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Armee soll bei AKW-Störfällen zum Einsatz kommen

Die Atomaufsicht Ensi zieht in einem Bericht Lehren aus der Katastrophe von Fukushima. Ensi-Chef Hans Wanner sagt, wie AKW-Sicherheit und Notfallpläne in der Schweiz verbessert werden müssen.

Die Kernkraftwerke Beznau I und II sind seit 1969 respektive 1972 in Betrieb (Druckwasserreaktoren, Leistung von je 365 Megawatt). Da AKW eine Lebensdauer von 45 bis 50 Jahren haben, müssen die Beznau-Werke etwa ab 2014, spätestens aber 2019 abgeschaltet werden.
Die Kernkraftwerke Beznau I und II sind seit 1969 respektive 1972 in Betrieb (Druckwasserreaktoren, Leistung von je 365 Megawatt). Da AKW eine Lebensdauer von 45 bis 50 Jahren haben, müssen die Beznau-Werke etwa ab 2014, spätestens aber 2019 abgeschaltet werden.
Keystone
Wie Beznau II wurde auch das AKW Mühleberg im Jahr 1972 in Betrieb genommen (Siedewasserreaktor, Leistung von 373 Megawatt). Gemäss den Plänen der Strombranche soll Mühleberg durch einen Neubau ersetzt werden.
Wie Beznau II wurde auch das AKW Mühleberg im Jahr 1972 in Betrieb genommen (Siedewasserreaktor, Leistung von 373 Megawatt). Gemäss den Plänen der Strombranche soll Mühleberg durch einen Neubau ersetzt werden.
Keystone
Das Atomkraftwerk Leibstadt ist seit 1984 in Betrieb (Siedewasserreaktor, Leistung von 1165 Megawatt). Die fünf Kraftwerke in der Schweiz produzieren rund 40 Prozent des Schweizer Stroms.
Das Atomkraftwerk Leibstadt ist seit 1984 in Betrieb (Siedewasserreaktor, Leistung von 1165 Megawatt). Die fünf Kraftwerke in der Schweiz produzieren rund 40 Prozent des Schweizer Stroms.
Keystone
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Das Reaktorunglück in Japan im letzten März habe gezeigt, wie wichtig eine gute Notfallvorbereitung sei, sagt Hans Wanner, Chef des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi), in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung». In Japan sei alles zu kompliziert gewesen. «Man kann nicht alles im Detail voraussehen. Aber man kann die Strukturen für den Ernstfall schaffen, etwa Entscheidungs- und Kommunikationswege.»

Obwohl die Analysen zum Fukushima-Unfall noch nicht abgeschlossen seien, sieht der Ensi-Chef bereits Verbesserungspotenzial bei den Notfallkonzepten für AKW-Störfälle in der Schweiz. «Man muss die Armee auf solche Einsätze vorbereiten.» In Japan sei ihm aufgefallen, dass die Armee kaum zum Einsatz gekommen sei, sagt Wanner weiter. «Auch in der Schweiz hat die Armee derzeit keinen Auftrag, in einem solchen Notfall Hilfe vor Ort zu leisten.» Das müsse jetzt geändert werden. «Die Armee kann in der Schweiz bei einem Störfall viel leisten, etwa beim Transport von schweren Geräten.»

Mehr Kontrolle dank verstärkter Teamarbeit

Verbesserungsbedarf ortet Ensi-Chef Wanner auch bei der Sicherheitskultur innerhalb der Atomaufsichtsbehörde. «Wir sind jetzt vermehrt in Teams tätig, sodass es zu mehr interner Kritik und Kontrolle kommt.» Im soeben veröffentlichten Bericht des Ensi zum Unfall von Fukushima wird unter anderem der Umstand kritisiert, dass die AKW-Fachleute in Japan eine verschworene Gruppe gebildet hätten. Probleme seien verdrängt und verharmlost worden.

Wanner weist den Vorwurf zurück, dass das Ensi zu wenig streng mit den AKW-Betreibern umgehe. «Wir sind schon kritisch.» So sei zum Beispiel dem Kernkraftwerk Gösgen für das Betriebsjahr 2009 nur das Prädikat «ausreichend» gegeben worden, weil dieses einen Störfall nicht rechtzeitig gemeldet habe. Auf einen Bestrafungsmechanismus will das Ensi weiterhin verzichten, weil sonst viele Fehler gar nicht mehr gemeldet würden.

Sicherheit ist kein Zustand, sondern ein Prozess

«Es ist falsch, uns jetzt zu kritisieren», sagt der Chef des Nuklearsicherheitsinspektorats. Auch das Ensi lerne laufend dazu. «Die Erfahrung aus Tsunamis hat gezeigt, dass bei Hochwasser das Augenmerk neben dem Pegelstand verstärkt auch auf das mitgeschwemmte Material gelegt werden muss», erklärt Wanner. «Nun haben wir dazu die Vorgaben an die Nachweise der Betreiber erhöht.» Sicherheit sei kein Zustand, sondern ein Prozess.

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