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Bauern verdienen mehr – aber nur dank Nebeneinkünften

Die Schweizer Bauern verdienen noch immer weniger als der Durchschnitt der Bevölkerung. Sie konnten ihre Gehälter in der letzten Dekade indes aufbessern – ausserhalb der Landwirtschaft.

Oft mit ungünstigen Produktionsbedingungen konfrontiert: Zwei Bauern heuen an einem Hang in Flüelen UR.
Oft mit ungünstigen Produktionsbedingungen konfrontiert: Zwei Bauern heuen an einem Hang in Flüelen UR.
Reuters

Die Einkommen der Landwirte sind in den letzten zehn Jahren ungefähr gleich stark gestiegen wie beim Rest der Bevölkerung. Bauern verdienen im Schnitt aber immer noch weniger. Eine immer grössere Rolle spielen die Einkünfte aus Nebentätigkeiten.

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) schlüsselte im Agrarbericht 2012 die Einkommenssituation der Bauernbetriebe erstmals detaillierter auf. Das Amt reagierte damit auf Kritik der Finanzkontrolle (EFK) am Einkommensvergleich, wie BLW-Direktor Bernard Lehmann heute vor den Medien in Bern ausführte.

Die EFK bemängelte unter anderem, dass die immer wichtiger werdenden nicht-landwirtschaftlichen Einkünfte unberücksichtigt blieben. Das holte das BLW nun nach: Werden sie eingerechnet, wuchs das Durchschnittseinkommen pro Bauernbetrieb im vergangenen Jahrzehnt von rund 75'000 Franken auf 85'000 Franken pro Jahr.

Verantwortlich für diesen Anstieg sind fast ausschliesslich die Nebeneinkünfte. Das Einkommen aus der Landwirtschaft nahm seit 2000 nur von rund 56'000 Franken pro Betrieb auf 58'000 Franken zu.

Stärkere wurden noch stärker

Die einkommensstarken Betriebe legten am meisten zu. Bei Betrieben im obersten Viertel stieg das mittlere Einkommen in zehn Jahren um 18 Prozent von 111'000 auf 131'000 Franken pro Jahr. Dagegen wuchs es bei den Betrieben im untersten Viertel um nur 3,3 Prozent auf 49'000 Franken.

Sowohl bei den einkommensstarken, als auch bei den -schwachen Betrieben stieg das ausserlandwirtschaftliche Einkommen stark an. Einkommensschwache Betriebe verdienten nur noch rund 9000 Franken aus landwirtschaftlichen Tätigkeiten und die restlichen 40'000 Franken mit anderen Aktivitäten.

Die Bauernbetriebe hätten sich aufgrund ihrer Situation anders organisiert, kommentierte BLW-Direktor Lehmann die Entwicklung. Wenn es nicht reiche, mit der Landwirtschaft ein Auskommen zu erwirtschaften, suchten die Landwirte nach anderen Möglichkeiten. Immer mehr gut ausgebildete Landwirte wollten sich aber auch ein Standbein neben der Landwirtschaft bewahren.

Die neue Agrarpolitik, die der Ständerat in der Wintersession beraten wird, solle die grossen Ungleichheiten reduzieren helfen, sagte Lehmann weiter. Der Bundesrat will damit ökologische Leistungen – beispielsweise im Berggebiet – besser abgelten. Der Bauernverband befürchtet, dass die Produktion zurückgehen könnte.

Gewaltige Unterschiede beim Arbeitsverdienst

Beim Verdienst pro Arbeitskraft liegt der Durchschnitt in der Landwirtschaft noch immer deutlich tiefer als bei der Bevölkerung in der gleichen Region. Der mittlere Lohn im Schnitt der Jahre 2009 bis 2011 betrug im Flachland rund 74'000 Franken pro Jahr. In der Landwirtschaft waren es 48'000 Franken.

Die Unterschiede sind aber gewaltig: In einem einkommensstarken Betrieb im Flachland im obersten Viertel liegt der Verdienst nämlich bei 107'000 Franken. In einem einkommensschwachen Betrieb des untersten Viertels kommt eine Arbeitskraft in einer Bauernfamilie dagegen gerade mal auf 8500 Franken. Das BLW lässt für diese Statistik allerdings die Nebeneinkommen ausser acht.

Im Berggebiet liegt der Verdienst vergleichsweise deutlich tiefer. Auch in einkommensstarken Betriebe kommen Bauernfamilien pro Arbeitskraft im Schnitt nur gerade auf den Durchschnittslohn der Region (63'000 Franken). Der Anteil der Direktzahlungen aus der Bundeskasse liegt in der Talregion bei 17,6 Prozent, in der Hügelregion bei 24,5 Prozent und in den Berggebieten bei 39,6 Prozent.

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft setzt sich weiter fort, hat sich aber nicht weiter beschleunigt. Im vergangenen Jahrzehnt nahm die Zahl der Betriebe pro Jahr um 1,8 Prozent ab. In den 1990er Jahren lag das Minus noch bei jährlich 2,7 Prozent. Vor allem kleinere Betriebe verschwinden nicht mehr in so grossem Mass.

Bevölkerung sieht Agrarfreihandel positiver

In einer Umfrage bei rund 700 Personen aus der ganzen Schweiz liess das BLW zudem die Erwartungen der Schweizer Bevölkerung an die Landwirtschaft auswerten: Dabei stehen die Produktion von Lebensmitteln, eine tierfreundliche Haltung, die Ernährungssicherheit zuvorderst, dicht gefolgt von umweltfreundlicher Betriebshaltung.

Einem Agrarfreihandelsabkommen mit der EU steht die Bevölkerung offener gegenüber als die Landwirtschaft. Heute finden 53 Prozent der Befragten, die Schweizer Ernährungswirtschaft hätte mit einem Agrarabkommen bessere Chancen, hochwertige Produkte auf dem europäischen Markt zu verkaufen. Das sind mehr als vor drei Jahren.

SDA/rub/rbi

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