Rafale, Gripen oder Eurofighter: Fällt heute der Entscheid?

Der Countdown zum Beschaffungsentscheid könnte heute enden. baz.ch/Newsnet sagt, welcher Jet am meisten kostet, welche Gegengeschäfte die Schweiz erwarten kann und warum das Volk vielleicht doch über den Kauf befinden darf.

Um diese Jets gehts: Rafale, Eurofighter, Gripen.

Um diese Jets gehts: Rafale, Eurofighter, Gripen.

(Bild: Keystone)

Hubert Mooser@bazonline

Können sich die Bundesräte einigen, dann fällt heute der Entscheid für den neuen Kampfjet. Drei Modelle stehen zur Auswahl: die französische Rafale, der Eurofighter von EADS und der schwedische Gripen. Ist der Preis massgebend, dann hat der Gripen die Nase vorn. Werden militärische und politische Überlegungen stärker gewichtet, haben Eurofighter und Rafale die Nase vorn.

Kauf: Das neue Flugzeug soll die 54 Tiger F-5 der Schweizer Luftwaffe ablösen. Die vor rund 40 Jahren konzipierten Tiger-Flugzeuge gelten als veraltet und werden schon bald das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Die Schweiz will darum 22 neue Kampfjets kaufen. Ursprünglich ging man von insgesamt 33 neuen Maschinen aus. Die Beschaffung der neuen Flugzeuge läuft unter dem Titel «Tiger-Teilersatz (TTE)».

Preis:Bei der französischen Rafale geht man von einem Systempreis (inklusive Bewaffnung, Munition, Ausbildung) von 120 bis 150 Millionen aus. Der Eurofighter dürfte zwischen 80 und 120 Millionen Franken kosten, der Gripen zwischen 50 und 70 Millionen. Offizielle Zahlen zu den Offerten der Anbieter gibt das VBS nicht bekannt.

Gegengeschäfte: Ohne Kompensationsgeschäfte geht beim Rüstungshandel gar nichts. Die Rafale-Herstellerin Dassault Aviation soll Gegengeschäfte im Umfang von 6 Milliarden Franken angeboten haben, das Eurofighter-Konsortium EADS dem Vernehmen nach für 8 Milliarden. Gripen-Herstellerin Saab hat Kompensationen in Höhe von 5 und 6 Milliarden in Aussicht gestellt. Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat allerdings 2007 in einem Bericht die Bedeutung solcher Gegengeschäfte relativiert.

Marktanteile:Ein Verkaufserfolg in der Schweiz könnte den einzelnen Anbietern in anderen Ländern die Türe öffnen. Die französische Rafale ist bisher nur im Dienste Frankreichs. Luftwaffe und Marine haben 228 Maschinen bestellt, davon wurden bisher 98 ausgeliefert. 300 Maschinen hat das Eurofighter-Konsortium bisher produziert. 559 Maschinen sind von Deutschland, Österreich, Italien, Spanien, und Saudiarabien bisher bestellt worden. Der Gripen ist in Schweden, Südafrika, Tschechien, Thailand und Ungarn im Einsatz. 202 Kampfjets hat Saab bisher hergestellt.

Leistungsfähigkeit: Laut Luftwaffenkommandant Markus Gygax erfüllen alle drei Flugzeuge das grundsätzliche Anforderungsprofil. Als Vergleichsgrösse diente bei der Evaluation die F/A-18. Rafale und Eurofighter werden als leistungsfähiger bewertet als die F/A-18. Der Gripen schnitt offenbar bei der Evaluation weniger gut ab. Er erfüllt laut VBS aber ebenfalls die grundsätzlichen Mindestanforderungen.

Beschaffung: Im August 2010 gab Verteidigungsminister Ueli Maurer bekannt, dass der Entscheid zur Kampfjet-Beschaffung auf 2015 verschoben werde. National- und Ständerat haben aber in der vergangenen Herbstsession den Bundesrat beauftragt, einen raschen Entscheid zum Kampfjet-Kauf zu fällen. Das soll heute erfolgen. Maurer geht aber davon aus, dass die neuen Jets erst ab 2014 bestellt werden können.

Finanzierung: Der Entscheid zur Finanzierung wird erst im Februar gefällt. Die Finanzministerin legte aber bereits Varianten dafür vor. Im Vordergrund steht eine separate Finanzierung über das Rüstungsprogramm. Für die entsprechende Rüstungsbotschaft würde man das Referendum vorsehen. Eine weitere Variante ist, die Finanzierung samt den entsprechenden Einsparungen bei anderen Bundesaufgaben in einen referendumsfähigen Finanzbeschluss zu packen. So könnte das Volk beim Kampfjet-Kauf doch noch ein Wort mitreden.

baz.ch/Newsnet

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