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Flügellose Maulhelden

Während Nationalräte in der Kampfjetdebatte nicht viel gescheites von sich geben, ist unser Land eigentlich auf neue Flieger angewiesen.

Die Schweiz braucht mehr Militärflieger.
Die Schweiz braucht mehr Militärflieger.
Bruno Petroni

Flugplatz Dübendorf. Für einmal hat es aufgehört zu regnen, und die Wolken am Himmel lichten sich. Ich bin hier mit dem Kreiskommandanten des Kantons Zürich verabredet und ein wenig zu früh dran. Ich nehme in der Waffenplatz-Beiz einen Kaffee und schlendere danach übers Areal. Ich sehe die Pilatus-Trainingsflugzeuge in den Hangars. Drei Helikopter stehen auf ihren Pads. Die Tore des einen Hangars stehen offen. Drinnen schrauben zwei Mechaniker an einer F/A-18 herum. Ich schaue ihnen ein wenig zu und laufe dann weiter.

Wenige Tage zuvor hat das Verteidigungsdepartement (VBS) mitgeteilt, dass wieder neue Haarrisse an einer Maschine entdeckt wurden und man die Flotte kurzzeitig grounde. Schweizer Luftwaffe, du machst mir Sorgen. Und mit dieser Sorge einher geht der Ärger über die Ratslinke des eidgenössischen Parlaments. Ich habe mich an dieser Stelle schon über das gefährliche Unwissen verschiedenster politischer Exponenten enerviert. «Einmal reicht», dachte ich mir danach. Scheinbar nicht.

Die Bevölkerung hat den Verfassungsauftrag, das Land im Ernstfall zu verteidigen.

Was Nationalräte wie Priska Seiler Graf (SP) oder Balthasar Glättli (Grüne) in der Kampfjetdebatte an Stuss verbreiten, ist die Luft nicht wert, die verwendet wurde, um ihre Sätze am Rednerpult vorzubringen. Glättli erzählt irgendetwas von Klimakrise – wie immer. Und Seiler Graf warf mit Kampfbegriffen wie «Luxuskampfjets» um sich. Die Ausgangslage ist klar, also für das Gros der Bevölkerung jedenfalls. Diese hat in den verschiedensten Abstimmungen in den letzten Jahrzehnten klargemacht, dass man an einer Schweizer Milizarmee festhalte. Sie hat den Verfassungsauftrag, das Land im Ernstfall zu verteidigen.

Ob Glättli oder Seiler Graf das gefällt, ist irrelevant. Auch der Eiertanz um den Begriff «Luftpolizeidienst» ödet an. Die Schweiz braucht neue Flieger. Die F/A-18 werden mit Müh und Not am Leben und einsatzfähig gehalten. Dass dies nicht nahtlos gelingt, ist offensichtlich. Es ist richtig, dass die Schweizer Armee auch den Luftpolizeidienst erledigen muss. Sollte ein unbekanntes Objekt in den Schweizer Luftraum eindringen, werden die Kampfjets am Boden ausgelöst. «Hot Mission», nennt man dies. Aber die Luftwaffe, es ist schon fast lächerlich, dass man das erklären muss, ist primär für den Kriegsfall da. Ebenso die Armee, trotz subsidiären Einsätzen. So der Verfassungsauftrag. Darum muss es nicht, wie von der SP angeführt, darum gehen, welches Flugzeug sich für den Luftpolizeidienst eignet und welches nicht. Sondern welcher Kampfjet sich auch (!) dafür eignet. Das italienische Trainingsflugzeug, das nicht einmal Schallgeschwindigkeit erreicht und von keinem Land dieser Welt als Kampfjet eingesetzt wird, das die SP vorgeschlagen hat, eignet sich schon mal nicht im Geringsten. Niemand schlägt der Polizei für ein neues Einsatzfahrzeug einen alten Traktor vor. Wieso also der Armee?

Die Luftwaffe ist primär für den Kriegsfall da.

Es braucht ein modernes Kampfflugzeug, das über viele Jahre hinweg von der Schweiz eingesetzt werden kann. Ansonsten schafft man nur wieder einen Flickenteppich, der ständig mit irgendwelchen Notfallmassnahmen zusammengehalten werden kann. Für Glättli und Konsorten wird es Zeit, über ihren ideologischen Graben zu springen. Von der Ratslinken wird für einmal Ordnungspolitik erwartet.

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