ACS-Generaldirektor mit sofortiger Wirkung suspendiert

Der Direktor des Automobil-Clubs der Schweiz (ACS), Stefan Holenstein, soll Treue- und Informationspflichten verletzt haben. Er kündigte rechtliche Schritte an.

Warb noch vor einem Monat für ein Nein zur Milchkuh-Initiative: ACS-Direktor Stefan Holenstein (links), zusammen mit Politikern und anderen Verbandsvertretern in Bern. (9. Mai 2016)

Warb noch vor einem Monat für ein Nein zur Milchkuh-Initiative: ACS-Direktor Stefan Holenstein (links), zusammen mit Politikern und anderen Verbandsvertretern in Bern. (9. Mai 2016)

(Bild: Keystone Peter Schneider)

Stefan Holenstein wurde vom Vorstand bis zur Delegiertenversammlung am 23. Juni suspendiert. Eine Entlassung danach bleibe vorbehalten, teilte der ACS mit. Hintergrund des Entscheids ist ein Machtkampf an der ACS-Spitze. Holenstein kündigte rechtliche Schritte an.

In den letzten Tagen und Wochen hätten sich die Hinweise vermehrt, dass Holenstein arbeitsrechtliche Vorschriften nicht eingehalten habe, begründete ACS-Zentralpräsident Mathias Ammann die Suspendierung. Um den Vorwürfen nachgehen zu können und Ruhe zu schaffen, habe der Vorstand grossmehrheitlich entschieden, Holenstein bis zur Delegiertenversammlung zu suspendieren.

Konkret soll Holenstein unter anderem Treue- und Informationspflichten verletzt haben. Holenstein weist die Vorwürfen «aufs Schärfste» zurück, wie er auf Anfrage sagte.

Zankapfel Präsidentenamt

Untersuchen will die ACS-Spitze auch «die Rolle von Holenstein bei den Bestrebungen für einen Machtwechsel beim ACS», wie Ammann sagte. Dabei geht es um Ammanns Amt als Zentralpräsident. Gemäss eigenen Aussagen wurde Ammann von mehreren Sektionspräsidenten gebeten, sein Amt zur Verfügung zu stellen, um jüngeren Kräften Platz zu machen.

Später habe er aber gemerkt, dass es gar nicht um eine Verjüngung gegangen sei. «Zuerst wurde ein Sektionspräsident angefragt, der kurz vor dem Ruhestand steht», sagte Ammann. Dieser habe abgesagt. Ammann glaubt daher, dass das Argument der Verjüngung nur vorgeschoben wurde, um jemanden an seiner Stelle einzusetzen, der andere Interessen vertrete.

Ganz anders klingt die Version von Holenstein. Ammann habe schriftlich auf eine weitere Amtszeit verzichtet. Eine grosse Mehrheit der kantonalen Sektionen habe FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen als Nachfolger nominiert. «Den Medien entnehme ich nun aber, dass Ammann erneut antritt», sagte Holenstein.

Juristische Schritte

Holenstein weist auch die anderen Vorwürfe des ACS zurück. «Ich bin überzeugt, rechtlich korrekt, statutenkonform und im Interesse des ACS gehandelt zu haben.» Zu einzelnen Vorwürfen wollte er nicht Stellung nehmen. Er behalte sich rechtliche Schritte vor und werde sich auch gegen die Suspendierung auf juristischem Weg wehren.

Nachfolgekandidat Wasserfallen wollte sich nicht zu den Vorgängen beim ACS äussern. Möglicherweise wird er an der Delegiertenversammlung gegen Ammann antreten müssen. Dieser schliesst eine Kandidatur nicht mehr aus: Er stehe zur Verfügung, wenn dies im Interesse des ACS sei, sagte er.

Ammann ist seit drei Jahren Zentralpräsident des ACS. Holenstein, der auch Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft ist, hatte vor gut zwei Jahren das Amt des Generaldirektors übernommen. Zuvor war er stellvertretender Direktor beim Krankenkassenverband santésuisse gewesen.

Der Automobil Club der Schweiz ist ein Zusammenschluss von rund 110'000 Schweizer Automobilistinnen und Automobilisten zur Wahrung der verkehrspolitischen, wirtschaftlichen, touristischen, sportlichen und weiteren mit dem motorisierten Privatverkehr zusammenhängenden Interessen. Der ACS wurde am 6. Dezember 1898 in Genf gegründet.

jros/sda

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