EU-Beitritt beim Volk ohne Chance

Ein Beitritt der Schweiz zur EU hätte nach wie vor einen schweren Stand bei den Schweizer Stimmberechtigten. Bei einem EWR-Beitritt zeigt sich allerdings ein anderes Bild.

Lieber getrennt als gemeinsam: Ein Fahnenschwinger nahe Grindelwald.

Lieber getrennt als gemeinsam: Ein Fahnenschwinger nahe Grindelwald.

(Bild: Keystone)

Fast zwei Drittel der Befragten gaben in einer Isopublic-Umfrage an, sie würden einen EU-Beitritt ablehnen. Für einen Beitritt sprachen sich 25 Prozent aus. Auf die Frage, ob man im Falle einer Abstimmung am nächsten Wochenende einem EU-Beitritt zustimmen oder ihn ablehnen würde, votierten 63 Prozent für eine Ablehnung, wie Isopublic am Dienstag mitteilte. 25 Prozent gaben an, sie würden Ja stimmen. 12 Prozent waren unentschieden.

Die Deutschschweiz zeigt sich weiterhin skeptischer gegenüber einem Beitritt als die Westschweiz: Nur gerade 21 Prozent der Deutschschweizer würden einen Beitritt befürworten. Unter den Westschweizern sind es dagegen knapp 40 Prozent. Keine Unterschiede mehr gibt es laut Isopublic aber bei den Altersgruppen: Waren früher die Jungen im Vergleich zu den Älteren eher für einen EU-Beitritt, so stehen die heutigen Jungen einem Beitritt genauso kritisch gegenüber. Personen mit höherer Bildung befürworten einen Beitritt eher als solche mit schlechter Bildung.

Romandie mehrheitlich für Beitritt zum EWR

Mehr Chancen als ein EU-Beitritt hätte laut der Befragung eine erneute Abstimmung über einen Betritt zum EWR. 44 Prozent würden sich dafür aussprechen, 42 Prozent dagegen. Die restlichen 14 Prozent waren unentschieden. In der Romandie gäbe es mit 63 Prozent sogar eine absolute Mehrheit.

Isopublic führte die Befragung zwischen April und Juni durch – also noch vor der jüngsten Debatte um die künftige Beziehung zwischen der Schweiz und der EU. Zur Zeit der Umfrage waren aber unter anderem das Bankgeheimnis oder die Libyen-Krise ein Thema, zudem machte die EU Schlagzeilen wegen der Schuldenkrise in Griechenland.

Solche Ereignisse seien bei der Umfrage zwar zu spüren, sagte Matthias Kappeler, Geschäftsführer von Isopublic, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Diskussionen um das Bankgeheimnis führten etwa zu einer Tendenz in Richtung Ablehnung. Er beurteilt den Zeitpunkt der Umfrage aber dennoch als vergleichsweise neutral.

Die Fragen zur EU stellt Isopublic beinahe wöchentlich in der Omnibus-Befragung, bei der zu mehreren Themen gefragt wird. Insgesamt wurden 3790 Stimmberechtigte in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz befragt. Der statistische Unschärfebereich liegt bei 1,6 Prozent.

raa/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt