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1.-August-Reden: Launige «lahme Ente»

Bei ihren 1.-August-Ansprachen waren die Bundesräte in unterschiedlicher Form. Leuenberger zeigte sich bekannt gewandt, Leuthard und Burkhalter hingegen gaben sich sehr, sehr seriös.

Diplomatie als Balanceakt: Seiltänzer David Dimitri auf dem Hochseil bei der Schweizerischen Botschaft in Berlin.
Diplomatie als Balanceakt: Seiltänzer David Dimitri auf dem Hochseil bei der Schweizerischen Botschaft in Berlin.
Keystone
Jan Bühlmann, amtierender Mister Schweiz, spricht am 1. August 2010 auf dem Rütli.
Jan Bühlmann, amtierender Mister Schweiz, spricht am 1. August 2010 auf dem Rütli.
Keystone
Lockte 120'000 Zuschauer an: Feuerwerk in Basel am Samstagabend.
Lockte 120'000 Zuschauer an: Feuerwerk in Basel am Samstagabend.
Keystone
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Zum ersten Mal seit seiner Rücktrittsankündigung hat Bundesrat Moritz Leuenberger in der Öffentlichkeit eine Rede gehalten. Die «lahme Ente» genoss den Auftritt am 1. August in Uster sichtlich. Für ihn sei dies ein besonderer Moment, wie er selber sagte.

Er sei jetzt ein künftiger Alt-Bundesrat, eine «lahme Ente», sagte er. Als «lame duck» bezeichnet man Politiker, die ihren Rücktritt bereits erklärt haben, aber noch eine Weile im Amt bleiben - wie Leuenberger, der seinen Posten erst Ende 2010 räumen wird.

Statt lahm präsentierte sich Leuenberger aber gelöst und entspannt, als erklärter Bundesrat der Städter und Agglomerationsbewohner. In seiner Rede warnte Leuenberger etwa davor, die Symbole der Schweiz wie etwa das Landleben oder die Alpen, zu Heile-Welt-Klischees verkommen zu lassen.

«Schweizer Fernsehen vernachlässigt die Städte»

Direkte Kritik äusserte der Noch-Medienminister dabei am Schweizer Fernsehen, das die ländlichen Regionen seiner Meinung nach überproportional häufig zeigt und die Städte und Agglomerationen vernachlässigt.

Von der Begründung der SRG, dass die Städter am Abend lieber ein Trachtenmädchen anschauen würden statt den Stau am Gubrist, hält Leuenberger wenig. «Wir dürfen nicht vergessen, dass drei von vier Schweizern in Städten und Agglomerationen leben.»

Auch in der Politik ortet Leuenberger ein Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land, beispielsweise in der Verkehrspolitik. Die grössten Verkehrsbelastungen habe man nicht etwa am Gotthard, sondern in den Städten, sagte er.

Bevor man wegen des Sommerferien-Verkehrs wieder über eine zweite Röhre am Gotthard rede, solle man nun lieber diskutieren, wie der tägliche Stau in den Agglomerationen bewältigt werden könne.

«Bilateraler Weg neigt sich dem Ende zu»

In seiner Rede kritisierte er weitere Schweizer Mythen, so etwa das Bankgeheimnis, das von dessen Befürwortern zu einem festen Bestandteil der Schweizer Volksseele hochstilisiert worden sei. «Doch nun ist das Bankgeheimnis weg und unsere Seele immer noch da.»

Auch bei der Unabhängigkeit müsse man aufpassen, dass diese nicht zum Klischee verkomme. «Wir sind nicht unabhängig. Wir sind abhängig vom Geschehen auf der ganzen Welt.» Dazu gehöre auch die EU, für Leuenberger «eine friedliche Nachbarin».

Der bilaterale Weg mit dieser Nachbarin neige sich aber dem Ende zu. «Die Schweiz würde gut daran tun, die Augen davor nicht zu lange zu verschliessen», sagte er. Sonst ende das wie beim Bankgeheimnis, wo die Schweiz am Schluss klein aus der Wäsche geschaut habe.

Leuthard: «Machen Sie nicht die Faust im Sack»

Auch andere führende Politikerinnen und Politiker zu Wort gemeldet. Bundespräsidentin Doris Leuthard forderte in ihrer Radio- und TV- Ansprache eine Zukunftsdebatte, um weiter auf die Schweiz stolz sein zu können.

«Was sind Errungenschaften, die wir erhalten oder gar ausbauen müssen, was sind neue Projekte? Was ist unsere Rolle in der sich verändernden Welt, was unser Beitrag dazu?», fragte Leuthard. «Wie soll unser Verhältnis zu unseren europäischen Nachbarn aussehen? Wo soll die Schweiz in zehn Jahren stehen?»

Alle seien herzlich einladen, diese Debatte über Fragen einer ferneren Zukunft heute zu beginnen. «Der 1. August eignet sich besonders dafür», erklärte die Bundespräsidentin. Sie reiste am 1. August via Gotthard-Pass in den Süden nach Caslano am Luganersee, wo sie ebenfalls als Rednerin zu Gast war.

Widmer-Schlumpf: Viele Fragen aufgeworfen

Auch Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf will die Bevölkerung zur Debatte über die Zukunft des Landes anregen. In ihrer Ansprache am Samstag in Grimentz VS warf sie deshalb bewusst viele Fragen auf, ohne sie zu beantworten. Thema war die Europa-Frage. Am Sonntag rückte sie in Eiken AG vor Sans-Papiers das Thema Ausländer in der Schweiz ins Zentrum ihrer Rede.

Calmy-Rey: Schweiz darf nicht naiv sein

Bundesrätin Calmy-Rey plädierte am Sonntag in Turtmann VS für eine Öffnung gegen Aussen. Eine warme Ofenbank zu Hause schütze nicht vor den internationalen Entwicklungen. Die Schweiz dürfe in ihren Entscheiden nicht naiv sein, sie würde sonst teuer dafür bezahlen.

Burkhalter: Auf Kunst des Konsens' besinnen

Bundesrat Didier Burkhalter rief am Sonntag die Schweiz bei einem Buure-Zmorge in Posieux FR dazu auf, sich wieder auf die Kunst des Konsens' zu besinnen. «Es ist vor allem das politische Klima und die Wichtigkeit, die man dem Wert Respekt beimisst, die es erlauben, die Kollegialität zu stärken und den Konsens zu finden.»

Merz: Mit der Umwelt sorgsam umgehen

Bundesrat Hans-Rudolf Merz rief in seiner via Internet verbreiteten Rede auf, die Schweiz und ihre Errungenschaften zu feiern. Seine Botschaft laute, die Folgen des eigenen Handelns im Guten wie im Schlechten selber zu tragen, mit der Umwelt sorgsam umzugehen und solidarisch zu sein mit jenen, die unverschuldet in Not kämen.

Stars ohne Starallüren

Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer wählte das Thema Generationen für ihre Reden in Rorschach SG, Baden AG und Engelberg OW. Sie wolle «das Verständnis zwischen den Generationen konsequenter fördern». Jedes Unternehmen wisse, wie wichtig es sei, Knowhow weiterzugeben. «Auch in der Politik sollte man sich von Zeit zu Zeit daran erinnern», mahnte Bruderer.

Sie beantwortete am Sonntag ausserdem mit Ständeratspräsidentin Erika Forster im Bundeshaus eine Stunde lang Fragen aus der Bevölkerung. Die beiden Politikerinnen wurden dabei zu aktuellen Themen befragt und wie Stars behandelt - zeigten dabei aber keinerlei Starallüren.

Ungestört und bei Bilderbuchwetter ging am Sonntag die Bundesfeier auf der «Wiege der Eidgenossenschaft», dem Rütli, über die Bühne. 1200 Personen fanden sich ein, um die Rede von Mister Schweiz Jan Bühlmann zu hören. Er forderte die Anwesenden auf, mehr auf ihre Träume zu hören.

Warnung vor EU-Beitritt

Zahlreiche National- und Ständeräte hielten am Samstag und Sonntag Festansprachen. In Autigny FR stellte CVP-Präsident Christophe Darbellay fest, die Schweiz bringe zu wenig Kinder hervor. Kinder seien «das Fundament unseres Landes und Versprechen für die Zukunft».

Sein Parteikollege und CVP-Fraktionspräsident Urs Schwaller bezeichnete am Samstag in Courtepin FR die Anwesenheit von Ausländern in der Schweiz als eine Chance, zu erkennen, dass nur eine weltoffene Schweiz international attraktiv und konkurrenzfähig bleibe.

Via Inserate und Internet wandte sich die SVP an die Schweiz und warnte vor einem EU-Beitritt. Ein solcher würde die schweizerischen Staatssäulen niederreissen, zeigte sich Alt-Bundesrat Christoph Blocher überzeugt. Toni Brunner fordert die Klärung der EU-Frage via Volksentscheid. Er tritt am Sonntag in Campo Blenio TI und Samedan GR auf.

SDA/sam

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