Die grössten Erfolge und die bittersten Pleiten von Levrat

Zwölf Jahre Kampf an der Spitze der SP: So fällt die Bilanz von Christian Levrat aus.

In Levrats Amtszeit fallen historische Flops wie die letzte Parlamentswahl, aber auch der Sieg bei der Abstimmung zur Unternehmenssteuerreform. Foto: Keystone

In Levrats Amtszeit fallen historische Flops wie die letzte Parlamentswahl, aber auch der Sieg bei der Abstimmung zur Unternehmenssteuerreform. Foto: Keystone

Das sind Levrats grösste Triumphe

Die USR III gebodigt

Es war eine Ohrfeige für die Bürgerlichen: 60 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer stimmten im Februar 2017 gegen die Unternehmenssteuerreform III. Die SP und andere linke Parteien hatten mit einem Referendum verhindert, dass internationale Firmen weniger Steuern zahlen müssen. Christian Levrat wertete den Sieg im Schweizer Fernsehen als Zeichen gegen den «Machtrausch» und die «Selbstbedienungsmentalität» der bürgerlichen Mehrheit im Parlament. Auch Alt-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf hatte sich in den Abstimmungskampf eingemischt und sich kritisch zur USR III geäussert. Dass sie Bundesrätin wurde, nannte Levrat in Interviews selber als einen seiner grössten politischen Erfolge. Er erzielte ihn allerdings noch nicht in der Rolle des Parteipräsidenten.

Sich länger als eine Dekade gehalten

Ganze zwölf Jahre war Christian Levrat Präsident der Sozialdemokraten – viel länger als seine Vorgänger Hans-Jürg Fehr (vier Jahre), Christiane Brunner (vier Jahre), Ursula Koch (drei Jahre) und Peter Bodenmann (sieben Jahre). Der Gewerkschafts- sowie der wirtschaftsliberale Flügel bestätigten Christian Levrat immer wieder. «Du hast die SP zwölf Jahre geprägt, sie zusammengehalten und gleichzeitig erneuert», twitterte Nationalrat Fabian Molina, nachdem Levrats Rücktritt bekannt worden war. Noch länger an der Spitze der SP hielt sich in jüngerer Zeit nur Helmut Hubacher. Er stand den Genossen während sechzehn Jahren vor. Lesen Sie hier das grosse Amtszeiten-Ranking der Schweizer Parteipräsidenten.

Thema gefunden

Lange war es der SP und ihrer Jungpartei nicht gelungen, Themen für Volksinitiativen zu finden, mit denen sie an der Urne Mehrheiten gewinnen konnten: So wurde die Einführung einer Erbschaftssteuer ebenso abgelehnt wie eine höhere AHV, gerechtere Löhne (1:12-Initiative) ebenso wie Massnahmen gegen die Lebensmittelspekulation. Jetzt scheint die Partei aber ein Thema gefunden zu haben, das zieht: Krankenkassenprämien. Mehrere Kantone, die bei den Prämienverbilligungen sparten, werden ihre Praxis ändern, nachdem die SP vor dem Bundesgericht geklagt hat. Zudem sammelt sie Unterschriften für ihre Prämienentlastungsinitiative, nach der kein Haushalt über 10 Prozent seines Einkommens für Krankenkassenprämien ausgeben muss.

Das sind seine bittersten Niederlagen

Wähleranteil verloren

Der grösste Flop Levrats liegt erst drei Wochen zurück: Bei den eidgenössischen Wahlen vom 20. Oktober erzielte die SP das schlechteste Resultat ihrer Geschichte. Sie erreichte lediglich einen Wähleranteil von 16,8 Prozent. Bei Levrats Vorgänger Hans-Jürg Fehr lag er 2007 noch bei 19,5 Prozent. Bei den diesjährigen Wahlen hat die SP viele Sitze an die Grünen verloren, auch im Ständerat. In Neuenburg rang Céline Vara den Sozialdemokraten einen Sitz ab, in der Waadt gewann die Grüne Adèle Thorens auf Kosten der SP. Offenbar waren die Sozialdemokraten nicht auf die grüne Wucht der letzten Wahlen vorbereitet. Allerdings: In ganz Europa schrumpfen die roten Parteien, und unbeantwortet bleibt die Frage, ob die SP unter einem anderen Präsidenten oder einer anderen Präsidentin nicht noch mehr Wähleranteile verloren hätte. Lesen Sie hier die Analyse zu Levrats Rücktritt von Fabian Renz, Leiter Bundeshausredaktion

Stillstand bei der Altersvorsorge

Unter der Führung von Christian Levrat hat es die SP lange nicht geschafft, für ihre Wählerschaft Verbesserungen in der Altersvorsorge zu erreichen: Das grosse Reformprojekt von SP-Bundesrat Alain Berset, die Altersvorsorge 2020, wurde vor zwei Jahren an der Urne abgelehnt, ebenso die AHV-plus-Initiative, welche die SP unterstützte. Erst vor einem Jahr gelang es den Sozialdemokraten im Rahmen der AHV-Steuer-Vorlage, der Nachfolgevorlage der Unternehmenssteuerreform III, den Bürgerlichen eine Zusatzfinanzierung für die AHV abzuringen.

«Überwindung des Kapitalismus» im Parteiprogramm

Gegen den Willen von Christian Levrat steht heute im Parteiprogramm der SP, dass der Kapitalismus überwunden werden müsse. 2010, als die SP ihr neues Parteiprogramm diskutierte, stellten die Juso unter ihrem damaligen Präsidenten Cédric Wermuth den Antrag, diese Forderung wieder aufzunehmen. Mit Erfolg.


Lachen mit LevratKarikaturist Felix Schaad hat den abtretenden SP-Chef immer wieder aufs Korn genommen. Das sind seine schönsten Zeichnungen.

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