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Gibt es den «Leuthard-Effekt»?

Die Bundesrätin steht im Ruf, grossen Einfluss auf die Bevölkerung zu haben. Stimmt das? Ein Blick in die Statistik.

Doris Leuthard gab heute ihren Rücktritt bekannt – sie geht mit beachtlichem Leistungsausweis.
Doris Leuthard gab heute ihren Rücktritt bekannt – sie geht mit beachtlichem Leistungsausweis.
Keystone

Doris Leuthard verstand es wie kein anderes Mitglied der Landesregierung, ihr Image zu kultivieren. Das einer Gewinnerin. Sie tat es als Vorsteherin des Volkswirtschaftsdepartements, dann an der Spitze des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. Mit einem Lachen im Gesicht und indem sie Erfolg an Erfolg reihte.

Die Medien machten sie zur «strahlenden Gewinnerin», das Land sprach vom «Leuthard-Effekt». Wenn die Frau aus Merenschwand im Kanton Aargau für den Bundesrat in den Abstimmungskampf zog, so die Erzählung, dann mussten sich die Gegner warm anziehen.

Der «Leuthard-Effekt» wurde zur Chiffre von Leuthards beachtlicher Bilanz. Zur politischen Floskel wie der Röstigraben oder die Stadt-Land-Problematik. Doch gab es ihn wirklich?

Die Abstimmungserfolge

Ein Blick in die Statistik bestätigt: Leuthard war eine erfolgreiche Bundesrätin. In ihren 12 Amtsjahren zog sie in 18 Kämpfe um eidgenössische Vorlagen. 18-mal musste sie sich gegen Referenden stellen, für Gegenentwürfe weibeln, Initiativen bekämpfen.

16-mal gelang ihr das: Sie kämpfte gegen No Billag, gegen die Atomausstiegs-Initiative. Sie brachte die Energiewende durch, das neue Raumplanungsgesetz, die zweite Gotthardröhre. Nur zwei Urnengänge, bei denen Leuthard den Lead hatte, gingen verloren:

  • März 2012: Die Stimmberechtigten sagen Ja zur Zweitwohnungsinitiative. Der Bundesrat hat für ein Nein geworben.
  • November 2013: Über 60 Prozent lehnen die Preiserhöhung für die Autobahnvignette ab.

Unter den amtierenden Bundesräten verbuchte die abtretende Bundesrätin damit die höchste Erfolgsquote.

Die Zahlen sprechen also für Leuthard. Auch wenn es festzuhalten gilt, dass Leuthard von allen Mitgliedern der Landesregierung am längsten im Amt ist, die meisten Abstimmungskämpfe ausfocht, der Bundesrat generell öfter gewinnt denn verliert.

Die Umfragekönigin

Mit jedem politischen Erfolg zementierte Leuthard ihr Image als Wahlkämpferin. Der «Leuthard-Effekt» schlug sich dadurch auch in ihrer Wahrnehmung nieder. In einem Land, das seine Regierung nicht direkt wählt, mögen Umfragewerte weniger bedeuten als anderswo. Bei Abstimmungen über Initiativen, Referenden und Bundesbeschlüsse sind sie dennoch nicht zu unterschätzen. Es spielt sehr wohl eine Rolle, wer die Position der Landesregierung vertritt. Die Menschen nahmen Leuthard diese Rolle ab.

Bestes Beispiel dafür war eine Trendumfrage der SRG vor der Abstimmung über das Energiegesetz. Menschen der verschiedensten politischen Couleur attestierten Leuthard enorme Glaubwürdigkeit in Energiefragen – nur in der Wählerschaft der SVP sah man das etwas anders.

Anfang 2018 vergaben über 20'000 Menschen in der ersten Welle der Tamedia-Wahlbefragung Schulnoten an den Bundesrat. Leuthard erhielt das zweitbeste Zeugnis, hinter SP-Bundesrat Alain Berset.

Drei Statistiken, drei Spitzenpositionen: Die Zahlen sprechen für Doris Leuthard. Ein Beleg muss für den «Leuthard-Effekt» müssen sie nicht sein. So oder so hat die abtretende Bundesrätin sich das Image erarbeitet.

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