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Imam-Kritiker geben nicht auf

Der Streit um die Einbürgerung des Wiler Imam geht in eine neue Runde.

Frage der Gesinnung. Skeptiker fordern eine kritische Prüfung von Bekim Alimis Einbürgerungsgesuch.
Frage der Gesinnung. Skeptiker fordern eine kritische Prüfung von Bekim Alimis Einbürgerungsgesuch.
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An Bekim Alimi scheiden sich in Wil die Geister. Die einen finden, der Imam mit mazedonischen Wurzeln sei genügend integriert, um die Schweizer Staatsbürgerschaft zu erhalten. Die anderen, eine Minderheit, bezweifeln dies und wehrten sich gegen die Einbürgerung des Imams. Sie werfen ihm unter anderem Kontakt zu einem radikalen Prediger vor sowie die Mitgliedschaft bei der Muslimbruderschaft. In der ersten Einbürgerungsrunde obsiegte die Mehrheit: Im April erteilte das Wiler Stadtparlament Alimi das Gemeindebürgerrecht. Nun liegt das Gesuch des Imams beim Kanton zur Prüfung und die Skeptiker fordern, dass die kantonalen Behörden kritischer hinschauen.

Dafür kämpfen an vorderster Front die grünliberale Stadtparlamentarierin Erika Häusermann und die ehemalige grüne Stadtparlamentarierin Verena Gysling. «Bei einem Imam, der viel Einfluss auf seine religiöse Gemeinde hat, reicht es nicht, dass bei Polizei und Nachrichtendienst nichts gegen ihn vorliegt», sagt Häusermann. «Bei einem Imam ist es zentral, ob er unsere Werte akzeptiert und unterstützt.»

Dass sie daran zweifeln, daraus machen die beiden Frauen keinen Hehl. Laut ihnen gibt sich Alimi nur vordergründig liberal und predigt in der Moschee einen rückwärtsgewandten, frauenfeindlichen Islam. Sie wandten sich deshalb an den zuständigen Regierungsrat Martin Klöti (FDP), um ihm Unterlagen zu übergeben, die ihrer Ansicht nach für die Beurteilung von Alimis Einbürgerung relevant sind. Klöti habe jedoch die Annahme und Prüfung der Unterlagen verweigert, so Häusermann. «Und dies, obwohl im kantonalen Einbürgerungsgesetz klar vorgesehen ist, dass die Behörden auch bei Dritten Informationen über Einbürgerungswillige einholen können.» Klöti war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sein Sprecher erklärte, man nehme zu einem laufenden Verfahren keine Stellung. Die gesetzlich festgelegten Integrationskriterien seien auch von Einbürgerungsbewerberinnen und -bewerbern islamischen Glaubens zu erfüllen.

Beim Kanton abgeblitzt

Weil sie beim Regierungsrat abgeblitzt sind, haben die beiden Frauen gestern einen offenen Brief an die Einbürgerungsbehörde des Kantons St. Gallen publiziert. Darin fordern sie Antworten auf Fragen wie jene, ob die Regierung bereit sei, Hinweisen nachzugehen, wonach Alimi weder Frauenrechte noch die Religionsfreiheit von Muslimen respektiere. Auch wollen sie wissen, ob der «traditionelle Islam» nach Ansicht der Behörden mit der schweizerischen Bundesverfassung vereinbar sei. Der Imam habe in einem Interview mit der Online-Zeitung Islam. ch erklärt, er versuche, in Wil eine traditionelle Moschee nach dem Vorbild des Propheten zu unterhalten. «Laut der Islam-Expertin Saïda Keller-Messahli ist dies mit einem politischen und salafistischen Islam gleichzusetzen», so Häusermann.

Auch in der muslimischen Gemeinde von Wil gibt es jedoch Personen, die dem Imam kritisch gegenüberstehen, wie die BaZ bereits berichtete. Alimi, heisst es, habe zwei Gesichter: Was er gegenüber den Schweizer Behörden oder den Vertretern der Kirche erzähle, habe nichts mit dem zu tun, was er innerhalb der Gemeinschaft sage. Dem pflichtet Verena Gysling bei. Sie half einem Mädchen, sich ins Frauenhaus zu flüchten, nachdem der Imam dem Vater geraten haben soll, die Tochter zu verstossen. Das Mädchen hatte einen andersgläubigen Freund und weigerte sich, sich in der alten Heimat von ihrer Familie verheiraten zu lassen.

Aus diesen Gründen hatten Gysling und Häusermann bereits vor der Behandlung von Alimis Einbürgerungsgesuch durch das Wiler Parlament einen offenen Brief geschrieben – damals an die Adresse des Imams. Sie stellten ihm zwölf Fragen, die die Wiler Behörden ihrer Meinung nach zu wenig abgeklärt hatten. Sie wollten von Alimi unter anderem wissen, ob muslimische Mädchen am gemischten Schwimmunterricht teilnehmen dürfen, ob homosexuelle Muslime toleriert würden, ob ein Mann seine Frau schlagen dürfe, falls sie ihm nicht gehorcht, oder ob ein Muslim eine Nicht-Muslima heiraten dürfe.

Übersetzung für Muslime

In seiner Stellungnahme schrieb der Imam, die Fragen seien demütigend und zeugten von einer negativen Grundeinstellung, einer Schuldvermutung ihm gegenüber. Er beantwortete die Fragen dann doch, «um meinem guten Willen Ausdruck zu verleihen und den Prozess möglichst einfach zu gestalten», wie er schrieb. In seinen Antworten sprach sich Alimi für die Selbstbestimmung der Frauen, für die Homosexualität und für die Religionsfreiheit aus. Letztere sei ein wichtiger Bestandteil des islamischen Glaubens. Daraufhin forderte Verena Gysling den Imam dazu auf, seine Antworten ins Albanische zu übersetzen und in seiner Gemeinde zu veröffentlichen. «Weil wir danach lange nichts mehr gehört haben, liessen wir den Text auf eigene Faust übersetzen», so Häusermann.

Bekim Alimi sagte gestern auf Anfrage, er sei mit dem Vorgehen einverstanden. Aufgrund des Fastenmonats Ramadan habe er erst kürzlich über den von ihm präsidierten Dachverband islamischer Gemeinden der Ostschweiz (Digo) beim Verein Arge Integration Ostschweiz eine Offerte einholen können. Arge bietet unter anderem Deutsch- und Integrationskurse im Auftrag des Kantons St. Gallen sowie Dolmetscherdienste an.

«Erst wollten wir uns für die Übersetzung ebenfalls an Arge wenden», sagt Häusermann. «Als wir gesehen haben, dass die Vizepräsidentin des Digo dort tätig ist, haben wir uns für ein neutrales Zürcher Übersetzungsbüro entschieden.» Den Text wollen die beiden Frauen nun möglichst bald in der muslimischen Gemeinde von Wil verteilen.

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