Ingenieure glauben an Energiewende – wenn Volk mithilft

Die Mitglieder des Ingenieursverbands Swiss Engineering halten die Energiestrategie für umsetzbar. Viele glauben aber, dass der technische Fortschritt alleine nicht ausreicht.

Wie weit wird sich die Technik in den nächsten Jahrzehnten entwickeln? Ein Forscher der ETH Lausanne mit einem System zur Energiespeicherung.

Wie weit wird sich die Technik in den nächsten Jahrzehnten entwickeln? Ein Forscher der ETH Lausanne mit einem System zur Energiespeicherung.

(Bild: Keystone Jean-Christophe Bott)

Martin Wilhelm@martin_wilhelm

Funktioniert die Energiestrategie, so wie sie am 21. Mai zur Abstimmung kommt? Für den durchschnittlichen Stimmbürger ist es schwierig, die verschiedenen Schätzungen nachzuvollziehen, die Bund, Befürworter und Gegner präsentieren. Die Wirtschaft und die FDP sind sich zudem uneins und bieten wenig Orientierungshilfe. Vor diesem Hintergrund ist eine Umfrage von Interesse, die der Ingenieursverband Swiss Engineering unter seinen Mitgliedern durchgeführt hat. «Wenn es eine Berufsgattung gibt, die auf diesem Gebiet fundierte Kenntnisse hat, dann sind es wohl die Ingenieure», sagt Verbandspräsident Beat Dobmann – wenn er auch einschränkt, dass nicht alle 13'000 Mitglieder des Verbands Energiespezialisten seien. Swiss Engineering gehören unter anderem Maschinen-, Bau- und Elektroingenieure, aber auch Architekten an.

Das Ergebnis der Umfrage ist unter dem Strich ein Ja zur Energiestrategie 2050 von Bundesrat und Parlament. Von den 1247 Verbandsmitgliedern, die an der Umfrage teilnahmen, befürworten 52 Prozent die Energiestrategie ganz und weitere 33 Prozent zumindest teilweise. Nur 15 Prozent lehnen sie ab. Nicht eindeutig geht aus der Umfrage hervor, weshalb 33 Prozent der Befragten nur teilweise einverstanden sind. Dobmann vermutet, dass die Entwicklung hin zu einer klimaschonenden Energieversorgung für viele Ingenieure zu langsam voranschreitet. So würden 60 Prozent der Ölheizungen heute noch immer durch neue Ölheizungen ersetzt, was zu viel sei. Trotzdem, so glaubt Dobmann, würden auch jene Ingenieure, denen die Energiewende zu lange dauere, die jetzige Energiestrategie befürworten. «Die Vorlage ist ein guteidgenössischer Kompromiss, da ist es unter dem Strich gescheiter, ja zu sagen.»

81 Prozent halten Energiestrategie für umsetzbar

Aus der Umfrage geht auch hervor, dass eine klare Mehrheit von 81 Prozent der Befragten der Ansicht ist, dass die Ziele der Energiestrategie 2050 zu erreichen sind. Darüber, unter welchen Bedingungen dies möglich sein wird, gehen die Meinungen unter den Ingenieuren aber auseinander. 39 Prozent der Befragten glauben, dass der technische Fortschritt einen wichtigen Beitrag leisten wird, um die Ziele zu erreichen. Gleichzeitig gehen 49 Prozent davon aus, dass sich die Gesellschaft verändern muss, während 20 Prozent erwarten, dass die Ziele nicht zu erreichen sind, ohne dass sich die Bevölkerung einschränkt. Einschränkungen halten die Befragten vor allem beim Stromkonsum und bei der Mobilität für nötig, weniger hingegen beim Wohnkomfort.

Die Ingenieure sind sich also uneins, ob der technische Fortschritt es richten wird. Verbandspräsident Dobmann verweist auf die lange Frist bis 2050. Die Entwicklung bis dahin, ob es gar zu einem Durchbruch komme, der das Energieproblem löse, lasse sich nicht voraussagen. «Auch ein Ingenieur muss sich hier auf sein Bauchgefühl verlassen.» Er selber sei zuversichtlich, dass es in den nächsten 20 Jahren nochmals zu einem starken Innovationsschub kommen werde. «In der Forschung läuft derzeit sehr viel.»

Die Ingenieure sind im Übrigen auch eine der Berufsgruppen, die von der Energiestrategie profitieren werden. 40 Prozent der Befragten rechnen mit einem Stellenwachstum in der Ingenieursbranche, 65 Prozent gehen davon aus, dass der Innovationsplatz Schweiz gestärkt wird. Ausschlaggebend dafür, dass Swiss Engineering die Energiestrategie befürworte, seien aber nicht wirtschaftliche Überlegungen, sagt Dobmann. «Wir müssen die Energieversorgung dringend nachhaltiger gestalten.»

baz.ch/Newsnet

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