Militärische Oldies in voller Fahrt

Rund 3000 Schaulustige aus der ganzen Schweiz und dem Ausland haben am Wochenende in Kradolf TG Militärfahrzeuge vergangener Generationen bestaunt.

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40 Jahre lang hatte er im brasilianischen Urwald vor sich hin gerostet. Anfang Jahr hatten ihn Pius Länzlinger und sein Bruder Max in die Schweiz geholt und restaurierten ihn Stück für Stück. Am vergangenen Wochenende hatte der US-Panzer vom Typ Stuart M3 am Armeetreff Ostschweiz in Kradolf seinen grossen Auftritt. «Am Mittwoch haben wir den letzten Pinselstrich gemacht», sagt Pius Länzlinger, klettert auf den stählernen Riesen und schwingt sich durch die schmale Luke hinters Steuer.

Das Raupenfahrzeug wird durch einen Flugzeug-Sternmotor mit einer Leistung von über 250 PS angetrieben. Es rattert und knarrt, und bei jeder Fehlzündung ertönt ein beängstigender Knall – aber der Oldtimer fährt. Als Einziger von drei noch erhaltenen Exemplaren; darauf ist der Besitzer besonders stolz. Und jeder Betrachter will kurz für ein Foto mit dem restaurierten Veteran aus dem
2. Weltkrieg posieren.

Stecken geblieben

Überhaupt hat fast jeder Besucher des Armeetreffs eine Kamera dabei. Väter lassen ihre Kinder auf riesigen Raupenpanzern posieren, Fans knipsen jedes der rund 200 Fahrzeuge, das ihnen vor die Linse kommt. Ein besonders beliebtes Motiv an diesem Samstag ist ein Jeep, dessen rasante Fahrt auf dem hügeligen Testgelände im Sumpfwasser ein jähes Ende fand. Fieberhaft sucht der Fahrer nach einem Helfer mit Seilwinde, der seinen Oldtimer aus dem Morast befreit.

«Solche Dinge passieren immer wieder», sagt Daniel Schnyder, OK-Präsident und Mitglied des organisierenden Weasel-Clubs Schweiz, und eilt gleich zum Ort des Geschehens. Unerwartete Zwischenfälle wie dieser sind die eigentlichen Highlights des Militärfahrzeug-Treffens. Schnell scharen sich Schaulustige um den Ort des Geschehens und verfolgen die Rettungsaktion.

Nicht nur Militärfans

Viele der Besucher – dank schönem Wetter hat der Armeetreff rund 3000 angelockt – kommen vor allem wegen der Fahrzeuge, und nicht aus Liebe zum Militär. «Ich bin zum Beispiel nie gern ins Militär gegangen», sagt Schnyder. «Was mich fasziniert, ist die Kombination aus Technik und Historie.» «Man muss absolut angefressen sein», ergänzt Panzer-Besitzer Länzlinger und bedenkt: «Hinter einer Viertelstunde Fahren stecken etwa zehn Stunden schrauben.»

Für ausdauernde Fahrten seien die Fahrzeuge ohnehin nicht vorgesehen, «es sind immerhin Oldtimer, und die leiden extrem, wenn sie bewegt werden.» Zumindest die älteren Exemplare.

Andere haben schon Zehntausende Kilometer auf dem Buckel, wie die zwei alten Bundeswehr-Busse einer Gruppe aus Süddeutschland, die unter einem improvisierten Dach aus Tarndecken picknicken. «Das sind unsere Camperfahrzeuge», erklären die Frauen stolz, «mit denen fahren wir bis nach Frankreich.» Eine bessere Tarnung gebe es als Wildcamper kaum. Und getankt wird bei Aldi: Die Busse fahren mit Salatöl.

Erstellt: 28.06.2010, 12:20 Uhr

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