«Bern tritt die legendäre Neutralität mit Füssen»

Die Schweiz erntet Kritik aus Mali: Aktivisten aus dem umkämpften Norden des Landes verurteilen die Berner Hilfe für ein Treffen der Tuareg-Rebellen im Juli.

Die Schweiz weist die Vorwürfe zurück: Aktivisten im Norden Malis.

Die Schweiz weist die Vorwürfe zurück: Aktivisten im Norden Malis.

(Bild: Reuters)

Eine Aktivistengruppe im unruhigen Norden Malis hat die Schweizer Hilfe bei der Organisation eines Treffens von Tuareg-Rebellen Ende Juli kritisiert. «Bern tritt dadurch seine legendäre Neutralität mit Füssen», teilte die Gruppe der Bewohner des Nordens (Coren) mit.

Durch ihr Engagement gebe die Schweiz der Nationalen Bewegung zur Befreiung von Azawad (MNLA) «politischen Rückhalt». Und diese wolle – unter dem Deckmantel der Suche nach einer politischen Lösung der (eigens verursachten) Krise – nur ihr Ziel, die Teilung des Landes, vorantreiben.

Coren verurteile «den Versuch, eine bewaffnete Bewegung zu stärken, die auf dem Feld geschlagen und offensichtlich von der Bevölkerung abgelehnt wurde». Der Zusammenschluss von Bewohnern aus Timbuktu, Gao und Kidal wirft gewissen Verantwortlichen im Schweizer Aussenministerium zudem «spezielle, um nicht zu sagen enge Beziehungen zu MNLA-Führern» vor.

«Nicht an Diskussionen beteiligt»

Das MNLA-Treffen fand vom 25. bis zum 27. Juli in Ouagadougou, der Hauptstadt des benachbarten Burkina Faso, statt und wurde vom Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mitfinanziert und -organisiert.

Nach Medienangaben waren auch zwei EDA-Vertreter beim Rebellentreffen dabei. Man habe sich aber nicht an internen Diskussionen beteiligt, hiess es. Das Schweizer Engagement bewege sich im Rahmen der Friedensförderung der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas.

Laut dem EDA engagiert sich die Schweiz seit Jahren in Mali für die Förderung von Stabilität und Frieden. Dabei habe man Kontakt zu allen Seiten.

Steinzeit-Islam im Norden

Kurz nach dem Putsch in dem westafrikanischen Land am 22. März hatten die Tuareg-Kämpfer der MNLA zusammen mit der islamisch-fundamentalistischen Gruppe Ansar Dine den Norden Malis erobert. Danach vertrieben die Kämpfer von Ansar Dine die Tuareg weitgehend aus der Region und fingen damit an, das islamische Recht der Scharia einzuführen.

Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) bereitet derzeit eine mögliche Entsendung von rund 3000 Soldaten nach Mali vor. Dazu muss die malische Regierung jedoch einen formellen Antrag stellen, zudem bedarf es eines UNO-Mandats. Erst am Montag setzte der malische Übergangspräsident Dioncounda Traoré eine Regierung der nationalen Einheit ein.

wid/sda

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