«Warum wollen die Schweizer keine Minarette?»

Die Bundespräsidentin ist auf Staatsbesuch in Indonesien. Die dortigen Medien interessierten sich dabei für zwei Dinge: Schokolade und Minarette.

Erklärt die Schweiz: Bundespräsidentin Doris Leuthard.

Erklärt die Schweiz: Bundespräsidentin Doris Leuthard.

(Bild: Keystone)

Die Zugänglichkeit von Schweizer Magistraten spricht sich offenbar herum: Kaum hatte sich Bundespräsidentin Doris Leuthard in Jakarta mit Vertretern der Handelskammer getroffen, stand sie schon vor der Kamera des indonesischen Fernsehsenders Metro TV. Die Fragen drehten sich vor allem um zwei Dinge: Die Zutaten für Schokolade und die Angst vor Minaretten.

Von der sprichwörtlichen asiatischen Zurückhaltung war wenig zu spüren, als Metro-TV-Moderatorin Andini Effendi die Schweizer Wirtschaftsministerin am Dienstag im 27. Stock des Financial Club in Jakarta interviewte.

Zum Aufwärmen wollte Effendi von Leuthard zwar hören, dass die Kakao-Bohnen für die weltberühmte Schweizer Schokolade zum Teil aus Indonesien stammen, doch dann fragte sie gerade heraus: «Warum wollen die Schweizer keine Minarette? Wovor haben sie Angst?»

«Nicht immun gegen Islamphobie»

In Indonesien - dem grössten islamischen Land der Welt - sei man erstaunt darüber, dass selbst die neutrale, tolerante Schweiz «nicht immun gegen Islamophobie» sei, sagte Effendi. Das Abstimmungsresultat vom letzten November hatte indonesische Medien über Wochen hinweg beschäftigt.

Leuthard hielt fest, dass es bei der Abstimmung lediglich um den Bau neuer Minarette ging und dass weder der Bau von Moscheen noch die Religionsfreiheit eingeschränkt seien. Offenbar habe ein Teil der Schweizer Bevölkerung die Minarette aber als «Bedrohung für unser kulturelles Erbe» wahrgenommen, sagte Leuthard.

Deshalb sei jetzt der Dialog mit den Muslimen wichtig, und deshalb habe man eine Plattform für interreligiösen Dialog gegründet. Am Mittwoch trifft sich Leuthard mit muslimischen Intellektuellen zum Gedankenaustausch.

«Her Majesty»

Und auch das gehört zu einem Interview im indonesischen TV: Während die Moderatorin vor dem Gespräch noch ehrfürchtig gefragt hatte, ob sie die Bundespräsidentin mit «Her Majesty» (Ihre Majestät) oder einfach mit «Madam President» ansprechen soll, hatten die beiden Kameramänner wenig Berührungsängste: Nach dem Interview nahmen sie die Magistratin kurzerhand in ihre Mitte und posierten mit ihr für ein Handybild.

jak/sda

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