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Nur noch einmal schlafen

Morgen wählt die Vereinigte Bundesversammlung den neuen Bundesrat.

Volles Haus: Die Bundesratswahlen sind immer auch mediale Höhepunkte.
Volles Haus: Die Bundesratswahlen sind immer auch mediale Höhepunkte.
Keystone

Morgen ist es also so weit: Um acht Uhr morgens wird Nationalratspräsident Jürg Stahl die Sitzung eröffnen und damit auch den Startschuss für die lange erwartete Bundesratswahl geben. Es werden sich dann auch schon die Ständeräte im Nationalratssaal eingefunden haben. Die Vereinigte Bundesversammlung mit ihren 246 Mitglieder steht bereit, um die Nachfolge des scheidenden Bundesrats Didier Burkhalter zu bestimmen.

An diesem Mittwochmorgen werden nicht nur die Parlamentariersitze so gut besetzt sein, wie sonst selten während der Session; auch die zwei Pressetribünen links und rechts des Präsidentenpults werden bis auf den letzten Sitz voll sein. Die Platzverhältnisse auf den Medientribünen sind bei solchen Gelegenheiten dermassen beengt, dass selbst die ständig akkreditieren Bundeshausjournalisten sich vorgängig in eine Reservationsliste eintragen müssen, um dann auch wirklich live vor Ort sein zu können.

Die gleich zu Beginn des Morgens von Jürg Stahl gehaltene Laudatio auf den abtretenden Bundesrat Burkhalter wird sicher auch von so manchem FDP-Parteimitglied oder -Sympathisanten auf den Bildschirmen im Restaurant zum Äusseren Stand in Bern verfolgt werden. Die FDP hat dort für morgen ein Public Viewing organisiert, der Eintritt ist frei, frühes Erscheinen wird gemäss Einladung empfohlen. Auch auf der gegenüberliegenden Seite der Berner Altstadt rechnet man mit gehörig Volk.

Nachdem Nationalratspräsident Stahl seine Laudatio beendet hat, wird der darin adressierte Didier Burkhalter selbst ein letztes Mal als Bundesrat ans Rednerpult schreiten und sich mit einigen Worten an die Vereinigte Bundesversammlung, die versammelten Pressevertreter und das Volk wenden.

Heimische Unterstützung

Den Ausführungen werden sicher auch die Gäste auf der vollen Zuschauertribüne lauschen. Zu diesen gehören unter anderen jene Glücklichen, die bei einer vorgängig durchgeführten Verlosung, die vom Generalsekretär der Bundesversammlung, Philippe Schwab, durchgeführt wurde, noch Plätze ergattern konnten. Die Chancen stehen dabei gut, dass diese morgen neben dem einen oder anderen Angehörigen der drei offiziellen Bundesratskandidaten sitzen werden.

Ob auch die angekündigten Vertreter des Kantons Tessin und von Genf auf den Tribünen des Nationalratssaal Platz nehmen werden, ist nicht bekannt. Sicher ist jedoch, dass das Tessin mit einer grossen Delegation in Bern zugegen sein wird: Angeführt von Regierungspräsident Manuele Bertoli und vom Grossratspräsidenten Walter Gianora werden sie ihrem Bundesratskandidaten Ignazio Cassis auf diesem Wege ihre Unterstützung zukommen lassen.

Doch auch die Abordnung aus Genf kann sich sehen lassen: Morgen reist gleich die gesamte Kantonsregierung sowie der Genfer Stadtpräsident an, um den Bundesratskandidaten Pierre Maudet zu unterstützen. Sukkurs hat der ambitionierte Aussenseiter Maudet sicher nötig, nachdem er sich letzte Woche offenbar eher mittelmässig durch die Hearings redete. Heute Abend hat er – wie Isabelle Moret und Ignazio Cassis auch – bei den noch ausstehenden Hearings der SP, der GLP und der BDP nochmals Gelegenheit, die eine oder andere noch unentschlossene Stimme für sich zu gewinnen.

Wie es um die Wahlchancen steht, werden die drei Kandidaten am Mittwochmorgen nach den Voten der Parteipräsidenten ein letztes Mal abschätzen können. Diese geben nach der Verabschiedung von Didier Burkhalter nacheinander noch die Wahlempfehlungen ihrer Parteien ab.

Munteres Rätselraten

Im Anschluss schreitet die Vereinigte Bundesversammlung dann endlich zur Wahl. Der neue Bundesrat muss mit dem absoluten Mehr der abgegebenen und gültigen Stimmen gewählt werden. Stimmen alle der 246 versammelten Parlamentarier und stimmten sie korrekt, wäre man also mit 124 Stimmen Bundesrat.

Im ersten Wahlgang werden eventuell noch Sprengkandidaten Stimmen erhalten. Nach dem zweiten Wahlgang werden sodann all jene Namen ausgesondert, die weniger als zehn Stimmen erhalten haben, nach dem dritten dann der- oder diejenige mit der geringsten Stimmenanzahl.

Im Bundeshaus spekulieren auch die Parlamentarier munter weiter. So zum Beispiel auch der Zürcher SVP-Nationalrat Hans Egloff, der dazu gar eine vertiefte Analyse vornahm: Er druckte dazu den Sitzplan beider Kammern mit den Köpfen aller Parlamentsmitgliedern aus und ordnete diese unter deren vermuteten, persönlichen Wahlmotiven den drei FDP-Kandidaten zu. Wählt dieser oder jener Innerschweizer die Waadtländerin Moret, weil sich damit seine persönlichen Wahlchancen bei der nächsten Bundesratswahl erhöhen? Wählt jene Ostschweizerin Cassis, weil damit die Ansprüche der Ostschweiz und an eine Frau gestärkt werden?

Egloffs Prognose ist klar: Ignazio Cassis wird morgen gewählt, voraussichtlich im dritten Wahlgang. Eventuell könnte es der Tessiner sogar schon im zweiten Wahlgang schaffen, prognostiziert Egloff, der im privaten Umfeld eine gute Flasche Wein auf Cassis verwettet hat. Na dann: Prost!

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