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Maudet hantierte mit Operationsroboter

Der Genfer Staatsrat Pierre Maudet hat bei einer Operation offenbar einen Roboter gesteuert. Die Universitätsspitäler haben die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Chirurg Philippe Morel hat Pierre Maudet offenbar den Operationsroboter Da Vinci vorgeführt.
Chirurg Philippe Morel hat Pierre Maudet offenbar den Operationsroboter Da Vinci vorgeführt.
Keystone

Wegen seiner Luxusreise nach Abu Dhabi wirft die Staatsanwaltschaft dem Genfer Staatsrat Pierre Maudet (FDP) Vorteilsannahme vor. Letzte Woche wurde der entmachtete Staatsrat ein erstes Mal einvernommen. 10 Stunden dauerte die Befragung. In den kommenden Tagen wird Maudet ein nächstes Mal aufgeboten.

In der Causa Maudet liegt nun bereits das nächste Dossier bei der Staatsanwaltschaft. Der 40-Jährige tauchte gemäss Recherchen des Radiosenders Radio Lac am 24. September in einem Operationssaal der Genfer Universitätsspitäler (HUG) auf. Eingeladen hatte ihn der Viszeralchirurg Philippe Morel, ein Parteikollege von Maudet. Dieser war bei Maudets Besuch gerade damit beschäftigt, einer Patientin in einer 10 Stunden dauernden Operation einen Tumor zu entfernen. Der Chirurg bestätigte Maudets Anwesenheit am Dienstagmorgen in einem Kurzinterview mit Radio Lac.

Nicht klar ist, was Maudet bei seiner Visite genau tat. Sicher durfte er den Roboter namens Da Vinci bedienen. Chirurg Morel hatte ihn an die Assistentenkonsole beordert. Unklar ist, ob Politiker Maudet dabei auch den Körper der Patientin berührte. Morel verneint dies und betont, er habe stets die Kontrolle über die Operation gehabt. Auch die Klinikverantwortlichen sagen zum Fernsehsender RTS, Maudet habe «das Gewebe der Patientin nicht berührt».

Doch hat Radio LacKenntnis, dass Mitarbeiter auch anderslautende Aussagen machten und Maudet also am Körper der Frau hantiert haben soll. Auch habe die Patientin nichts von Maudets Visite gewusst, also keine Einwilligung gegeben.

Nach Maudets Besuch informierten Mitarbeiter die Leitung der Universitätskliniken und meldeten «ein schwerwiegendes Ereignis». Eine interne Untersuchung wurde eingeleitet. Der Bericht liegt seit Montag vor und bestätigt offenbar wesentliche Fakten. Die Klinikverantwortlichen haben bei der Kantonalen Kommission zur Aufsicht über die Gesundheitsberufe und die Patientenrechte Anzeige erstattet und den Fall auch Generalstaatsanwalt Olivier Jornot gemeldet. Maudets Sprecher wies die Vorwürfe zurück. Der Regierungsrat sei lediglich «Zuschauer» gewesen und habe den Roboter «im Leeren» bedient, sagt das Departement zu RTS. Auf Anfrage dieser Zeitung heisst es, die als problematisch gemeldeten Elemente beträfen nicht Maudet.

Chirurg wittert eine Intrige

Chirurg Morel spricht von einer «Intrige» und droht mit einer Strafklage. Er kennt den internen Untersuchungsbericht nicht. Morel sagt: Er empfange öfters Besucher, auch Politiker, um ihnen neuste Innovationen in der Medizinaltechnik zu zeigen. Er wolle verdeutlichen, wie nützlich Anschaffungen seien und dass sie nicht als Spielzeuge dienten. Maudet sei in diesem Jahr schon der 28. derartige Besucher gewesen, so Morel. Er kritisiert: Maudet werde offensichtlich nicht wie jeder andere seiner Besucher behandelt.

Die Leitung der Unispitäler hat von Maudets Besuch offenbar gewusst. Sprecher Nicolas de Saussure bestätigte gegenüber Radio Lac, man habe den Besuch unter der Voraussetzung bewilligt, dass die Patientin über die Anwesenheit informiert und damit einverstanden sei. Das sei nicht der Fall gewesen, sagen die Verantwortlichen zu RTS. Chirurg Morel macht dazu widersprüchliche Aussagen. Für ihn ist wichtig: «Der Tumor ist beseitigt. Der Patientin geht es sehr gut.»

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