Simonetta Sommaruga

«Sie ist scharf wie ein Laser und anpassungsfähig wie ein Chamäleon.» Die Justizministerin hat die grossen Bewährungsproben noch vor sich. Die etwas andere Bilanz.

Martin Furrer

Politische InhalteNote: 5
Sie wird ihre Bundesratskarriere wohl nicht im Justizdepartement beenden. Simonetta Sommaruga hatte sich vor allem mit Wirtschaftspolitik beschäftigt, ehe sie im September 2010 in den Bundesrat gewählt wurde. Als Nichtjuristin hat sie in ihrem Departement keinen leichten Stand, und dass sie als Sozialdemokratin für die heikle Asylpolitik zuständig ist, macht die Sache nicht einfacher. Dennoch ist Sommaruga präsenter als ihre Vorgängerin Eveline Widmer-Schlumpf und sie hat sich in ihrem ersten Amtsjahr Respekt verschafft. Die grossen Bewährungsproben stehen freilich noch aus: Sommaruga möchte das Asylwesen zentralisieren, ein Grossprojekt, das längst noch nicht spruchreif ist. Ohnehin braucht sie zuerst einen neuen Direktor im Bundesamt für Migration, nachdem sie den bisherigen Amtsinhaber Alard Du Bois-Reymond Ende August entlassen hat. Es wird eine der wichtigsten Personalien ihrer Karriere: Findet sie einen guten Kandidaten, könnte das Chaos im Asylwesen bald der Vergangenheit angehören – und der Umbau hin zu mehr Zentralisation zügig vonstattengehen. Übersteht Sommaruga diese heikle Phase ohne Probleme, dürfte sie sich nach neuen Aufgaben umsehen. Das Wirtschafts- oder das Infrastrukturdepartement reizt sie. Ergibt sich die Gelegenheit, wird sie wechseln, obschon sie zurzeit betont, wie gut es ihr an ihrem jetzigen Platz gefällt.

RhetorikNote: 5–6
Eigentlich hat sie eine ziemlich hohe Stimme, was unangenehm wirkt. Aber sie hat daran gearbeitet, darum hat sich die Resonanz ihrer Stimme enorm verbessert. Das werte ich auch als Zeichen zunehmender Lockerheit und Sicherheit. Sie bleibt in ihrer Rhetorik stets freundlich, aber nicht heuchlerisch. Ihre Körpersprache ist ausbalanciert, Stimme, Person, Ton und Mimik sind eine Einheit. Beim Sprechen rhythmisiert sie richtig, sie reiht nicht bloss Wörter aneinander, sie setzt die Pausen sinnvoll ein. Das erzielt eine positive Wirkung.

Kleidung/AussenwirkungNote: 4–5
Die sportlich-elegante Hosenkombination kleidet die Justizministerin. Mit modischen Accessoires, Schmuck oder Schal, könnte sie das Outfit aufhübschen. Doch stilistische Extravaganz ist ganz offensichtlich nicht ihr Ding. Und: Die Frau ist ein Hosentyp. In so einem bieder-braven Deuxpièces wie auf dem offiziellen Bundesratsfoto möchten wir Simonetta Sommaruga nicht mehr sehen. Unser Tipp: auch mal gewagtere Hosenanzüge von jungen Schweizer Modeschöpfern tragen.

Gunst des SchicksalsNote: 6
Sie ist eine gefährliche Person, im positiven Sinn. Das ist wichtig, im positiven Sinn. Sie spielt nichts vor, aber sie ist knallhart und weiss, wie sie vorgehen muss, um ihre Ziele zu erreichen. Auf sie wartet kein spezielles Jahr. Die Herausforderungen, die ihr begegnen, wird sie mit Erfolg meistern. Sie ist scharf wie ein Laser und kann sich anpassen wie ein Chamäleon.

Basler Zeitung

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