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Armee-Munition bleibt in den Schweizer Seen

Zu aufwändig, zu gefährlich, zu grosse Strapaze für das Ökosystem: Das Armeedepartement will die rund 8000 Tonnen Munition in Schweizer Seen nicht bergen.

Wurden in den 60ern tonnenweise in Schweizer Seen versenkt: Zwei Minengranaten mit (l.) und ohne Zünder, die von Armee-Experten geborgen wurden. (Archivbild 2008)
Wurden in den 60ern tonnenweise in Schweizer Seen versenkt: Zwei Minengranaten mit (l.) und ohne Zünder, die von Armee-Experten geborgen wurden. (Archivbild 2008)
Keystone

Die 8210 Tonnen Armee-Munition bleiben unter dem Grund von Schweizer Seen. Nach einer neuen Analyse kam das VBS zum Schluss, dass die Bergung riskanter wäre als die Lagerung. Die betroffenen Kantone sind verantwortlich für die langfristige Überwachung.

Dies teilte das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) an einer Medienkonferenz in Bern mit. Mit dem Entscheid wurde das Fazit von Experten bestätigt. Diese hatten bereits in einem Zwischenbericht vom Oktober 2010 von «zu grossen Risiken und Kosten» einer Bergung gesprochen.

Mitte der Sechzigerjahre versenkt

Die vor allem im Thuner- (4600 Tonnen), Brienzer- (280 Tonnen) und Vierwaldstättersee (3330 Tonnen) gelagerten Munitionsrückstände der Schweizer Armee würden das Seewasser nicht belasten. Die Schwermetallgehalte lägen im Bereich der natürlichen Belastung.

Laut Brigitte Rindlisbacher, Generalsekretärin des VBS, handelt es sich bei der Munition grösstenteils um Rückstände der beiden Munitionsfabriken Thun BE und Altdorf UR, daneben um Material, das die Schweizer Armee nach dem Zweiten Weltkriegs bis Mitte der Sechzigerjahre in den Voralpenseen versenkt hatte.

«Werte liegen unter dem Grenzwert»

Der grösste Teil der Objekte befindet sich heute über 25 Zentimeter bis zu zwei Meter unter dem Seegrund. Das Risiko einer selbstständigen Detonation der Munition sei «praktisch ausgeschlossen» und verkleinere sich von Tag zu Tag, sagte Heinz Habegger, Vorsteher des bernischen Amts für Wasser und Abfall (AWA).

Die Analysen des Seewassers im Thuner- und Brienzersee ergaben zudem keine Hinweise auf Schadstoffe, die auf die versenkte Munition zurückzuführen wären. «Die Werte liegen 400-mal unter dem Grenzwert», sagte Habegger.

Gefährliche und teure Bergung

Viel gefährlicher wäre dagegen die Bergung und Entsorgung der Munition. Diese würde das intakte ökologische Gleichgewicht in den betroffenen Seen schädigen. Beim Heben und Entsorgen bestünde zudem Explosionsgefahr, da die Munition weitgehend gut erhalten und kaum abgebaut ist.

Die Jahrzehnte dauernde Bergung würde auf den Seen und in den Uferbereichen praktisch kaum umsetzbare Sicherheitsmassnahmen erfordern, teilte das VBS mit. Wahrscheinlich müsste das Seegebiet weiträumig abgesperrt und der Schiffsverkehr eingestellt werden, was auch immense Kosten zur Folge hätte.

Trotzdem stellt eine regelmässige Überwachung der betroffenen Kantone sicher, dass rechtzeitig reagiert werden kann, falls sich die Situation entgegen den Erwartungen verändern sollte. Die Kosten dieser langfristigen Überwachung werden zwischen dem VBS und den Kantonen aufgeteilt. Eine neue Lagebeurteilung soll gemäss VBS im Jahr 2015 erfolgen.

Entscheid «nachvollziehbar»

Nationalrätin Ursula Haller (BDP/BE), die Ende 2005 eine Motion zur Bergung und Entsorgung der Munition in den Seen eingereicht hatte, zeigte sich mit dem Entscheid des VBS zufrieden. Die Hebung der Munition sei mit vielen Gefahren verbunden.

«Ich habe mich von der Fachliteratur überzeugen lassen», sagte sie auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Nicht die finanziellen Aspekte seien für sie entscheidend, sondern die ökologischen. Deshalb sei es unbedingt notwendig, die Qualität des Wassers «regelmässig und seriös» zu überprüfen.

Markus Meyer, Präsident des Bernisch Kantonalen Fischerei- Verbands, sieht neben der regelmässigen Überwachung keinen weiteren Handlungsbedarf. Seine Befürchtungen, dass Giftstoffe aus der Munition entweichen und das Wasser verschmutzen könnten, hätten sich zum Glück nicht bewahrheitet.

Auch für Ion Karagounis, Geschäftsleiter der Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz, ist der Entscheid des VBS «aus pragmatischen Gründen nachvollziehbar». Die Überwachung sei aber wichtig. «Was heute ist, muss in 50 Jahren nicht mehr so sein.»

SDA/ami

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