Jetzt soll der Bund Bücher direkt fördern

Die Stimmbürger haben sich deutlich gegen feste Preise im Buchmarkt ausgesprochen. Jetzt fordern die Verlierer, dass der Bund direkte Massnahmen ergreift, um die Vielfalt im Buchgeschäft zu gewährleisten.

Die Buchbranche erwartet nun Geld vom Bund: Auslage in einer Buchhandlung.

Die Buchbranche erwartet nun Geld vom Bund: Auslage in einer Buchhandlung.

(Bild: Sabina Bobst)

Vor einem Jahr sprach sich das Parlament knapp für die schweizweite Einführung fester Preise bei Büchern aus. Jetzt hat das Stimmvolk diesen Entscheid umgestossen – und sich mit 56,1 Prozent überraschend deutlich gegen das Preisdiktat ausgesprochen. Das ist eine herbe Enttäuschung für die Befürworter der Buchpreisbindung aus dem Parlament, aber auch für die Buchhändler und die Verlagsbranche. Denn nach der Abstimmung ist klar: Einen weiteren Versuch für die Wiedereinführung der Buchpreisbindung wird es nicht geben.

Trotzdem wollen die Verlierer nun nicht zur Tagesordnung übergehen. «In den Auseinandersetzungen habe ich von Gegnern der Buchpreisbindung mehrfach gehört, dass man für alternative Massnahmen zur Bücherförderung sei – nur halt eben nicht für feste Preise», sagt der Grüne Nationalrat Louis Schelbert. Diese Leute müsse man nun beim Wort nehmen. «Es gilt auszuloten, welche anderen Wege es gibt, um Bücher, Autoren und Verlage zu unterstützen.» Wie diese direkten Förderungsmassnahmen konkret aussehen sollen, darüber macht Schelbert jedoch keine Angaben – genauso wenig wie andere angefragte Befürworter der Buchpreisbindung.

Harte Zeiten für kleine Verlage

Der Walliser SVP-Nationalrat und Freizeitautor Oskar Freysinger, der sich im Abstimmungskampf ebenfalls für die Buchpreisbindung stark gemacht hatte, stösst ins gleiche Horn: «Es ist klar, dass wir jetzt erst recht weitere Massnahmen zum Schutz der Buchvielfalt ergreifen müssen.» Die Erfahrungen in der Westschweiz, wo die Preisbindung schon vor 20 Jahren abgeschafft wurde, hätten gezeigt, dass kleine Buchläden bei einem schrankenlosen Wettbewerb von den grossen Buchhandelsketten einverleibt würden. Er selber werde deshalb in den nächsten Monaten das Gespräch mit Branchenvertretern suchen.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) argumentiert derweil, dass das günstigste zur Verfügung stehende Mittel mit der Buchpreisbindung weggefallen sei. Deshalb brauche es jetzt direkte Fördermassnahmen des Bundes. Denn die Produktion einheimischer Bücher mit kleinem Auflagepotenzial dürfte nun noch schwieriger werden, und kleine Verlage müssten über kurz oder lang aufgeben.

Auch im Lager der Preisbindungsgegner stossen direkte Fördermassnahmen durch den Bund auf offene Ohren. «Jetzt, wo die Buchpreisbindung vom Tisch ist, können wir zusätzliche Massnahmen zur Autoren- und Verlagsförderung ins Auge fassen», sagt der Zürcher FDP-Nationalrat Ruedi Noser. Er interpretiert das gestrige Nein der Stimmbürger an der Urne denn auch nicht als Votum gegen die Buchhändler, sondern gegen die Einführung eines neuen Preiskartells: So hätten die Schweizer ganz einfach genug von überhöhten Preisen.

Wie bei den Kinos?

Der Unternehmer bringt dabei gleich eine eigene Idee ein: Er erinnert dabei daran, dass das Filmförderungsgesetz Schweizer Kinobetreiber begünstige, die ein vielfältiges Programm anbieten würden. «Ähnliche Modelle könnte man auch für Buchhändler vorsehen, die sich durch eine grosse Sortimentsvielfalt auszeichnen.»

Selbst beim Migros-Discounter Ex Libris spricht man sich nicht gegen alternative Fördermassnahmen des Bundes aus. Darüber könne man sprechen, sagt Ex-Libris-Chef Daniel Röthlin. Allerdings dürften die Massnahmen nicht wieder auf dem Rücken der Konsumenten ausgetragen werden. Anders als das Gros der Branche findet Röthlin, dass man sich um die Zukunft der Branche keine Sorgen machen muss: Die Buchhändler hätten mit der offenen Preisgestaltung ein besseres Mittel in der Hand, um auf die Marktveränderungen zu reagieren. Mit der Preisbindung hingegen, so Röthlin, hätte sich der Buchhandel den Verlagen ausgeliefert.

Tages-Anzeiger

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt