Maurers erstaunliche neue Berechnung

Der F/A-18 könne nur noch bis 2025 weiterfliegen, sagt Bundesrat Ueli Maurer. Und widerspricht damit sämtlichen Aussagen von Bundesrat und Armeeführung.

hero image
Beni Gafner@Tamedia

Informierte reiben sich über die neusten Aussagen des Verteidigungsministers zur Zukunft der Schweizer Luft­waffe ebenso die Augen wie Sicherheitspolitiker. Nach Aussage von Bundesrat Ueli Maurer (SVP) kann sich die F/A-18-Flotte der Schweizer Armee nur noch bis 2025 in der Luft halten. Das sind sechs bis zehn Jahre weniger als bisher offiziell veranschlagt. Das neue Argument Maurers könnte im Abstimmungskampf entscheidend sein: Plötzlich gar keinen Schutz mehr am Himmel – das wollen auch viele Gripen-Kritiker nicht haben. Doch trifft Maurers Aussage überhaupt zu?

Maurers neue Berechnung erstaunt, weil sämtliche schriftlichen und mündlichen Aussagen von Bundesrat und ­Armeeführung über die «Lebensdauer» der F/A-18 bisher anders lauten. So liess sich Armeechef André Blattmann im September 2012 in der Aargauer Zeitung zitieren, die F/A-18 würden bis 2035 im Einsatz sein. Ebenfalls im September 2012 sah sich der Bundesrat gezwungen, einen kritischen Untersuchungsbericht der Gripen-Subkommission unter SVP-Nationalrat Thomas Hurter (SH) zu parieren. In seiner neunseitigen Antwort steht: «Der Bundesrat weist darauf hin, dass vorgesehen ist, die F/A-18 bis nach 2030 im Einsatz zu haben, das heisst von jetzt an noch mindestens 18 Jahre, zwölf Jahre nach Beginn und neun Jahre nach dem Ende der Auslieferung des Gripen.»

Bald ganz ohne Luftwaffe?

Bundesrat Maurer sagt in flagrantem Widerspruch zur letzten Bundesratsantwort in dieser Sache: «Wenn wir den Gripen kaufen, dann haben wir 2025 noch 22 Militärflugzeuge, weil dann die F/A-18 ihre Altersgrenze erreicht haben. Das reicht gerade mal für den Einsatz als Luftpolizei. Aber wenn die Schweiz auf den Kauf verzichtet, dann stehen wir in elf Jahren ganz ohne Luftwaffe und damit ohne Schutz des Luftraums da.» Dies sagte Maurer zu Ostern im Interview des Sonntagsblicks. Der Mann wiederholt diese Aussage in seinen über 20 Auftritten – landauf, landab – im Abstimmungskampf. Die Frage drängt sich auf: Verkürzt Bundesrat Maurer die «Lebensdauer» der F/A-18 realitätswidrig, um im Volk eine Mehrheit für den Gripen zu erwirken? Ist der Gripen nun nicht mehr allein «Tiger-Teilersatz», sondern auch F/A-18-Ersatz? Wir fragen beim VBS nochmals nach und fragen dabei detailliert nach den budgetierten und den geleisteten Flugstunden der F/A-18. Als Antwort gibt es aus dem VBS prompt eine neue Version. Demnach verkürze sich die «Lebensdauer» der F/A-18 nur dann, wenn der Gripen nicht gekauft werde. Bundesrat Maurer sagte aber im Sonntagsblick, man müsse den Gripen kaufen, «um nach 2025» überhaupt noch etwas in der Luft zu haben.

Die gestrige VBS-Antwort heisst wörtlich: «Die F/A-18 der Schweizer Luftwaffe sind auf 5000 Flugstunden ausgelegt. Wann diese Limite erreicht wird, hängt davon ab, wie stark die ­F/A-18 beansprucht werden. Wenn die Gripen beschafft werden, wird das wesentlich weniger sein, als wenn es keinen Tiger-Teilersatz gibt. Daraus ergeben sich die unterschiedlichen Angaben über die Ausserdienststellung der F/A-18: bei Gripen-Beschaffung 2030 oder später, ohne Gripen-Beschaffung voraussichtlich 2025.» Nachfrage: Wird damit der Gripen E auch zum F/A-18-Ersatz? Das VBS schreibt: «Nein. Wenn die F/A-18 ans Ende ihrer Einsatzdauer gelangen, werden sie ersetzt werden müssen.» Womit die F/A-18 ersetzt werden, könne heute noch nicht gesagt werden.

Aufklärung gefordert

Damit liefern Verteidigungsdepartement (VBS) und Bundesrat Maurer neue Widersprüche zu Fakten, die eigentlich unbestritten sein sollten. Recherchen der BaZ ergeben, dass die seit 1997 und später im Einsatz stehenden F/A-18 bisher zwischen 2300 und maximal 2500 Flugstunden auf dem Zähler haben – und das nach rund 17 Jahren in Diensten der Luftwaffe –, je nach gestaffelter Inbetriebnahme. Weshalb die 32 Schweizer F/A-18 die verbleibenden 2500 bis 2700 Flugstunden schon bis 2025 verbrennen sollen, auch wenn der Gripen gekauft wird, bleibt das Geheimnis Maurers. Ein Insider sagt: «Selbst bei einem Nein zum Gripen und nach Aufbau einer 24-Stunden-Bereitschaft für die Luftpolizei, könnten die F/A-18 bis über das Jahr 2030 hinaus im Einsatz bleiben.» Denn im Bereitschaftsdienst stünden die Jets am Boden und seien nicht in der Luft.

Die frühere Sik-Präsidentin, Nationalrätin Chantal Galladé (SP, ZH), verlangte auf Anfrage der BaZ eine Klärung dieses Sachverhalts und eine Stellungnahme des Bundesrats, welche seiner Aussagen nun zutreffend seien.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt