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Basejumpern drohen bei Unfall Leistungskürzungen

Wer beim Basejumping verunfallt, dem können das Taggeld, die Rente oder die Hilflosenentschädigung gekürzt werden. Das hält der Bundesrat fest.

Gehen ein Wagnis ein: Basejumper in Lauterbrunnen. (Archivfoto)
Gehen ein Wagnis ein: Basejumper in Lauterbrunnen. (Archivfoto)
Keystone

Wer mit einem Fallschirm von einem Felsen springt und dabei verunfallt, erhält unter Umständen nicht die volle Versicherungsleistung, weil er ein Wagnis eingegangen ist. Wann genau eine Kürzung der Gelder droht, ist nicht festgelegt. Der Bundesrat sieht darin aber kein Problem.

Er erachte es nicht als sinnvoll, die Wagnisse abschliessend aufzulisten, schreibt der Bundesrat in seiner veröffentlichten Antwort auf einen Vorstoss von Nationalrat Christian Lohr (CVP/TG). Nach seiner Auffassung bedürfe es auch keiner Informationsstelle, um die Versicherten zu sensibilisieren.

Lohr hatte sich im Zusammenhang mit einem Bundesgerichtsurteil über die geltenden Regeln und möglichen Massnahmen erkundigt. Es ging dabei um einen jungen Mann, der aus vier Metern Höhe kopfüber in den trüben Rhein sprang und dabei eine Tetraplegie erlitt. Das Bundesgericht urteilte, er sei ein Wagnis eingegangen und müsse die Halbierung der Leistungen seiner Unfallversicherung hinnehmen.

Listen nicht bekannt

Die Unfallversicherer führten «Wagnislisten», schrieb Lohr in seinem Vorstoss. Inhalte und Konsequenzen seien der Bevölkerung aber kaum bekannt. Der Bundesrat hält fest, was als Wagnis gelte, sei in der Verordnung über die Unfallversicherung umschrieben. Gestützt auf diese Definition obliege es grundsätzlich den Versicherern zu entscheiden, ob ein Wagnis vorliege.

Die Unfallversicherer führten zwar eine Liste mit entsprechenden Sportarten und Tätigkeiten. Gemäss Rechtssprechung des Bundesgerichts sei diese jedoch nicht verbindlich. Letztlich entscheide die Rechtssprechung, ob und welche Form eines Wagnisses vorliege.

450 Fälle pro Jahr

Gekürzt werden können laut dem Bundesrat Geldleistungen wie das Taggeld, die Rente oder die Hilflosenentschädigung, nicht aber die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen. Zwischen 2004 und 2009 wurden jährlich im Mittel in 450 Fällen die Leistungen bei Freizeitunfällen gekürzt, fast immer um 50 Prozent.

Rund ein Drittel der Fälle betreffe Motocrossunfälle, schreibt der Bundesrat. Stark betroffen seien zudem Unfälle aus Motorennen, Boxwettkämpfen sowie anderen Risikosportarten. Dazu gehört auch Base-Jumping.

Nicht reduzierbare Risiken

Als «absolutes Wagnis» gilt aber auch das Zerdrücken eines Glases in der Hand. Ein solches Wagnis liegt vor, wenn eine gefährliche Handlung mit so grossen Gefahren für Leib und Leben verbunden ist, dass sich diese auch unter günstigen Umständen nicht auf ein vernünftiges Mass reduzieren lassen.

Von einem «relativen Wagnis» sprechen die Juristen, wenn eine Person es unterlassen hat, die Risiken und Gefahren auf ein vertretbares Mass herabzusetzen, obwohl dies möglich gewesen wäre - etwa beim Canyoning oder bei Schneesportaktivitäten ausserhalb markierter Pisten.

SDA/kle

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