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Auswanderungsland Deutschland: Wenn Tellensöhne die Ausländer sind

Das beliebteste Auswanderungsland der Deutschen ist die Schweiz. Die Liebe bleibt jedoch nicht unerwidert: Über 75'000 Schweizer leben in Deutschland.

Fröhlich flattern die Schweizer Fähnchen: 1. August-Feier in Berlin.
Fröhlich flattern die Schweizer Fähnchen: 1. August-Feier in Berlin.
Keystone

Wenn die Berge auf die Seele drücken oder die Ferne ruft, entschliessen sich nicht wenige Schweizer auszuwandern. Viele verschlägt es dabei nach Deutschland: Ende 2007 lebten genau 75'008 Personen mit einem Schweizer Pass nördlich des Rheins – darunter auch einige in hohen Positionen: Joe Ackermann ist Chef der Deutschen Bank, Trainer Lucien Favre motiviert den Fussballclub Hertha BSC Berlin zu ungeahnten Höhenflügen, und Stephan Märki führt das Nationaltheater Weimar unter tosendem Beifall des Publikums.

Klagen über Deutsche

Keine Spur also von Ressentiments gegenüber Schweizern – Misstöne sind vor allem in der Schweiz zu hören. Hier werden die Klagen über die anhaltende deutsche Einwanderungswelle lauter – Leserbriefe in den Tageszeitungen und Kommentare auf Redaktion Tamedia zeigen es.

Rudolf Schlatter kann das nicht verstehen. Der 60-jährige Schaffhauser lebt seit 1993 in Leipzig und führt dort das Naturkundemuseum. «Die Schweiz profitiert von den Deutschen», betont er. Vorurteile wie gegen die Deutschen in der Schweiz spüre er als Schweizer in Deutschland nicht. «Die Leute sind uns gegenüber sehr positiv eingestellt.» Schlatter spricht nicht nur für sich: Als Präsident der Schweizer Klubs Leipzig und Umgebung weiss er auch, wie es anderen Schweizern ergeht.

Der Klub zählt etwa 80 Mitglieder, die sich jedes Jahr mehrmals treffen. Highlight ist laut Schlatter die 1.-August-Feier. Dann findet jeweils ein Armbrust-Wettschiessen statt – als Trophäe winkt ein Teller aus Zinn mit eingravierter Tell-Darstellung. Diesen darf der Sieger ein Jahr lang bei sich aufbewahren.

Das entscheidende Inserat

Nach Deutschland hat es Schlatter zufällig verschlagen. Ein Freund hatte ihn auf ein Inserat für eine Stelle im Naturkundemuseum Leipzig aufmerksam gemacht. Darauf bewarb er sich, bekam sie und packte seine sieben Sachen. Nun ist er mit einer Leipzigerin verheiratet und hat eine Tochter. Trotz der vielen Jahre in Deutschland hat er immer noch eine enge Beziehung zur Schweiz – doch zurück will er nicht mehr. «Es ist ja kein weiter Weg in die Schweiz.»

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