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Aus der Schweiz eine Internetplattform für Terroristen betrieben

Zwei kurdische Brüder stehen unter Terrorverdacht: Einer von ihnen soll von der Schweiz aus die Homepage eines Islamistenführers betreut haben. Beide waren als Flüchtlinge anerkannt. Die Bundesanwaltschaft klagt an.

Gilt als Gründer der Terrororganisation Ansar al-Islam: Mullah Krekar, für dessen Organisation die beiden Angeklagten gearbeitet haben sollen. (Archivbild)
Gilt als Gründer der Terrororganisation Ansar al-Islam: Mullah Krekar, für dessen Organisation die beiden Angeklagten gearbeitet haben sollen. (Archivbild)
Reuters

Ein kurdisches Brüderpaar aus Irak soll von der Schweiz aus an einer islamistischen Terrororganisation im Netzwerk Al-Qaida beteiligt gewesen sein. Die Bundesanwaltschaft hat beim Bundesstrafgericht Anklage gegen die zwei Männer erhoben.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Brüderpaar unter anderem vor, sich an einer kriminellen Organisation beteiligt, beziehungsweise diese unterstützt zu haben, wie die Behörde mitteilt. Darauf steht eine Höchststrafe von fünf Jahren.

Der ältere der Brüder soll namentlich eine Internetplattform für eine Organisation betrieben haben, welche Mullah Krekar geführt hat. Mullah Krekar gilt als Gründer und ehemaliger Anführer der terroristischen Organisation Ansar al-Islam. Diese sowie die ungenannte neue Organisation gehören zum Al-Qaida-Netzwerk.

Internetplattform betrieben

Innerhalb der Terrororganisation habe der Beschuldigte «verschiedene Schlüsselfunktionen innegehabt», schreibt die Bundesanwaltschaft. Nebst dem Betrieb der Internetplattform soll er auch Botschaften zwischen Mullah Krekar und der Al-Qaida nahestenden terroristischen Gruppierungen im Irak vermittelt haben.

Die Internetplattform diente laut Anklageschrift dazu, neue Mitglieder für die Organisationen der Al-Qaida anzuwerben. Dazu wurde Propaganda aufgeschaltet, wurden Chaträume und Foren betrieben sowie Zeitschriften und Bücher verkauft.

Der Verkauf sollte auch Geld zur Umsetzung der terroristischen Ziele in die Kasse spülen. Die Chaträume standen den Mitgliedern als virtuelle Sitzungsräume zur Verfügung. Die Organisation soll europaweit erfolgreich Mitglieder rekrutiert haben.

Hinrichtungen verbreitet

Rege hätten beide Brüder unter verschiedenen Benutzernamen Texte, Bilder und Videos veröffentlicht, schreibt die Bundesanwaltschaft weiter. Dazu gehörten Berichte zu Anschlägen, Aufrufe und Botschaften der Führungsspitze der Al-Qaida – und auch Videos, welche brutale Hinrichtungen zeigten.

Die Bundesanwaltschaft wirft den Irakern deshalb auch öffentliche Aufforderung zu Verbrechen oder Gewalttätigkeit vor und die Verbreitung von Gewaltdarstellungen. Zudem werden die beiden wegen Urkundenfälschung und weiterer Delikte angeklagt. Für die Männer gilt die Unschuldsvermutung.

Asyl widerrufen

Nach früheren Angaben wurden die beiden Beschuldigten im November 2008 in Basel verhaftet. Es handelt sich um aus dem Irak stammende Kurden, die in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt waren und Asyl erhielten. Dieses ist in der Zwischenzeit widerrufen worden. Gegen diesen Entscheid wehren sich die Männer derzeit beim Bundesverwaltungsgericht.

Beide befinden sich auf freiem Fuss, müssen sich aber regelmässig bei der Polizei melden, und ihre Papier bleiben beschlagnahmt, wie die Bundesanwaltschaft auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda mitteilte. Der ältere Bruder sass 13 Monate in Untersuchungshaft, der jüngere 10,5 Monate.

Ansar al-Islam ist wie Al-Qaida und ihre Nachfolgeorganisationen in der Schweiz verboten. Die neue Organisation verfolgte laut Bundesanwaltschaft das gleiche Ziel wie Al-Qaida: Ein weltweites islamisches Kalifat einzuführen auf der Basis der islamischen Rechtsordnung, der Scharia.

Mullah Krekar war laut Bundesanwaltschaft Ende März 2012 in Norwegen zu fünf Jahren Freiheitsstrafe wegen schwerer Drohung verurteilt worden. Das Urteil sei nicht rechtskräftig. Das Gericht in Oslo habe ihm umfassende Kontakte zu europäischen Jihadisten nachgesagt; zudem habe er auch Osama bin Laden getroffen.

SDA/fko

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