Das Schweizer Job-Wunder

Novartis, Swisscom oder die Swatch-Group schaffen zurzeit viele Arbeitsplätze. Doch niemand stellt gemäss einer Umfrage mehr Leute ein als der Staat: 500 Beamte – pro Monat.

Über 180'000 Beamte kümmern sich um die Geschäfte des Staates: Lichtprojektion auf dem Bundeshaus in Bern. (16. Oktober 2013)

Über 180'000 Beamte kümmern sich um die Geschäfte des Staates: Lichtprojektion auf dem Bundeshaus in Bern. (16. Oktober 2013)

(Bild: Keystone)

Wo werden in der Schweiz am meisten Arbeitsplätze geschaffen? Die Zeitung «Schweiz am Sonntag» hat bei den 50 grössten Arbeitgebern nachgefragt. Unter den Privatfirmen sind Novartis, Swisscom und die Swatch Group die grössten Job-Macher (je über 1000 neue Stellen). Und sie alle kündigen in der Umfrage an, auch 2014 neue Stellen aufzubauen.

Insgesamt kommt aber keiner der grössten privaten Arbeitgeber auch nur annähernd an die Job-Maschine Nummer 1 heran: Den Staat. Die Zahl der Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung stieg zwischen 2009 und 2013 von 158'200 auf 183'300, wie aus der Beschäftigungsstatistik des Bundes hervorgeht, aus der die «Schweiz am Sonntag» zitiert.

Zwei Departemente wachsen besonders stark

In der Zahl inbegriffen sind einzig Verwaltungsstellen bei Bund, Kantonen und Gemeinden – nicht aber Berufe wie Lehrer oder Ärzte, die ebenfalls im öffentlichen Dienst stehen. Der Zuwachs innerhalb von vier Jahren beträgt 25'100 Stellen, mit anderen Worten: Pro Monat gibt es in der Schweiz 523 neue Beamtenstellen.

Die staatliche Verwaltung beschäftigt inzwischen dreimal so viele Mitarbeiter wie der grösste private Arbeitgeber, die Migros (sie hat 64'000 Vollzeitstellen, 375 weniger als im Vorjahr). Besonders stark angewachsen ist die Bundesverwaltung, insbesondere das Aussendepartement von Bundesrat Didier Burkhalter und das Verkehrs- und Umweltdepartement von Doris Leuthard.

Kritik von FDP-Müller

Eine Analyse der Budgets 2014 von Bund, Kanton und grossen Gemeinden zeigt: Das Stellenwachstum geht ungebremst weiter. Budgetiert sind rund 2500 neue Stellen, in der Vergangenheit war der effektive Ausbau dann aber rund doppelt so stark wie geplant. FDP-Präsident Philipp Müller kritisiert in der «Schweiz am Sonntag» diese Entwicklung: «Die Zunahme der Arbeitsplätze in der Schweiz findet leider überdurchschnittlich deutlich in unproduktiven Bereichen statt.»

Die grosse Mehrheit der Privatunternehmen gibt in der Job-Umfrage an, 2014 die Stellenzahl stabil zu halten oder leicht zu erhöhen. Mit einem Abbau wird hingegen bei Alstom, CS und UBS, Clariant, Lonza, Johnson & Johnson, Rieter, Arbonia Forster und Valora gerechnet.

mrs

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt