SVP will Hundekurse abschaffen

Seit 2008 müssen Hundehalter einen vierstündigen Kurs absolvieren. SVP-Nationalrat Sebastian Frehner hält diese Regelung für reine Geldmacherei.

Mit Elan bei der Sache: Nicht alle Hundebesitzer haben so viel Freude am Hundekurs wie diese Frau. (Biild: Keystone/Olivier Maire)

Mit Elan bei der Sache: Nicht alle Hundebesitzer haben so viel Freude am Hundekurs wie diese Frau. (Biild: Keystone/Olivier Maire)

Für den Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner ist es «völliger Verhältnisblödsinn». Wer sich einen Hund an­­schafft, muss seit dem Jahr 2008 einen Theorie- und Praxiskurs von je vier Stunden ab­­solvieren und einen Sachkundenachweis erwerben. So schreibt es die Eidgenössische Tierschutzverordnung vor. Der Halter soll etwa lernen, «einen Hund zu führen und zu erziehen, Risikosituationen zu erkennen und zu entschärfen». Und: Der Besitzer muss auch mit jedem weiteren Hund erneut zum Praxistest – selbst wenn das Tier den Kurs schon mit einem anderen Halter absolviert hat.

Schon seit der Einführung sorgen die Regeln für Kritik. Nun regt Frehner in einem Vorstoss ihre Abschaffung an: Es gebe bis heute keine wissenschaftlich fundierten Daten, welche die Wirkung dieser Kurse belegten. «Sie sind eine reine Pflichtübung, die das Geschäft der Hundeschulen antreiben», sagt er. «Die Kurse sind nutzlos und gehören abgeschafft.» Heute würden Hundehalter mit Regulierungen deutlich mehr belastet als andere Hobbytierhalter. So kann Frehner etwa nicht nachvollziehen, warum es «für das Führen eines 1,5 Kilogramm schweren Chihuahua einen Sachkundenachweis braucht, für ein 600 Kilogramm schweres Pferd hingegen nicht». Immerhin gebe es mehr Unfälle mit Pferden als mit Hunden.

Hunderte Reklamationen

Unterstützt wird Frehner vom Konsumentenforum. Dort seien wegen der Kurse innert kurzer Zeit über 500 Reklamationen von Hundehaltern eingegangen. So sei es nicht nur fragwürdig, dass viele Hundetrainer das Kursgeld bar und ohne Quittung einkassierten. Auch seien viele Kurse faktisch zu Verkaufsveranstaltungen für Hundeartikel umfunktioniert worden und rei­ne Geldmacherei. Gleichzeitig will Freh­­ner vom Bundesrat wissen, ob es für ihn ak­­zeptabel sei, dass leitende Angestel­l­­­­te im Fachbereich Tierschutz des zu­stän­digen Bundesamts nebenberuflich selber im Hundekurs-Geschäft tätig seien.

Ohnehin aber zweifeln die Kritiker die Wirksamkeit der Kurse an: «Nur weil jemand vier Stunden mit seinem Hund in ein Training geht, heisst dies noch lange nicht, dass er seinen Vierbeiner danach im Griff haben muss», sagt Frehner. Für den SVP-Nationalrat ist das Ganze eine reine Alibiübung: «Nachdem es zu ein paar tragischen Zwischenfällen mit Hunden gekommen ist, hat das Parlament völlig überreagiert.» Dabei würden auch Bissstatistiken nicht belegen, dass die Kurse etwas nützen. «Für diese gibt es ja nicht einmal richtige Qualitätskontrollen», kritisiert Frehner. Deshalb schaffe man die Kurse besser ab und gehe stattdessen härter gegen fehlbare Hundehalter vor.

Verbesserungspotenzial erkannt

Auch Nora Flückiger von der Stiftung Tier im Recht ist von den Praxiskursen nicht restlos überzeugt. Vier Stunden seien für eine wirkungsvolle Prävention tatsächlich zu wenig. Flückiger zieht aber ganz andere Schlüsse daraus: Eine Abschaffung sei der völlig falsche Weg, hätte aber auch kaum eine Chance. «Das Sicherheitsbedürfnis in der Bevölkerung ist weiterhin gross», ist Flückiger überzeugt. Deshalb wären für die Stiftung zusätzliche Pflichtstunden angezeigt. Es sei wichtig, dass sich jeder Halter ein Basiswissen über sein Tier aneigne. Ausserdem werde im Rahmen dieser Kurse jeder Hund und jeder Halter von einer Fachperson begutachtet. Dabei gehe es auch um das Tierwohl.

Doch auch die Stiftung Tier im Recht nimmt die kritischen Stimmen wahr. Tatsächlich sei der Nutzen schwierig nachzuweisen, weil statistisch nicht alle Daten vorlägen. Und: «Auch wir finden, dass es bessere Qualitätskontrollen braucht», sagt Flückiger. So werde nicht in allen Kantonen überprüft, ob Hundehalter alle Kurse absolvieren. «Und bei den Anbietern fällt die Qualitätskontrolle oft zwischen Stuhl und Bank, weil sich oftmals weder Bund noch die kantonalen Veterinärämter zuständig fühlen», sagt sie. «Wir versuchen deshalb, gezielt Verbesserungen anzuregen.»

Basler Zeitung

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