De Weck neuer SRG-Direktor: Die Reaktionen

Roger de Weck ist neuer Generaldirektor der SRG. Roger Schawinski, Peter Rothenbühler, Markus Gilli und andere Experten nehmen auf baz.ch/Newsnet Stellung zu dieser überraschenden Wahl.

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Roger de Weck ist der achte Generaldirektor seit der SRG-Gründung im Jahr 1931. Er ist nun Herr über 8 Fernsehprogramme, 18 Radiosender und 6100 Angestellte. Er verdient knapp 600'000 Franken im Jahr. Die SRG setzt jährlich rund 1,6 Milliarden Franken um.

Der 56-jährige de Weck wird als Nachfolger von Armin Walpen sein Amt am 1. Januar 2011 antreten. Er zählt zu den profiliertesten Journalisten und Publizisten der Schweiz. Der «Sternstunden»-Moderator de Weck war Chefredaktor von «Zeit» und «Tages-Anzeiger». Als de Weck 1997 seinen Rücktritt als «Tages-Anzeiger»-Chefredaktor bekannt gab, begründete er diesen Schritt auf der Frontseite der Zeitung mit dem Druck zum Sparen, der seiner Ansicht nach eine kritische Grenze erreicht hatte.

Gewaltige Herausforderungen

Bei der SRG warten auf den neuen Generaldirektor nun ebenfalls grosse Herausforderungen. So werden Fernsehen und Radio bis 2011 in einem Konvergenz-Projekt organisatorisch und publizistisch zusammengelegt.

Auch finanziell ist die Lage angespannt: Die SRG schloss 2009 erneut mit einem Defizit ab (46,7 Millionen Franken). Dabei schwindet das Eigenkapital, und die Schulden wachsen. Ebenfalls ins Haus steht eine Debatte über eine Erhöhung der Empfangsgebühren.

Überraschende Wahl

Roger de Wecks Wahl gilt als Überraschung. Der Publizist war im Vorfeld in den Medien nicht als möglicher Kandidat gehandelt worden. Als Favorit wurde im Vorfeld FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger herumgeboten. Er hat als CEO des Jean-Frey Verlags bewiesen, dass er ein defizitäres Medienunternehmen sanieren kann. Doch nun hat ihm wohl sein politisches Leben einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nach seinem Abgang beim Schweizer Fernsehen 2002 kritisierte Leutenegger die gebührenfinanzierte SRG und die Medienpolitik des Bundes vehement.

Der gewählte Roger De Weck wohnt in Zürich, ist verheiratet und Vater von vier erwachsenen Kindern. Er ist in Freiburg geboren worden und in Genf und Zürich zweisprachig aufgewachsen. De Weck hat an der Universität St. Gallen Wirtschaft studiert. Er ist Ehrendoktor der Universität Luzern.

«Ich freue mich auf die grosse Aufgabe»

«Wir sind überzeugt, mit Roger de Weck eine anerkannte, publizistisch versierte und integre Persönlichkeit gefunden zu haben. Dank seiner Affinität zu gesellschaftspolitischen Themen, seiner Herkunft in der Romandie und seiner breiten Vernetzung in Politik und Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft kann er unser Medienunternehmen ideal weiterbringen», sagte Jean-Bernard Münch, Verwaltungsratspräsident von SRG SSR.

«Ich freue mich auf die grosse Aufgabe, in die ich meine Erfahrungen aus unterschiedlichen Medien einbringen kann», erklärt Roger de Weck und fügt an: «Eine Verpflichtung, die ich mit Respekt annehme und der ich mit Sorgfalt gerecht werden will.»

bru

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