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«Bricht der Mittelstand weg, ist es aus mit dem angenehmen Leben»

Die Studie über die extrem ungleiche Verteilung des Reichtums in der Schweiz trifft den Nerv unseres Lesepublikums. Doch was tun? Politisch agieren, rebellieren oder resignieren?

«Dass die Menschheit leider aus der Geschichte nichts lernen will, um es in der Folge besser zu machen, ist bekannt»: Konsumenten im Berner Westside.
«Dass die Menschheit leider aus der Geschichte nichts lernen will, um es in der Folge besser zu machen, ist bekannt»: Konsumenten im Berner Westside.
Keystone

Weit über 200 Beiträge gingen zum Thema ein. Dass drei Prozent der Schweizer Bevölkerung gleich viel Vermögen versteuern wie die restlichen 97 Prozent, wird oft kritisch, manchmal mit Zynismus und gelegentlich auch mit resigniertem Schulterzucken kommentiert.

Viele, die den Fakt des extremen Ungleichgewichts in der Schweiz – wir rangieren bei der Vermögensverteilung unter 200 Staaten an 198. Stelle, nur noch Namibia und Singapur liegen hinter uns – nicht hinnehmen wollen, setzen auf politische Vorstösse. «Zürich hat schon mal die Pauschalbesteuerung abgeschafft. Ist zumindest mal ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt noch die SP-Steuerinitiative annehmen und dann sind wir nochmals einen Schritt weiter», heisst es in einem Kommentar. Dass die SP-Steuerinitiative derzeit so gute Umfragewerte erhält, spiegelt sich in vielen Beiträgen wieder: «Es sollte doch allen klar werden, dass gegen diese Ungerechtigkeit entschieden vorzugehen ist. Der erste Schritt ist die Annahme der SP-Steuerinitiative.»

Votum für die Erbschaftssteuer

Einige denken nicht nur diesen ersten Schritt. «Die Vermögensumverteilung ist gravierend und wird durch fehlende Erbschafts- und minimale Vermögenssteuern noch begünstigt.» Damit die Vermögenden nicht ungebremst immer noch reicher werden, soll die Erbschaftssteuer wieder auf die politische Tagesordnung gebracht werden. «Eine nationale (hohe) Erbschaftssteuer», wird gefordert. Und denjenigen, die bei jeglichen Steuergebaren den liberalen Geist unserer Gesellschaft gefährdet sehen, sei im Namen eines weiteren Schreibers gesagt: «Im Gegensatz zu allen anderen Steuern mindert diese Steuer den Leistungsanreiz nicht.»

Als bekämen sozialdemokratische Anliegen durch die laufende Debatte Rückenwind, heben Leser auch das Anliegen der Jungsozialisten auf den Schild: «Die 1:12-Initiative der Juso würde Abhilfe schaffen.» Gemeint ist das Begehren, dass innerhalb eines Unternehmens der meistverdienende nur 12 Mal mehr verdienen darf, wie derjenige, der am wenigsten verdient.

Gegner sozialdemokratischer Anliegen

Beileibe nicht alle Kommentare fahren auf der sozialdemokratischen Schiene. Als «Augenwischerei» und «gefährlicher Sozialismus» werden die Begehren der politischen Linken abgetan. Allerdings sind diese Votanten bei dieser Debatte in der Minderheit. Ein ähnliches Resultat ergab auch die Umfrage auf Redaktion Tamedia. 73 Prozent der Abstimmenden waren der Meinung, dass Superreiche schädlich seien für das Wirtschaftswachstum.

Die sachliche Debatte gleitet zuweilen auch in radikale Ansichten ab. «Dass die Menschheit leider aus der Geschichte nichts lernen will, um es in der Folge besser zu machen, ist bekannt. Es dreht sich alles im Kreis, alles wird sich wiederholen. Im Mittelalter ist man ausgezogen gegen die Feudalherren und hat sie verjagt und getötet und ihre Burgen zerstört und angezündet. Es ist wieder bald soweit, man fängt schon an bei der einen oder anderen Jagdhütte.» Weshalb das Volk noch nicht aufgestanden ist, will ein anderer wissen: «Warum lassen wir dies zu? Warum stehen wir nicht auf und gehen gemeinsam auf die Strassen und wehren uns gegen die globale Vereinnahmung der Grosskonzerne? (…) Uns geht es immer noch zu gut. Wir sind zu satt. Der Fressnapf ist noch voll, also schweigen wir und versuchen zu glauben, was uns die Konzerne, Regierungen und Medien vorsetzen.» Und noch ein weiterer macht sich speziell Sorgen um den Mittelstand: «Wenn der Mittelstand wegbricht, ist es in der Schweiz aus mit dem angenehmen Leben - für alle. Die Angestellten der Banken sollten auf die Strasse gehen und die Chefs feuern.»

Schon Mani Matter sagte, wie es geht

Einige nehmen es ganz einfach mit dem verstorbenen Berner Troubadour Mani Matter, der schon in den 70er Jahren sang: «Dene, wos guet geit, giengs besser, giengs dene besser, wos weniger guet geit. Was aber nid geit, ohni dass's dene weniger guet geit, wos guet geit.»

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