Genfer sollen legal kiffen dürfen

Cannabis-Konsum soll in Vereinen mit Mitgliederbeitrag legal werden. Das fordert ein überparteiliches Genfer Komitee. Es orientiert sich an Modellen im Ausland – und hofft, damit die Kriminalität zu reduzieren.

Die Konsumenten sollen sich in Vereinen organisieren, um legal an die Droge zu gelangen: Ein Mann zündet sich einen Joint an. (Archivbild)

Die Konsumenten sollen sich in Vereinen organisieren, um legal an die Droge zu gelangen: Ein Mann zündet sich einen Joint an. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Legaler Anbau, Handel und Konsum von Cannabis: In Genf soll das für drei Jahre Realität werden. Zumindest, wenn es nach dem Willen einer überparteilichen Arbeitsgruppe geht. Das Geschäft mit Cannabis sei ein gewichtiger Bestandteil des offenen Drogenmarktes in der Schweiz, begründet sie ihren Vorschlag. Damit seien zahlreiche Delikte verbunden – und diese würden die öffentliche Sicherheit in Genf bedrohen, erläutert Sandro Cattin, Soziologieprofessor der Universität Genf und Präsident der Arbeitsgruppe. Die Gruppe setzt sich aus sämtlichen im Genfer Grossen Rat vertretenen Parteien zusammen: FDP, CVP, SVP, SP, Grüne und MCG.

Im Rahmen dieses dreijährigen Pilotprojekts soll der Cannabis-Konsum innerhalb sogenannter Cannabis Social Clubs legalisiert werden. Dabei organisieren sich die Konsumenten in Vereinen und zahlen einen Mitgliederbeitrag, der sich nach ihrem Konsum bemisst. Dieser darf sich um rund zwei Gramm pro Tag bewegen. Der Cannabis kann in den Vereinslokalen oder bei den Vereinsmitgliedern zu Hause konsumiert werden.

Auch im Ausland ähnliches Modell

Ein ähnliches Modell ist auch im Ausland bekannt. So gibt es etwa in Spanien seit 2002 zahlreiche Clubs, die auf einer Gesetzeslücke basieren: Wird im privaten Rahmen gekifft, so wird das nicht strafrechtlich verfolgt. In anderen Ländern hätten legale Modelle nicht zu einer Erhöhung der Konsumentenzahl geführt, hält denn auch die Arbeitsgruppe fest. Sie schätzt die Zahl der Kiffer hierzulande auf 6,25 bis 8,5 Prozent der Bevölkerung. In Holland, wo der Cannabis-Konsum in Coffeeshops toleriert wird, liegt die Zahl der Konsumenten tiefer – bei 5,74 Prozent.

Während jedoch der Trend in verschiedenen europäischen Ländern in Richtung Legalisierung des Konsums geht, wird dieser in der Schweiz seit Anfang Oktober mit Ordnungsbussen geahndet. «Die Schweiz ist oft zu vorsichtig», sagt Arbeitsgruppen-Mitglied Lydia Schneider Hausser (SP). Und Rolin Wavre (FDP) betont, dass es um einen kontrollierten Konsum gehe – und keineswegs um eine Liberalisierung von Cannabis.

Der Marktwert der in der Schweiz konsumierten Haschisch-Produkte beläuft sich auf rund eine Milliarde Franken. Das Modell der Arbeitsgruppe hätte laut Sophie Buchs (CVP) den Vorteil, dass die Qualität der Ware und der THC-Gehalt kontrolliert werden könnten. Ausserdem könnte der Cannabis-Markt vom restlichen Drogenhandel getrennt werden. Heroin und Kokain sollen demnach weiterhin mit strafrechtlichen und therapeutischen Instrumenten bekämpft werden.

Basel und Zürich sollen ebenfalls mitmachen

Das Projekt könnte auch auf andere Schweizer Städte ausgedehnt werden: Die Arbeitsgruppe fände es wünschenswert, wenn es in Zusammenarbeit mit anderen grossen Städten – insbesondere mit Zürich und Basel – lanciert werden könnte. Damit die Pilotprojekte überhaupt starten könnten, müsste auf eidgenössischer Ebene eine Ausnahmebewilligung eingeholt werden.

rbi

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