Kupfert Jay-Z von Basler Jazzmusiker ab?

Der renommierte Schweizer Jazzmusiker Bruno Spoerri staunte nicht schlecht, als er zum ersten Mal den Song «Versus» von US-Rapper Jay-Z hörte.

Erhielt einen Grammy: Rapper Jay-Z bei der Preisverleihung in Los Angeles. (26. Januar 2014)

Erhielt einen Grammy: Rapper Jay-Z bei der Preisverleihung in Los Angeles. (26. Januar 2014)

(Bild: AFP)

Bruno Spoerri ist ein Pionier. In den 70er- und 80er-Jahren experimentierte er mit Synthesizern, Instrumenten und Geräuschaufnahmen und schuf so faszinierende Kompositionen zwischen Elektro, Experimentalmusik, Jazz und Funk. Die Musik war lange Zeit nur noch Liebhabern von Vinylraritäten bekannt, bis vor einigen Jahren das kleine Label Finders Keepers einige Wiederveröffentlichungen von Spoerris Musik herausgab.

So stiess wohl auch Hip-Hop-Produzent Timbaland, vermutlich via Youtube, auf «On the Way», einen Teil des Soundtracks zum Experimentalfilm «Lilith», den Spoerri 1978 komponiert hatte.

Das Stück scheint Timbaland so sehr gefallen zu haben, dass er es, ohne nach den Rechten zu fragen, sampelte und für einen Song von Jay-Z verwendete. Denn der Song «Versus» des US-Rappers klingt verdächtig ähnlich.

Vor drei Monaten erhielt Bruno Spoerri einen Anruf von Finders-Keepers-Chef Andy Votel, der ihn auf den Klau aufmerksam machte. «Zuerst habe ich gestaunt», berichtet Bruno Spoerri gegenüber baz.ch/Newsnet. «Ich bin es mit meinen 78 Jahren nicht gewohnt, dass mir ein viel Jüngerer etwas stiehlt.» Der Song stammt vom Album «Magna Carta Holy Grail», das sogar für einen Grammy nominiert war.

Als Spoerri von der Auszeichnung hörte, konnte er seinen Ärger nicht mehr zurückhalten. Er wandte sich in einem Kommentar an die Redaktion Radio SRF.

Er fände es spannend, dass seine Musik von einer anderen Generation aufgegriffen wird, sagt Bruno Spoerri. Das Sampling, eine Tonaufnahme in einem neuen Kontext wiederzuverwenden, ist teil der Hip-Hop-Musik. Doch Spoerri ärgert sich, dass die US-Produzenten nicht einmal um die Erlaubnis gebeten haben: «Sie hätten es ja haben können, wenn sie gefragt hätten.»

Nun versucht ein Anwalt für Finders Keepers mit den Amerikanern zu verhandeln. Es geht nur harzig voran: «Auf der anderen Seite sitzen vermutlich die teuersten Anwälte», meint Bruno Spoerri. Das Label und der Musiker wollen einen Teil der Einnahmen und eine finanzielle Genugtuung. Doch das ist für Bruno Spoerri nicht die Hauptsache: «Mir geht es ums Prinzip: Es ärgert mich, dass sich jemand einfach so bei mir bedient. Ich erwarte eine Entschuldigung.»

baz.ch/Newsnet

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