Eine weihnächtliche Asylgeschichte spaltet die Leserschaft

Die Basler Aktivistin Anni Lanz hat asylsuchende Eritreer von der Strasse in die eigene Wohnung geholt. «Bewundernswert» und «Respekt», schreiben Leser. «Falsches Signal», sagen andere.

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Natürlich berührt die Geschichte der Asylsuchenden, die von der Empfangsstelle abgewiesen werden, in der Vorweihnachtszeit doppelt. Draussen sinkt das Thermometer unter den Gefrierpunkt, drinnen in den warmen Stuben werden die Tannenbäume aufgestellt und die Vorbereitungen zum Fest der Liebe nehmen ihren Lauf. Für die Baslerin Anni Lanz war klar: Menschen draussen übernachten zu lassen, ist unmenschlich, und sie öffnete ihre Tür (wir berichteten).

Die Geschichte hat auch die Leser von baz.ch/Newsnet bewegt. Einige traf es in vorweihnächtlicher Stimmung. «Keinen Raum in der Herberge (…), das erinnert doch ein bisschen an Weihnachten», schreibt eine Leserin. Ähnlich tönt ein weiterer Beitrag: «Hm, an was erinnert mich diese Geschichte, irgendwas vor 2011 Jahren?» Ein Leser zitiert gar aus dem Lukas-Evangelium und schliesst mit den Worten: «Möge der Herr Frau Anni Lanz reich segnen.»

Schweiz dadurch noch attraktiver als Flüchtlingsland

Gar nicht segnen mögen Anni Lanz aber knapp ein Drittel der rund 250 geposteten Kommentare. Zwar verdiene ihre private Initiative Respekt. Aber: «Das sind doch völlig falsche Signale, die da (…) ausgesendet werden», so ein Leser. Die Schweiz würde dadurch nur «noch attraktiver als Land der Glückseligkeit», steht in einem weiteren Kommentar.

Rauer wird der Ton bei folgendem Beitrag: «Diese Aktion ist ein schlechtes Beispiel zur Lösung unserer Asylproblematik. Der jetzige Ansturm der vorwiegend ‹Wirtschaftsasylanten› bringt mittelfristig riesige Probleme (…). Eine Internierung in abgesperrten Unterkünften, kurzfristige Ausweisung oder Rekursmöglichkeit wären die beste Lösung.

Bettwil nicht vergessen

Dieser und ähnliche Vorschläge sind für andere baz.ch/Newsnet-Leser wiederum ein Zeichen der sozialen Kälte in der Schweiz: «Da gefriert einem ja das Blut in den Adern bei bestimmten Kommentaren. Aber Gott sei Dank sind es nur die wenigsten, die eine derartige Kälte an den Tag legen und diese Menschen draussen erfrieren liessen.» Hinzu kommt Scham für das Verhalten der Schweiz: «Als Schweizer, wohnhaft in Tunesien, schäme ich mich für diese kaltherzige Schweiz. Vielleicht könnten sich die Schweizer ein Vorbild an den Tunesiern nehmen. Tunesien versorgt momentan 30’000 Flüchtlinge aus Libyen. Menschen, die selber nichts haben, teilen das Wenige, was sie haben, mit den Flüchtlingen.»

Und auch der Aufstand in Bettwil ist noch nicht vergessen: «Asylsuchende frieren im Freien – und in Bettwil hocken die Superpatrioten in der warmen Stube und kämpfen dagegen, dass man diesen Menschen Unterkünfte schafft (…). Zum Glück gibt es auch noch Leute, die menschliche Werte höher einschätzen als tumbe Vorurteile.» Die Weihnachtszeit nimmt ein weiterer Leser für einen Kommentar zum Anlass: «Wenn ich mir vorstelle, wie einige Autoren (dieser Kommentare, Anm. der Redaktion) der teilweise menschenverachtenden Beiträge in ein paar Tagen in die Kirche gehen, um dort scheinheilig über Dinge wie Nächstenliebe zu lamentieren, wird mir schlecht.»

Lanz’ Initiative als Signal an die Behörden

Dass die Initiative von Anni Lanz ein falsches Signal an die Flüchtlinge in aller Welt aussendet, mag für Einzelfälle zutreffen. Bedeutend aber ist wohl, dass hier durch private Initiative ein Unglück verhindert wurde. Wie gross wäre die Betroffenheit und Empörung wohl gewesen, wenn in der Schweiz ein Asylsuchender erfroren wäre. Vielmehr ist das Handeln der Baslerin ein Signal an Regierung und Behörden. Sie stehen in der Verantwortung, rechtzeitig für genügend Asylplätze zu sorgen und für den Notfall Ausweichmöglichkeiten bereit zu haben.

cpm

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