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16 Jahre für McDonald's-Schütze

«Frustriert, wütend und nervös»: Weil ein Syrer tief in den Schulden steckte, überfiel er 2011 eine Bieler McDonald's-Filiale. Die Situation eskalierte. Der Mann wurde nun wegen versuchten Mordes verurteilt.

Die Schiesserei ereignete sich am 28. November 2011 in der Nidaugasse in Biel.
Die Schiesserei ereignete sich am 28. November 2011 in der Nidaugasse in Biel.
Jon Mettler
Zahlreiche Schaulustige fanden sich ein.
Zahlreiche Schaulustige fanden sich ein.
Jon Mettler
Die McDonalds-Filiale an der Nidaugasse wurde von der Polizei abgesperrt.
Die McDonalds-Filiale an der Nidaugasse wurde von der Polizei abgesperrt.
Jon Mettler
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Der Mann, der im November 2011 in einem Bieler Fastfood-Lokal zwei Angestellte niederschoss, ist zu einer 16-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Sie wird zugunsten einer stationären, therapeutischen Massnahme aufgeschoben.

Das Regionalgericht Biel sprach den heute 45-jährigen Syrer unter anderem des versuchten, mehrfachen Mordes schuldig. Der Täter habe aus Habgier gehandelt. Doch für das Gericht viel wichtiger sei die extreme Geringschätzung des Lebens anderer, die der Mann an den Tag gelegt habe, führte der Gerichtspräsident zur Begründung des Urteils aus.

«Schweres Unheil hereingebrochen»

Beide Opfer hätten massive Beeinträchtigungen zu gewärtigen. Eines von ihnen ist tetragelähmt und wird zeitlebens auf umfassende Hilfe angewiesen sein. «Über die Opfer ist ein schweres Unheil hereingebrochen», führte der Gerichtspräsident aus. Dass es an jenem Tag nicht zwei Tote gab, sei ein Wunder.

Mit seinem Urteil liegt das Gericht tendenziell auf der Linie der Staatsanwaltschaft, die auf versuchten Mord plädierte und eine Freiheitsstrafe von 19 Jahren mit vorgängiger stationärer Massnahme gefordert hatte.

Die Verteidigung hatte auf einen Schuldspruch wegen qualifizierten Raubs plädiert und eine Freiheitsstrafe von 8 Jahren mit ambulanter Therapie gefordert.

Tötungsgedanken

Der Syrer kam vor gut zehn Jahren in die Schweiz. Er arbeitete in verschiedensten Jobs, so etwa auch bei der Fastfood-Kette McDonald's. Es gelang ihm aber nicht, beruflich wirklich Fuss zu Fassen. An dieser Situation sei der Mann teilweise selber schuld, befand das Gericht.

Zudem litt der Mann unter psychischen Problemen und hatte Tötungsphantasien. 2009 begab er sich deswegen zum örtlichen psychiatrischen Dienst. Dort wurde er ambulant therapiert. Nach zehn Arztbesuchen brach der Mann die Therapie ab.

Dass der Syrer lediglich ambulant therapiert worden sei, möge angehen. Doch dass der psychiatrische Dienst sich beim Abbruch der Therapie nicht bei dem Mann meldete oder eine Gefährdungsmeldung machte, sei befremdlich, betonte der Gerichtspräsident. Aus seinen Akten sei jedenfalls keine entsprechende Intervention ersichtlich.

Frustriert und wütend

Zwei Jahre später, also 2011, habe er wieder keine Arbeit, dafür aber überall Schulden gehabt, erzählte der Angeklagte vor Gericht. In dieser Zeit war der Mann sehr frustriert, wütend und nervös. Er habe stets eine Waffe bei sich getragen und nur darauf gewartet, von jemandem provoziert zu werden, um abzudrücken.

In dieser Zeit kam ihm auch der Gedanke gekommen das Fastfood-Lokal in der Bieler Innenstadt zu überfallen. Von seiner früheren Arbeit bei McDonald's wusste er, dass und wann dort Geld aufbewahrt werde.

«Reflex» und «Unfall»

Ein erster Raubversuch scheiterte, weil das Lokal bereits geschlossen hatte, als der Syrer dort auftauchte. Am folgenden Morgen schritt er erneut zur Tat. Doch in dem Lokal lief es nach Empfinden des Täters nicht nach Wunsch.

Der Chef des Restaurants habe versucht, Zeit zu schinden und ihn bis zum Eintreffen der Polizei hinzuhalten, erzählte der Täter vor Gericht. Da habe ihn Wut gepackt und er habe auf den Mann absichtlich geschossen. Der Chef hätte nicht so viel reden brauchen und einfach das Geld aushändigen.

Dass er dann auch noch auf eine andere Angestellte schoss, stellte der Mann als «Reflex» und «Unfall» dar.

Erhöhte Rückfallgefahr

Das Gericht hingegen sah es als gegeben an, dass der Täter aus der gleichen Gemüts- und Geisteshaltung heraus agiert hatte. Nach den Schüssen floh der Täter ohne Beute. Einige Stunden später wurde er von der Polizei gestellt. Er gestand die Tat.

Nach der Tat hätten sich seine Inneren Spannungen gelöst, sagte er später einem psychiatrischen Gutachter. Der Syrer habe exrem egoistisch gehandelt, urteilte das Gericht. Er habe seinen Frust abreagieren wollen, indem er jemanden erschiesst.

Neben der Freiheitsstrafe sprach das Gericht eine stationäre Massnahme aus. Psychiatrische Gutachten kamen zum Schluss, dass bei dem Mann eine bedeutende Gefahr für neue Straftaten besteht. So hatte er beispielsweise in Haft wieder Tötungsabsichten geäussert. Der Mann leidet laut Gutachten an einer Psychose und war zur Tatzeit mittelgradig in seiner Steuerungsfähigkeit beinträchtigt.

SDA/cla/bru

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