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Alle wollen sich ans FDP-Ticket halten

Das Taktieren unter den Parlamentariern und Fraktionen geht bis zuletzt weiter.

Planspiele von links bis rechts. Ignazio Cassis erscheint zum Hearing mit der Bundeshausfraktion der GLP in Bern.
Planspiele von links bis rechts. Ignazio Cassis erscheint zum Hearing mit der Bundeshausfraktion der GLP in Bern.
Keystone

Ignazio Cassis, der 56-jährige Tessiner, wird nach Einschätzung einiger Bürgerlicher aus FDP, CVP und SVP heute zum Nachfolger von Bundesrat Didier Burkhalter gewählt. Der Arzt bleibt damit klarer Favorit. Hinter den Kulissen wurde in FDP-Kreisen gestern sogar diskutiert, ob Cassis schon nach dem zweiten oder nach dem dritten Wahlgang gekürt sein wird.

Ärger in den SVP-Reihen gab es eine Woche nach den offiziellen Fraktionshearings gestern in der Fraktionssitzung trotzdem. Zum einen sollen dem Vernehmen nach die beiden Lega-Vertreter Lorenzo Quadri und Roberta Pantani dem Tessiner Ratskollegen Cassis partout ihre Stimmen verweigern wollen. Zum anderen zeigten sich einige Bauernvertreter innerhalb der SVP geneigt, die Waadtländerin Isabelle Moret zu wählen. Diese hatte am ersten Sessionstag am Hearing der Bauernvertreter im Parlament offenbar sehr gut abgeschnitten. Die Planspiele von links bis rechts fanden gestern jedenfalls bis weit in die Nacht hinein ihre Fortsetzung.

Immerhin: In sämtlichen Fraktionen setzte sich bis am Abend die Erkenntnis durch, es sei besser, heute bei der Bundesratswahl auf Jux und Tollerei zu verzichten, etwa indem Kandidaten auf Wahlzettel geschrieben werden, die nicht auf dem offiziellen Dreierticket der FDP stehen. Umstimmen liessen sich so einige SVPler, die der Tessiner Schönheitskönigin und SRF-Moderatorin Christa Rigozzi ihre Stimme geben wollten.

CVP verzichtet auf Empfehlung

Gestern Nachmittag fanden die letzten Kandidatenhearings bei Fraktionen statt. Für die GLP sind dabei prinzipiell alle drei Kandidaten wählbar, wie Fraktionspräsidentin Tiana Angelina Moser gestern Abend erklärte. Daher werden heute auch alle drei FDP-Kandidaten Stimmen aus den Reihen der GLP erhalten. Eine Entscheidung zugunsten eines Kandidaten habe man nicht getroffen. «Für Pierre Maudet spricht dessen Urbanität», sagte Moser und brachte damit gleich noch ein neues Kriterium für zukünftige Bundesratswahlen ins Spiel.

Die BDP habe gestern «mehrheitlich» entschieden, auf den «progressiven, mutigen» Kandidaten Maudet zu setzen, wie Fraktionspräsidentin Rosmarie Quadranti sagte. Dabei habe auch dessen Regierungserfahrung auf Kantonsebene eine Rolle gespielt.

Für die CVP, sagte Generalsekretärin Beatrice Wertli, gebe es keine Empfehlung für eine oder einen der Kandidaten. Die CVP-Fraktion hatte die Bundesrats-Anwärter bereits letzte Woche angehört. Gestern wurde im Fraktionszimmer nun diskutiert – ohne Verlautbarungen gegen aussen. Heute morgen um Viertel nach Sieben trifft sich die CVP erneut.

Bedauern über fehlende Sadis

Ebenfalls erst gestern hörten sich die SP-Fraktionsmitglieder die drei FDP-Kandidaten an. Als der SP-Fraktionschef Roger Nordmann anschliessend mit fast 45-minütiger Verspätung vor die Medien trat, vermeldete er lediglich, dass die Fraktion nichts entschieden habe. Zu viele Fraktionsmitglieder seien unentschlossen gewesen und wollten noch eine Nacht darüber schlafen. Die SP trifft sich deshalb heute Morgen um sieben Uhr noch einmal.

Auf die Frage, ob es Absprachen mit der CVP gebe, meinte Nordmann gestern Abend, er kenne noch nicht einmal den Entscheid der CVP. Auch zu den Kandidaten sagte er wenig. Die Hearings seien gut und informativ gewesen. Politisch würden sich Ignazio Cassis, Isabelle Moret und Pierre Maudet allerdings nicht gross voneinander unterscheiden. Keinen Hehl machte Nordmann daraus, dass Laura Sadis die Wunschkandidatin der SP gewesen wäre. «Wir sind enttäuscht darüber, dass die Tessiner FDP Laura Sadis nicht nominiert hat.» Die ehemalige Regierungsrätin vereinige die Trümpfe der drei aktuellen Kandidaten in einer Person: «Sie ist Tessinerin, hat Exekutiverfahrung und ist eine Frau.»

So oder so – der bisherige Verlauf der Nachfolgeregelung für Aussenminister Didier Burkhalter lässt erste Erkenntnisse zu. So ist die SVP die einzige Partei, die den Anspruch der italienischsprachigen Schweiz gegen innen und aussen anerkennt und stützt, die FDP tut dies in Teilen ebenfalls, allerdings versteckt hinter der verklausulierten Formel, es sei ein Lateiner zu wählen. Wie stark die SP heute versucht, die bestehende Mitte-Links-Mehrheit im Bundesrat zu sichern – auf Kosten des Zusammenhalts im Land –, wird spannend zu beobachten sein.

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