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Homosexuelle dürfen nur bei Sex-Verzicht Blut spenden

«Absurd», findet Ständerat und Betroffener Claude Janiak die Enthaltsamkeits-Regel für Schwule beim Blut spenden.

Ein Mann spendet Blut im Spendezentrum Bern. (Archivbild)
Ein Mann spendet Blut im Spendezentrum Bern. (Archivbild)
Valérie Chételat

«Trifft folgende Risikosituation auf Sie zu? Sexueller Kontakt unter Männern in den letzten zwölf Monaten.» – Seit Juli findet sich dieser Punkt auf dem Blutspende-Fragebogen. Bis dahin waren Männer, die Sex mit Männern hatten, lebenslänglich von der Blutspende ausgeschlossen, da sie als HIV-Risikogruppe galten.

Was dies für Betroffene bedeutet, bezeugte Claude Janiak (SP/BL) heute im Ständerat. Er lebe seit zehn Jahren in eingetragener Partnerschaft, aber «nicht in klösterlichen Verhältnissen». Trotz dem Wunsch zu spenden, werde ihm dies derzeit vorenthalten – obwohl seine Blutgruppe zu den am meisten Gesuchten gehört. «Erlauben Sie mir zu sagen, dass ich das ziemlich absurd finde», sagt Janiak.

Trotz diesem Votum folgte der Ständerat dem Nationalrat nicht und lehnte eine Motion ab, die eine Gesetzesänderung anstrebte, welche den Homosexuellen den Zugang zur Blutspende weiter erleichtert hätte.

Bundesrat will Diskriminierungen verhindern

Der Sprecher der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit, Konrad Graber (CVP/LU), wies darauf hin, dass die Motion zu einem Zeitpunkt eingereicht worden sei, in dem Homosexuelle noch ganz von der Blutspende ausgeschlossen gewesen seien. Seither habe das Heilmittelinstitut Swissmedic den Homosexuellen den Zugang zur Spende unter Bedingungen ermöglich. Derzeit sei deshalb das Risikoverhalten und nicht die sexuelle Orientierung entscheidend für eine Blutspende, erklärte Graber. Da zudem eine Arbeitsgruppe die Zulassungskriterien verfeinere, sei die Motion abzulehnen.

In der Kommission war einzig Liliane Maury Pasquier (SP/GE) anderer Meinung: Die aktuelle Situation bleibe diskriminierend. Denn Sex unter Männern in stabiler Partnerschaft stelle kein Risikoverhalten dar, führe aber trotzdem zum Ausschluss.

Der Bundesrat sprach sich ebenfalls gegen die Motion aus. Laut dem Gesundheitsminister Alain Berset unterstützt er jedoch eine Lockerung, sofern die Sicherheit der Blut-Empfängerinnen und -Empfänger gewährleistet ist. Dafür brauche es aber keine Gesetzesänderung, wie die Motion sie verlangte. Berset forderte das Schweizerische Rote Kreuz auf, die Ausschlusskriterien weiter zu verfeinern, um allfällige Diskriminierungen zu beseitigen.

Der abstinente Mann existiert nicht

Die BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti, die zusammen mit der Fraktion die Motion eingereicht hat, bedauert den Entscheid des Ständerats. Trotzdem habe die Motion zur Lockerung der Regelung für homosexuelle Blutspender beigetragen. Die aktuell geltenden Vorgaben seien aber «dumm»: «Ich glaube, der Mann, der für die Blutspende freiwillig zwölf Monate auf Sex verzichtet, ist noch nicht geboren», sagt Quadranti. Swissmedic müsse da weitere Schritte unternehmen, damit jeder Person, die Blut spenden will und kann, dies auch ermöglicht wird.

Auch Pink Cross – der Schweizer Dachverband der Schwulen – ist enttäuscht vom Ständerat und sieht nun den Bundesrat in der Pflicht, bei Swissmedic zu intervenieren: «Es muss nun eine Regelung geschaffen werden, die nicht derart weltfremd und weiterhin diskriminierend ist», schreibt der Geschäftsleiter René Schegg in einer Mitteilung.

Risiko individuell beurteilen

Auch das SRK denkt über eine weitere Lockerung nach. Rudolf Schwabe, Direktor Blutspende , zieht seit der Einführung des neuen Fragebogens eine positive Bilanz: «Es kommen Spender, die vorher nicht gekommen sind. Jedoch bleiben diese eine Minderheit.» Eine ideale Lösung gehe aber weiter als die aktuelle Regelung. Anstatt über die Anzahl abstinenter Monate zu diskutieren, wäre es wünschenswert, wenn zukünftig das Risikoverhalten einer jeden Person individuell angeschaut würde: «Es macht einen Unterschied, ob jemand in einer monogamen Beziehung lebt oder wöchentlich einen Swingerclub besucht.» Nach dem Sammeln erster Daten, möchte die Blutspende SRK bei Swissmedic eine weitere Lockerung der Regelung beantragen.

12-Monats-Regelung beliebt

Auch Staaten wie die USA, Australien, Japan, Frankreich, die Niederlande oder Grossbritannien lassen nur Homosexuelle, die ein Jahr abstinent lebten, zur Blutspende zu. Andere Länder haben die Zulassung zur Blutspende weiter erleichtert: So wird in Spanien und Italien beispielsweise eine Risikoabschätzung auf individueller Basis vorgenommen. Dazu wird unter anderem die Zahl und Herkunft der Sexualpartner erfragt – unabhängig von der sexuellen Orientierung.

Wie stehe Sie zur aktuellen Regelung? Sollen Homosexuelle weiterhin nur nach zwölfmonatiger Abstinenz zur Blutspenden antreten dürfen, oder sollte die Vorlage angepasst werden? Diskutieren Sie mit uns in der Kommentarspalte.

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