Wie Trump auf dem Weg nach Davos geschützt wird

Die Schweiz hat amerikanischen Personenschützern das Waffentragen im Umfeld des WEF erlaubt. Bundesrat Guy Parmelin trägt derweil einen Übermittlungskoffer bei sich, um Kampfjetpiloten einen Abschussbefehl geben zu können.

Konvoi des US-Präsidenten. Ähnliche Bilder wie beim Besuch Trumps in Südkorea gibt es heute in der Schweiz.

Konvoi des US-Präsidenten. Ähnliche Bilder wie beim Besuch Trumps in Südkorea gibt es heute in der Schweiz.

(Bild: Keystone)

Beni Gafner@Tamedia

Die Sicherheitsanstrengungen am diesjährigen WEF in Davos sind wegen des Besuchs von US-Präsident Donald Trump umfangreicher als sonst. Auf Schweizer Seite stehen sowohl bei der Armee als auch bei der verstärkten Bündner Polizei erfahrene Führungskader im Einsatz. Es ist davon auszugehen, dass diese in ihren Vorbereitungs- und Koordinationsarbeiten mit den US-Sicherheitsleuten noch stärker gefordert wurden als sonst.

Im Kreise der Zuständigen auf Schweizer Seite zu diskutieren gaben weitreichende Forderungen der Amerikaner. Wie es heisst, sind diese mit einer «sehr langen Liste» zum Abspracherapport erschienen. Mit demonstrativ grossem Selbstbewusstsein auftretend, hätte auf Schweizer Seite der Eindruck entstehen können, die US-Sicherheitsleute planten, die halbe Schweiz zu annektieren oder zumindest vorübergehend unter ihr Kommando zu nehmen. Die Schweizer brachten gegenüber den US-Amerikanern deutlich zum Ausdruck, dass sie es seien, die hier die hoheitlichen Aufgaben zu erfüllen hätten. Und dass die Staatsgewalt bei den Schweizer Behörden liege.

Schwer gepanzerte Automobile

Mit der Person Donald Trumps hat diese Begebenheit wenig zu tun, mit dem Selbstverständnis von US-Sicherheitskräften viel. Gesäusel von Schweizer Sicherheitspolitikern vergangener Jahre, als von «gleichberechtigter Kooperation» oder gar von «Zusammenarbeit unter Gleichgesinnten» die Rede war, ist US-Streitkräften fremd. Bekannt sind dafür Kommandostrukturen sowie Zuständigkeits- und Unterstellungsverhältnisse. Aus Sicht eines souveränen Staates problematisch und bisher unbekannt ist, dass der Bundesrat auf Antrag aus den USA amerikanischen Personenschützern das Waffentragen im Umfeld des Weltwirtschaftsforums erlaubt hat. Dasselbe gilt für den Weg zwischen Kloten und Davos.

Während der Präsident und ein Teil seiner Entourage heute Vormittag mit Helikoptern nach Davos fliegen, wird auch ein VIP-Konvoi auf der Strasse vom Flughafen Zürich nach Davos fahren. Nicht nur Flugzeuge und Helikopter der US-Delegation mit Trump sind dabei besonders geschützt, dasselbe gilt auch für die Fahrzeuge. Der VIP-Konvoi besteht aus vier gepanzerten Fahrzeugen, wobei der VIP im zweiten oder im dritten Fahrzeug sitzt. Die Chevrolets gehören zur Beschussklasse 6/7: Sie halten abgefeuerten Pistolenkugeln ebenso Stand wie einem Beschuss durch Sturmgewehre. Die Panzerung hält auch Splitter von Handgranaten und anderen Sprengobjekten ab.

Schutz vor Lenkwaffen

Sollten heute und morgen entlang der Fahrrouten des US-VIP-Konvois in und um Davos Drahtlos-Telefone und Handys vorübergehend ausfallen, ist nicht in jedem Fall der eigene Mobilfunkanbieter zu beschuldigen. Ursache für Ausfälle können auch elektronische Gegenmassnahmen der US-Amerikaner sein. Diese Massnahmen sind Teil einer modernen elektronischen Kriegsführung.

Limousinen des Secret Service auf der Schweizer Autobahn einige Tage vor Trumps Ankunft.

Im letzten Fahrzeug des Konvois befinden sich nämlich besondere Geräte. Sie heissen «Jammer» und finden auch in Flugzeugen, Kampfjets oder Kampfhelikoptern Verwendung. Mit diesem «Jammer»-Fahrzeug verhindern Sicherheitskräfte, dass elektromagnetische Wellen (zum Beispiel Infrarotstrahlen) Fahrzeuge im Konvoi erfassen können. Mit Infrarot (und anderen Verfahren) können Geschosse über mittlere Distanzen punktgenau im Ziel einschlagen.

Luftwaffen im Einsatz

Mit den Spezialanlagen im letzten Fahrzeug des Konvois, das an einer kleinen Antenne erkennbar ist, wird dieser Gefahr begegnet. Ferngesteuerte oder selbstsuchende Geschosse können mit elektronischen Gegenmassnahmen (electronic countermeasures, ECM) vom Ziel ferngehalten werden. Quasi als temporärer Kollateralschaden können dabei drahtlose Festnetztelefone und Handys vorübergehend ihren Dienst versagen. Auch die Bereifung der Fahrzeuge ist so aufgebaut, dass nach einem Beschuss weitergefahren werden kann.

Im Einsatz steht auch die Schweizer Luftwaffe. Sie operiert wegen der Grenzlage zusammen mit der österreichischen Luftwaffe. Bundesrat Guy Parmelin ist im Falle einer konkreten Bedrohung und als letztes Mittel als Verteidigungsminister damit beauftragt, einen Piloten zu ermächtigen, das Feuer gegen ein feindliches Luftfahrzeug zu eröffnen. Er hat deshalb in Begleitung zweier Offiziere dieser Tage einen Übermittlungskoffer bei sich. In hoher Bereitschaft sind auch die Luftwaffen in Italien und Deutschland. Jederzeit eingesetzt werden können auch Überwachungs- und Kampfflugzeuge der United States Air Force. Sie haben die letzten Tage im süddeutschen Raum den Schutz ihres Präsidenten geübt – parallel zu den Sicherheitsbestrebungen der Schweiz.

Basler Zeitung

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