim, Professor an der University of Edinburgh, gestern kurz nach der Genehmigung des Abkommens durch die Schweizer Regierung. Auf Nachfrage ergänzt Muheim, dass dieser Schritt absolut notwendig war, damit aber längst nicht alle Probleme gelöst seien. «Schweizer ohne britische Staatsbürgerschaft, die als unbezahlte Erzieher oder Pflegekräfte arbeiten, Rentner oder Jugendliche müssen immer noch befürchten, dass es Probleme bei der Registrierung geben könnte», sagt der Physiker, der seit fast 20 Jahren in Grossbritannien lebt und arbeitet. Rund 34'500 Schweizer leben derzeit auf der Insel.

Auch bei vielen Briten, die hierzulande arbeiten, sei eine gewisse Erleichterung spürbar, ist Serge Steiner von der Bankiervereinigung überzeugt. Von den 43'000 britischen Staatsangehörigen arbeitet ein grosser Teil im Finanzsektor. «Wir begrüssen diesen ersten Schritt zur Erhaltung der guten Beziehungen und engen Zusammenarbeit der beiden Finanzplätze», sagt Steiner. Nebst dem Finanzsektor arbeiten viele Expats aus Grossbritannien im Pharmabereich, in der Forschung und der Bildung.

Bundesrat hat Handelsabkommen genehmigt

«Mit dem Abkommen ist die Situation für britische Staatsangehörigen in der Schweiz sowohl im Falle eines weichen als auch eines harten Brexits komfortabel ge­regelt», ist FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann überzeugt. Er ist Mitglied der Vereinigung von Schweizer und britischen Parlamentariern, der «UK-Swiss Friendship Association». Primäres Ziel der Ende September 2016 gegründeten Gruppe ist es, Synergien und Chancen zwischen beiden Ländern ausserhalb der EU für die Zeit nach dem Brexit zu fördern.

Erst letzte Woche hat der Bundesrat den Vertragstext eines Handelsabkommens mit Grossbritannien genehmigt. Dieser soll nach Konsultation der zuständigen Parlamentskommissionen und nach Unterzeichnung durch Bern und London vorläufig in Kraft treten. Das Parlament wird wegen der Dringlichkeit erst im Nachhinein über die Ratifizierung entscheiden.

Handelsvolumen von 17,5 Milliarden Franken pro Jahr

Insbesondere für die Schweizer Wirtschaft geht es um viel: Das Vereinigte Königreich ist der sechstgrösste Handelspartner der Schweiz – hinter Deutschland, den USA, China, Frankreich und Italien, aber noch vor Österreich. Insgesamt beläuft sich das Handelsvolumen auf 17,5 Milliarden Franken pro Jahr.

Wie eng die Wirtschafsbeziehungen zwischen den beiden Ländern sind, zeigt sich auch am Luftverkehr: 150 Flüge gibt es täglich zwischen der Schweiz und Grossbritannien. Diese Woche wurde deshalb ein Abkommen unterzeichnet, das die gegenseitigen Verkehrsrechte auch nach einem Brexit regelt.

Gregor Poletti

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