Was ist Gössis Plan?

Am Samstag wird Petra Gössi neue Präsidentin der FDP. Wohin sie mit der Partei möchte, ist allerdings noch nicht wirklich klar.

Noch etwas nebulös sind die Pläne der designierten FDP-Präsidentin Petra Gössi für den Freisinn.

Noch etwas nebulös sind die Pläne der designierten FDP-Präsidentin Petra Gössi für den Freisinn.

(Bild: Keystone Georgios Kefalas)

Philipp Loser@philipploser

Alle haben sie geredet, überall haben sie geredet. Gerhard Pfister, designierter Präsident der CVP, möchte die CVP zu einer Partei der Ideen umwandeln. Er will die Freisinnigen und ihre Stammwähler attackieren und nennt seinen Plan «15/15». 15 Prozent Wähleranteil, 15 Ständeräte (heute sind es 13) bis zu den Wahlen 2023. So lange will er mindestens Präsident bleiben.

Albert Rösti, designierter Präsident der SVP, wird nicht ganz so konkret wie Pfister. Aber er hat in den unzähligen Interviews vor seinem Amtsantritt (er wird in zwei Wochen zum Nachfolger von Toni Brunner gewählt) schon recht deutliche Ansagen gemacht: Rösti will den Fokus auf die Romandie legen, um die befürchteten und wahrscheinlichen Verluste in der Deutschschweiz zu kompensieren. Er will eine bessere Zusammenarbeit mit den anderen bürgerlichen Parteien, mehr «Respekt» für den politischen Gegner und weniger Provokationen.

Warum will sie?

Und Petra Gössi? Morgen wird die Schwyzer Nationalrätin in Bern als Nachfolgerin von Philipp Müller die Parteispitze des Freisinns übernehmen, und noch immer versuchen die Schweizer Inlandjournalisten folgende zwei (recht zentralen) Dinge herauszufinden: a) Warum will Petra Gössi eigentlich Präsidentin werden? Und b) Hat sie eine Idee für die FDP?

In den bisherigen Interviews und öffentlichen Äusserungen findet man nur wenig konkrete Anhaltspunkte, wie diese unvollständige Auswahl zeigt:

  • «Jeder Mensch, der kann, muss Verantwortung übernehmen. Im Geschäft, in der Familie, in der Gemeinschaft, egal wo.» («Schweizer Illustrierte»)
  • «Ich bin bereit, Verantwortung zu tragen, und habe Freude, etwas mitzugestalten. Reiflich überlegen musste ich mir die Frage, wie ich mit der Belastung umgehen könnte und welche organisatorischen Massnahmen ich ergreifen müsste.» («Bote der Urschweiz»)
  • «In erster Linie möchte ich einem starken, selbstbewussten und unabhängigen Freisinn vorstehen. Tatsächlich aber geht es in der Politik darum, Mehrheiten zu beschaffen.» («Aargauer Zeitung»)
  • «Eigenverantwortung ist mir wichtig. Man sollte nicht zu viel vom Staat erwarten.» («10 vor 10»)
  • «Ich werde die Meinung der Mehrheit vertreten.» («10 vor 10»)
  • «Ich möchte die Partei im Sinn der letzten Jahre weiterziehen. Als Nationalrätin politisiere ich auf der rechten Seite der Fraktion. Als Präsidentin werde ich mich aber selbstverständlich in die Mitte bewegen.» («Basler Zeitung»)
  • «Die Partei soll klar auf der liberalen Linie erkennbar bleiben. Wir sind die einzige liberale, bürgerliche und reformorientierte Kraft der Schweiz, treten für Öffnung und Eigenverantwortung ein.» («Schweiz am Sonntag»)
  • «Die FDP aber ist die einzige Partei, die liberal, bürgerlich und reformorientiert ist. In Wirtschaftsfragen haben wir eine sehr hohe Glaubwürdigkeit. Wir sind als Wirtschaftspartei das liberale Original – wir sind der Garant für das Erfolgsmodell Schweiz.» («Schweiz am Sonntag», gleiches Interview, ein paar Fragen später)

Sie will «Verantwortung» übernehmen für das «liberale Original» und damit das «Erfolgsmodell Schweiz» … und so weiter und so fort. Also was genau? Vielleicht wissen wir es ja morgen, nach ihrer Rede vor den freisinnigen Delegierten. Es wird ihr bisher wichtigster Auftritt, und fürchten muss sie sich nicht davor. In der Partei freut man sich auf die neue Präsidentin, kritische Stimmen sind kaum mehr zu hören, und auch die NZZ jubelt schon provisorisch: «Die Ausgangslage für Petra Gössi ist optimal, sie übernimmt die Partei in einer ‹Positivspirale›»

So positiv ist diese Innensicht, dass es für die Antrittsrede vom Samstag vielleicht auch genügen wird, mit Nachdruck auf die «grosse Verantwortung für das liberale Original» hinzuweisen. Und, in einem Nebensatz, die Stichworte «bürgerlich» und «reformorientiert» zu erwähnen.

baz.ch/Newsnet

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